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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.11.1919
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1919-11-10
- Erscheinungsdatum
- 10.11.1919
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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X- 247, 10. November 1019. Redaktioneller leil. Börsenblatt f. Dtschn. Buchhandel. eine Zusammenstellung aller derjenigen Firmen bekannt, die bis her im Börsenblatt besondere Verkaussbedtngungen für das -Ausland angezeigt haben.) Der den bisher üblichen Zuschlägen zugrunde liegende Pri vat- und volkswirtschaftliche Gesichtspunkt ist aber im Prinzip der gleiche wie derjenige, der Veranlassung zu den Vorschlägen des Börsenvereins-Vorstands gab. Dieselbe Meinung vertritt auch die Bezirksgruppe Leipzig des Zentralverbands des deutschen Großhandels, wenn sie in einem Rundschreiben ausführt: »Bei Lieferungen in das Ausland muß heute von deut scher Seite etwa das Fünffache des nach Friedensparität um gerechneten Auslandskonkurrenzpreises gefordert werden. Bie ten also die Amerikaner in Holland Schreibmaschinen zu 300 Gulden an, so kann der deutsche Fabrikant dieselben Schreib maschinen mit 2500.— anbieten und ist doch noch billiger als der Amerikaner. Wer heute Waren aus Deutschland in das Ausland verkauft, hat die Pflicht, sich vorher dementsprechend über die Preisverhältnisse am Auslandsmarkts zu unterrichten. Ein gegenseitiges Unterbieten der deutschen Konkurrenten ist heute sinnlos, denn ihre Ware wird ihnen vom Auslande aus den Händen gerissen, auch wenn sie nicht 50°/° unter den Preisen der Auslandskonkurrenz bleiben.« Was hier von reinen Konkurrenzartikeln gesagt ist, gilt in erhöhtem Maße von dem in gewissem Sinne monopolistisch ge arteten Buche. In einem an den Börsenverein gerichteten Schreiben machen die Elberfelder Farbwerke namens der Vereinigten Deutschen Teerfabriken auf die Verschleuderung wertvoller deutscher Fach- Werke im Auslände aufmerksam, die zu einer Entblößung des deutschen Marktes führen muß, sodaß schließlich ein Rückkauf zu erhöhten Preisen nötig zu werden droht. Dabei ist «ine solche Verschleuderung an die ausländische Kundschaft nicht einmal die vorherrschende Folge der billigen Einkaufsmöglichkett des auswärtigen Händlers. Dieser fordert vielmehr häufig vom ausländischen Publikum den der Welt marktslage entsprechenden Preis. Der deutsche Buchhändler hat aber weder daran ein Interesse, daß das auswärtige Publi kum zu einem lächerlichen Preise deutsche Bücher erwirbt, noch daran, daß der auswärtige Händler übermäßige Gewinne er zielt. Nicht weil er jenem den billigen Verkaufspreis, diesem den erhöhten Gewinn mißgönnt, sondern weil es unkaufmännisch ist, zugunsten des Auslandes auf einen möglichen Mehrerlös zu verzichten. Ein wesentliches Ziel unserer Volkswirtschaft ist die He bung unserer Exportziffer. Leidet der Umsatz nicht unter einer äiigemessenen Preiserhöhung, so wird die Exportziffer durch jede Preiserhöhung vergrößert. Nur eine Steigerung der Ex portziffer wird aber die Bewertung unseres Geldes im Aus lande allmählich wieder heben. - Der Eitiwand, es könne dem Verleger gleichgültig sein, von wem er seinen Laden- bzw. Nettopreis erhalte, vom Aus länder odek^wm Inländer, dürfte übersehen, daß er nicht den erlangbarcn Mehrerlös seinem Privat- und damit unserem Na tionalvermögen ohne ersichtlichen Grund vorenthalten sollte. Es mag zutreffen, daß sich im Auslande weiter zahlreiche Stim men gegen den »profitgierigen« deutschen Buchhändler erheben werden. Aber ist es nicht Sclbsterhaltungspflicht unseres Vol kes, daß es sich für die wenigen wirtschaftlichen Güter, die ihm noch zur Beschaffung von Nahrung und Kleidung verfüg bar sind, einen einigermaßen angemessenen Gegenwert zu ver schaffen such^ Gewiß fällt die Ziffer unseres Bücherexports für unsere Zahlungsbilanz nicht sonderlich ins Gewicht. Aber hier darf nicht nur der Wert des exportfähigen deutschen Bücher vorrats mit dem Werte der durch uns einzuführenden Güter verglichen werden, sondern auch mit den sonstigen auf unserer Seite verfügbaren Zahlungsmitteln. Und diese sind bekanntlich jetzt sehr gering, da das wertvollste wirtschaftliche Gut, das wir noch in die Wagschale zu werfen haben, unsere Arbeitskraft, zum großen Teil infolge' des Mangels an Rohstoffen brachliegt. Unser Geld ist im Auslande fast