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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-01-09
- Erscheinungsdatum
- 09.01.1915
- Sprache
- Deutsch
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Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1915
- Monat1915-01
- Tag1915-01-09
- Monat1915-01
- Jahr1915
- Titel
- Börsenblatt für den deutschen Buchhandel
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- No.
- [4] - 30
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Redaktioneller Teil. ^ 6, 9. Januar 1915. Berlin IV. 86. den 31. Dezember 1914. Reichs-Postamt 16 2017. Auf die Eingabe vom 18. Dezember. Die Verzögerungen und Beschränkungen im Postaustausche zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn werden nicht durch mangelhafte Postbeförderung, sondern durch die infolge des Krieges angeordneten militärischen Massnahmen verursacht. Seitens der Reichs-Postverwaltung wird zwar stets daraus hin gewirkt, daß diese Maßnahmen die rechtzeitige Weiterbeförde rung der Postsendungen möglichst wenig beeinträchtigen, die zurzeit überwiegenden militärischen Interessen lassen es indes nicht immer zu, daß Verzögerungen in der Weiterbeförderung der Postsendungen fernbleiben. Etwaige auch weiterhin hier durch hervorgerufene Schädigungen und Störungen des deut- scheu Buchhandels werden daher, so beklagenswert sie an sich sind, als unausbleibliche Folgeerscheinungen des Krieges an gesehen werden müssen. Im Aufträge des Staatssekretärs gez. Kobelt. An den Börsenverein der Deutschen Buchhändler in L ei pzi g. Am Strome der Zeit. Rückblicke und Ausblicke auf Literatur und Buchhandel. I. (Siche zuletzt 1814, Rr. 288.1 Während unser Vaterland seine größte und hoffentlich auf lange Zeit hinaus letzte Kraftprobe in Gestalt des Krieges ab legt, während die Gedanken der Menschheit sich auf das Schauspiel gewaltiger äußerer Geschehnisse richten, stieß ich aus der Suche nach Büchern, die mir etwas zu sagen hatten, auf Lhotzkys »Evangelium von der Kraft« (Ein Buch zum Erleben. Kl.8", 227 S. Ludwigshafen am Bodensee 1914, Haus Lhotzky Ver lag. Kart. «K 2.50; geb. ^ 3.50). Ich kannte außer seinen Betrach tungen über unsere Bücherproduktion und seinem Weihnachtsauf- ruf »Sparet nicht an Büchern!« so gut wie keine seiner Schriften, wußte aber aus meiner Lehr- und Wanderzeit, daß er sich nach seinem Auftreten als geistiger Führer rasch eine Gemeinde er worben hatte, die ihm treu blieb und aus Leuten bestand, die mir als »Suchende« und als Menschen und Bücherkäufer Achtung einflößten. Nunmehr sollte ich ihn, der im Laufe der Zeit als Mitinhaber des Haus Lhotzky Verlags auch Angehöriger unseres Berufes geworden war, von der eigentlichen Seite seines Wir kens kennen lernen, und zwar in einer Reihe von Essays, die, wenn sie auch zum Kriege nicht direkt Beziehung haben, uns doch gerade in dieser schweren Zeit unendlich viel gute und tröstliche Gedanken vermitteln können. Lhotzky steht in der ersten Reihe der Lebensbejaher. Sein Auge umschließt den weilen Horizont aller menschlichen Lebensverhältnisse, fein Geist überfliegt all die Schranken, die in religiöser, konfessioneller und politischer Be ziehung die Kulturmenschen voneinander trennen, und führt alle Erscheinungen unseres gegenwärtigen inneren und äußeren Le bens auf den Schrei nach Kraft, die Vorbedingung aller mensch lichen Aufwärtsentwicklung, zurück. Er verfolgt diesen Schrei nach Kraft durch Geschichte und Naturgeschichte und weiß aus beiden die Nutzanwendung für unser Leben und unsere Erkennt nis zu ziehen. So steht er z. B. in den konfessionellen und politi schen Streitigkeiten lediglich notwendige Kraftäußerungen, die, so verschieden sie auch in der Form und so unangenehm sie oft in der Wirkung sein mögen, doch immer auf das eine Ziel ausgehen, die menschlichen Kräfte im Haushalte des Lebens zu steigern. Er un terscheidet nicht wie Nietzsche zwischen Übermenschen und Herden menschen, sondern zwischen den Wenigen und den Vie len, zwischen der Persönlichkeit und der Masse. Die Kraftsteigerung in der Masse entsteht durch Organisation, die wiederum ohne die Kraft der Führer nicht denkbar st!. Als Lhotzky sein Evangelium von der Kraft nieder-l 30 schrieb, dachte er nicht an den Krieg, glaubte sogar mancherlei Gründe für die Erhaltung des Friedens unter den führenden Kul turvölkern beibringen zu können. Die Mobilmachung