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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.11.1905
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- 1905-11-28
- Erscheinungsdatum
- 28.11.1905
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- Deutsch
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276, 28 November 1905. Nichtamtlicher Teil. 11169 beherrscht haben, kann dies eigentlich nicht sonderlich auffallen. Denn die praktische Handhabung der augenärztlichen Kunst war während der genannten Zeit den Händen des zünftigen Arztes so gut wie ganz entglitten. Fahrende Heilgehilfen und Pfuscher waren die Leute, zu denen während des Mittelalters der Augen kranke seine Zuflucht nehmen mußte; oder, wenn es hoch kam, fand sich wohl hier oder da auch einmal ein augen kundiger Bartscherer oder Bader. Daß bei solch' einer Lage der ophthalmologischen Praxis an eine befriedigende Ent wicklung der spezialistischen Ophthalmo - Literatur nicht zu denken war, bedarf schließlich weiter keiner besondern Ver sicherung. So waren es also zunächst die schauderhaften lateinischen Ausgaben der Araber, die das literarische augen ärztliche Bedürfnis zu decken berufen waren. Daneben fanden sich dann aber auch allgemeine Lehrbücher der Chirurgie, in denen als Anhängsel in einem besonder» Kapitel wohl auch die Augenerkrankungen besprochen wurden, allerdings auch in weitgehendster Anlehnung an die Araber, so z. B: Loäroa s Oruco, Obii-urZia uoivor- «olis. (Veustiis 1596 ) Dieses Werk spielt in der mittel alterlichen augenärztlichen Literatur deshalb eine gewisse Rolle, weil es Abbildungen antiker Augen-Instrumente bringt. So finden wir da z. B. die Starnadel des Celsus abgebildet u. a. m. Eines ganz besondern Ansehens erfreute sich mit Recht das chirurgische Lehrbuch von 6u^ graos wil trois 06N8 soixants et trois. Ksstituss p!>r I-aursns äoubsrt (Rouen 1641), das gleichfalls die Augenheilkunde unter ausgiebigster Benutzung der arabischen angenärztlichen Literatur behandelt. Von ganz besonderm literarischen Interesse sind aber jene Darstellungen, die in selbständiger Form, gleichsam in Gestalt selbständiger Lehrbücher, die Augenerkrankungen behandeln. Eine stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert und erregt dadurch unsre ganz be sonder Aufmerksamkeit, weil ihr Verfasser der Papst Johann XXI. war (von 1276—1277 auf dem Stuhl Petri). Dieses okulistische Kompendium erfreute sich während des Mittelalters großer Beliebtheit und ist erst vor wenigen Jahren textmäßig und in Übersetzung herausgegeben worden: Berger- Die Ophthalmologie (libsr äs ooulo) des Petrus Hispanus (Petrus von Lissabon, später Papst Johann XXl), (München 1899). Die andre mittel alterliche Darstellung der Augenerkrankungen wird einem ge wissen Benvenut von Salerno zugeschrieben, der wahrscheinlich im dreizehnten Jahrhundert gelebt und dessen Schrift während des ganzen Mittelalters sich großer Beliebtheit er freut hat In der Literatur findet sie sich unter dem Titel: Benvenuto Grapheus, Os oouloruw akksetiooibuL (Vsustiis 1497) und Berger und Auracher, Des Ben- venutus Grapheus »Lraottoo oouloruui« (München 1884). Diese neue Ausgabe bringt den lateinischen Text, sowie eine gründliche Kritik der vorhandenen Handschriften. Von ganz besonderm Wert für die deutsche mittelalterliche Augentitcratur ist aber das Werk des Georg Bartisch aus Königsbrllck. Denn dieser wackere Mann verfaßte die erste deutsche Augenheilkunde: Bartisch, '0^>Aa-.ziockoi.-Xk7«, das ist Augendienst, Neuer und wohlgegründeter Bericht von Ursachen und Erkenntniß aller Gebrechen, Schäden und Mängel der Augen und des Gesichtes (Gedruckt zu Dresden durch Malhes Stöckel 1583). Im Jahre 1584 erschien eine zweite Auflage bei Sigismund Feycrabend in Frankfurt a. M. und 1686 eine dritte in Nürnberg bei Georg Scheurer. Mit diesem Werk von Bartisch nimmt die deutsche augenärztliche Literatur ihren Anfang, und dadurch eben gewinnt es für die deutschen Augenärzte einen ganz besonder» Wert, auf den es vom rein wissenschaftlichen Standpunkt aus eigentlich keinen sonderlichen Anspruch er- BSrsknblaU für veu deutschen Buchhandel. 