wertlos, weil seine trügerische Fülle im Widerspruch steht zur Knappheit wirklicher, ihren Wert in sich selbst tragender wirtschaftlicher Güter. Soll nun aber auch das deutsche Buch im Auslands dem ausländischen Buche gegen über — selbst bei gleichem inneren Wert und gleich guter äußerer Ausstattung — bloß seines Ursprungs wegen ungeheuer viel bil liger sein? Gewiß kann der billige Preis segensreich sein, wenn hierdurch die Kauflust in besonderem Maße angeregt wird, so- daß sich der geringe Nutzen infolge gesteigerten Umsatzes aus- gleicht. Aber-für minderwertige Bücher hat das Ausland wenig Interesse, der Preis mag noch so billig sein. Und wirklich wert volle Bücher werden schwerlich vom Auslande nur dann gekauft, wenn sie spottbillig sind, sie werden vielmehr auch dann >wch begehrt, wenn sie immer noch im Verhältnis zu gleichartigen fremdländischen Artikeln besonders wohlfeil sind. Diese Grenze darf natürlich nicht überschritten werden. Es gilt hier eben, sowohl den Abfluß nach dem Auslands ohne Erzielung eines angemessenen Gegenwertes wie eine Lähmung des Exports zu vermeiden. Eine »angemesseM Preis« wird aber, wie wiederholt sei, nicht schon darum erzielt, weil ja der Ausländer denselben Preis wie der Inländer zahlt und weil der Ladenpreis angemessen berechnet ist. Denn natürlich sind dem Verleger 10.— gleich viel wert, ob er sie nun vom Ausländer oder vom Inländer erhält. Aber das Vermögensopfer, das der ausländische Käufer bringt, steht in einem schreienden Mißverhältnis zu den Preisen, die er für Geistesprodukte anderer Nationen gleicher Art und Güte zu entrichten pflegt. Wenn von einer Seite darauf aufmerksam geinacht wird, daß das Ausland gegen die Verteuerung des deutschen Buches Vorgehen werde, so dürfte zu erwidern sein, daß das Ausland im Gegenteil ungehalten sein wird, wenn der billige deutsche Büchcrpreis die Weltmarktpreise drückt. Bei der Ausfuhr von Konkurrenzartikeln ist der Deutsche geradezu gezwungen, sein« Preise den Weltmarktpreisen anzupassen, will er jetzt nicht ein schneidende Maßnahmen des Auslandes gewärtigen. Wer ein wenden wollte, das Buch sei kein Konkurrenzartikel, muß zu geben, daß er auch aus einer anormalen Billigkeit keine wesent lich gesteigerten Umsätze zu erwarten hat. Denn die Fälle, daß sich der Ausländer nur wegen der besonders auffallenden Bil ligkeit deutsche Bücher zulegt, dürften zu den Ausnahmen ge- hören. Tut er es aber etwa aus spekulativen Gründen, so ent geht dem deutschen Volksvermögen der später von ihm erzielte Gewinn, oder Deutschland kauft die ehemals verschleuderten Bü cher sogar selbst zu Wucherpreisen vom Auslande zurück. Hier ist freilich zuzugeben, daß die Frage nach der Ab hängigkeit des Umsatzes vom Preise von vornherein nicht ein heitlich für das »deutsche Buch« gestellt werden kann und daß auch die vage und unbestimmte Unterscheidung zwischen »wert vollen« und »minderwertigen- deutschen Büchern der vielseitigen Wirklichkeit nicht gerecht wird. Und es kann nicht geleugnet werden, daß sich der Anreiz zum Kauf mit zunehmender Billig keit steigern kann, daß möglicherweise das Ausland, das ja 'allenthalben der Kultur Deutschlands keine großen Sympathien entgegenbringt, sogar eines besonderen Lockmittels bedarf und daß dort die beabsichtigte Vervollständigung einer Sammlung oder die Neuausstattung einer Bibliothek mit deutschen Büchern vielleicht in dem Augenblick unterbleibt, wo sich der Reiz der »günstigen Gelegenheit« verringert. Glaubt ein Verleger, daß ein solcher besonders fühlbarer Zusammenhang zwischen Auslandspreis und Auslandsumsatz für seine Verlagswerke besteht, und reicht überdies sein Vorrat für absehbare Zeit zur Deckung des Weltbedarfs aus, dann muß ihm auch jede Verteuerung seiner Bücher als ein Abweg er scheinen, weil sie nicht auf Kosten des Umsatzes gehen darf. Und unzweifelhaft ist der Einwand gegen den Entwurf der Ver kaufsordnung schwerwiegend, daß die Verschiedenheiten der Lin zelfalles — der Verlagsartikel, des Verhältnisses vom Vorrat zum Weltbedarf und anderes mehr — von vornherein eine einheitliche Regelung ausschlössen. Denn eine generalisie rende Ordnung kann eben stets nur einen bestimmten Typus der Fälle zugrunde legen und auf die Besonderheiten der Ber- legerfachgruppen und die Individualität des einzelnen Betriebes nur in beschränktem Umfange Rücksicht Nehmen. 990
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