als organi satorische Leistung unseres Generalstabes ist aber eines der besten Beispiele, die seine Ansichten bestätigen, und die Taten der Hin- denburgschpn Armee zeigen, wie durch die Fähigkeiten des Ein zelnen die Massen zu höchster Kraftleistung angefpornt werden können. Wie auf militärischem, so ist es auch auf rein geistigem Gebiete. Was Lhotzky über die Kraft sagt, die dem Menschen aus dem Leide erwächst, ist so recht für die Schwere unserer Zeit geschrieben und macht ihn mit seinen Büchern zum geistigen Füh rer, zum Tröster in geisüger Not, dem man sich gern anvertraut. Seine einfache Schreibweise, die selbst dem weniger Gebildeten die Lektüre ermöglicht, bahnt ihm hoffentlich den Weg zu größerer Volkstümlichkeit. Wenn der deutsche Buchhandel das Seinigc da zu beiträgt, wird er sich und seinem Volke nützen. Denn die Schriften Lhotzkys find wie kaum andere geeignet, die religiösen, politischen und anderen Gegensätze der Menschheit im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens auszugleichen und dieses Zusam menleben unter den Gesichtspunkt weitestgehender Erkenntnis von der Natur der Dinge zu stellen. Auch wir Buchhändler können aus dem »Evangelium von der Kraft« mancherlei lernen. Sehen wir doch, welche Bedeutung der Verfasser beispielsweise der Organisation beimißt. Was hier für die allgemeinen Verhältnisse unseres Lebens gilt, können wir ohne weiteres auch auf unsere Geschäfte übertragen. Organisa tion ist Kraftsteigerung. Wir erhöhen die Kraft und mit ihr die Leistung unserer Geschäfte, wenn wir sie zweckentsprechend organisieren. Es kommt jetzt die Zeit der Vorbereitung für die Ostermeßabrechnung.- Da ist die beste Gelegenheit, darüber nach- zudenken, wie man den Geschäftsbetrieb unter Rücksichtnahme auf die örtlichen und sonstigen Verhältnisse am besten und zweck mäßigsten organisiert. Wie sehr dieser organisatorische Gedanke im einzelnen wirkt, wie es aber dabei auch auf dendurchdach - ten Gedanken ankommt, dafür können wir jetzt im Vertriebe der Kriegschroniken mancherlei Beispiele sehen. Ein gut organisier tes Geschäft wird sich aus der Fülle der Erscheinungen ein geeig netes Objekt aussuchen und mit aller Kraft, d. h. mit Einsetzung aller geistigen und sonstigen Mittel für dieses Objekt werben. Auf die Art kommt es an. Ein Mißerfolg beruht gewöhnlich nicht auf den Fehlern im Objekte, wenn dieses tatsächlich Wert und Zugkraft besitzt, sondern auf den Fehlern des Organisators oder der Organisation. Die Zersplitterung ist der Feind der Organisa tion. Sie schließt eine Verwendung für alle möglichen Lieferungs werke aus und ist gleichbedeutend mit Kraftvergeudung und Kraftmangel. Der organisatorische Gedanke mutz unsere geschäft liche Arbeit beherrschen, wie er eine religiöse oder politische Ge meinschaft beherrscht. Aber nicht der im Dogma der geschäftlichen Tradition festgelegte, sondern der frei entwickelnde Gedanke. So ist es im großen wie im kleinen. Selbst die so gern als Neben arbeit betrachtete Schaufensterdekoration ist ohne Organisation in vollkommener Weise nicht denkbar. Die Anordnung der Bü cher im Raume, die einheitliche künstlerische und doch zweckmäßige Gesamtwirkung sind auch Ergebnisse der Organisation. Es ist dabei ganz und gar nicht gleichgültig, ob sich der Dekorateur die Haken und Stifte und andere technische Hilfsmittel mühsam aus allen Ecken zusammenholen muß oder ob dafür ein feststehen der Platz geschaffen und für ausreichenden Vorrat gesorgt ist. Wenn wir uns einen Kalender anlegen und auf ihm das Jahrcs- programm unserer Arbeit verzeichnen, so entbinden wir unser Gedächtnis von einer Last, d. h. schaffen dort Raum sllr andere, vielleicht wichtigere Dinge, steigern also durch Mechanisierung unserer Arbeit unsere Kraft. Auch von unserer Firma, von unserem Namen können wir als Kraftquelle sprechen. Unsere Ar beit, die in der zufriedenstellenden Bedienung unserer Abnehmer, in der Qualität der verkauften Ware, in der uneigennützigen Be ratung des Publikums usw. bestand, ist lebendig geworden, hat an Kraft gewonnen, die sich an unsere Firma, an unseren Na men heftet und unter Umständen unser Leben überdauert. Diese Kraft heißt Vertrauen. Sie ist die beste Grundlage eines kauf männischen oder buchhändlerischen Geschäfts. Wenn wir das Vertrauen und die Achtung der Menschen haben, dann kommen
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