12. Jahrgang. heben dürfte Denn sein Inhalt trägt genau den nämlichen Charakter, wie ihn die augenärztlichen Erzeugnisse der nicht deutschen mittelalterlichen Augenärzte auch zeigen, d. h also eine durch Spekulation und engen Anschluß an die Alten sowie an die Araber vielfach beengte und verunstaltete eigne Erfahrung. Und wenn wir nun noch hören, daß Bartisch als echtes Kind seiner Zeit der Theologie und Astrologie eifrigst anhing, so werden wir uns einen Begriff von dem wissenschaftlichen Charakter dieses Grundsteins der deutschen Ophthalmo-Litcratur machen können. Trotzdem steckt ein gut Stück augcnärztlichcn Wissens und Könnens in Bartisch und seinem Werk. Wir können nun wohl in dem Augendienst des Bartisch den Schluß der mittelalterlichen Ophthalmo-Literatur sehen. Denn um die Wende des fünfzehnten und sechzehnten Jahr hunderts begann sich bekanntlich der Humanismus kräftig zu regen, ein Vorgang, der auch in der augcnärztlichen Literatur in sehr ausgesprochener Weise zum Ausdruck ge langte. Denn der empirisch-spekulative Charakter, den diese bis dahin so deutlich gezeigt hatte, verschwand — wenigstens in gewissen Gebieten dieser Wissenschaft — nunmehr voll ständig, während er sich allerdings in andern Zweigen derselben zunächst noch erhielt Damit gewinnt die Ophthalmo-Litcratur der neuern Zeit, d. h. die von der Wende des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts bis zu der mit Graefe anhebcnden Epoche der modernen Augen heilkunde reichende, einen zwiespältigen Charakter. Während nämlich die Hilfswissenschaften der Ophthalmologie, nämlich Anatomie, Physiologie, physiologische Optik, pathologische Anatomie jetzt durch rein objektive, jeder spekulativen Vor aussetzung sich möglichst enthaltende Beobachtung und Ver suche ihre Wissensgebiete zu erweitern trachteten, bewegte sich die klinische Augenheilkunde noch immer in den alten Gleisen von spekulativ konstruierten Krankheitsbegnffen und künstlich aufgebauten Systemen. So haben wir es also vom fünfzehnten Jahrhundert an bis in die Mitte des neun zehnten mit einer Ophthalmo-Literatnr zu tun, die uns bald ganz modern anmutet, bald wieder mit dem Rüstzeug der alten Zeiten, mit Spekulation und willkürlich konstruierten Voraussetzungen arbeitet Daß diese spekulative Richtung gerade in der Literatur der klinischen Augenheilkunde in so scharf ausgesprochener Weise auftreten konnte, kam daher, daß die Beurteilung der Krankheitserscheinungen und ihres Wesens zu einer ausschließlichen Benutzung der voraus- setznngslosen Beobachtung und des Versuchs erst gelangen konnte, als ihr die Hilfswissenschaften das zu einer solchen Forschungs-Richtung unentbehrliche Material an anatomischer, physiologischer, optischer und pathologischer Einsicht geliefert hatten. Da aber die Hilfswissenschaften diese gewaltige Auf gabe nur allmählig bewältigen und nur auf Grund einer langen, langen Arbeit der Ophthalmo-Klinik den zu der modernen exakten Auffassung nötigen Boden zubereiten konnten, so ist es leicht verständlich, daß grade die Klinik den andern Zweigen unsrer Wissenschaft gewaltig nachhinken und zu einer Zeit noch mit dem philosophischen Wenn und Aber operieren mußte, als Anatomie, Physiologie usw. schon längst sich der völlig modernen naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden bedienten. Wir werden diese unsre Analyse der neuern Ophthalmo- Litcratur (16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts) nunmehr durch einige bibliographische Belege zu erhärten haben. Doch werden wir uns bei diesem Beginnen einer großen Enthaltsamkeit zu befleißigen haben, weil die augenärztliche Literatur jetzt so gewaltig zuzunehmen beginnt, daß an eine Namhaftmachung aller der Erwähnung werten Publikationen gar nicht mehr zu denken ist. Wir werden daher nur einige wenige literarische Erscheinungen hervorheben, die die t«72
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