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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.11.1879
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1879-11-12
- Erscheinungsdatum
- 12.11.1879
- Sprache
- Deutsch
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Zulässigkeit einer durchgreifenden Reform in Abschaffung des Dchnungs-h Hr. vr. Toeche dem Reformbedürfniß Aus druck gab, ja daß gerade Hr. vr. Toeche „im Interesse der von ihm vertretenen Kreise einfache, einleuchtende, möglichst ausnahmslose Regeln" verlangte und daraus hin wies, daß „aus den zuerst vielleicht befremdlichen Augen schein weniger Rücksicht zu nehmen sei". Ferner stimmte Hr. Toeche mit allen übrigen Mitgliedern der Konferenz gegen den einen Hrn. Sanders für Ersetzung des th durch t. Es ist also unmöglich, den „Vertreter des Buchhandels" ohne Weiteres als Autorität für den angeblich Sanders'schen Stand punkt hinzustellen. Ja selbst wenn das möglich wäre, so würde für die zunächst betheiligen Kreise, an welche die Hrn. Breit kopf L Härtel sich wenden, der „Vertreter des Buchhandels" doch vollständig ausgewogen werden durch den „Vertreter des Buchdruckes", Hrn. O. Bertram aus Halle, der bekanntlich mit der größten Energie für die mit überwiegender Majorität gefaßten Beschlüsse der Conferenz eingetreten ist. (Vergl. die „Verhandlungen re." S. 120.) Thatsächlich stand Hr. Sanders in der aus 14 Mitgliedern bestehenden Conferenz ganz allein auf dem Standpunkte des starren Festhaltens an dem angeblich lieblichen, welchen jetzt Breitkopf L Härtel an der Hand des Sanders'schen Hilfsbuches für den deutschen Buchhandel maß gebend zu machen versuchen wollen. Die beiden Herren, welche vielfach mit Sanders die Minorität bildeten, Hr. Pros. Scherer und vr. Toeche, erkannten beide das Reformbedürfniß an, stimmten beide für radicale Ausmerzung des th in allen deutschen Wörtern und nur über das Maß der für jetzt zulässigen Reform waren sie andrer Meinung als die übrigen Mitglieder der Conferenz. Soll nun der „Einheit der Hausorthographie" für die deutschen Verleger lediglich die Ansicht des Privatgelchrten Pro fessor vr. Sanders zu Grunde gelegt werden, während die An sichten der in der Conferenz anwesenden llniversitälsprofessoren und praktischen Schulmänner, die aus nur zu reicher Erfahrung wissen, wie viel kostbare Zeit aus die Erlernung der angeblich „üblichen", aber nicht leicht sestzuhaltenden, jedenfalls sehr ir rationellen und inkonsequenten Orthographie verwendet werden muß, einfach ignorirt werden sollen, so erscheint das nicht nur als willkürlich, sondern auch als völlig aussichtslos. Willkürlich ist es, wenn ein einzelner Mann, und wäre er auch noch zehnmal belesener als Sanders, mit der Aufgabe betraut wird, festzustellen und systematisch zu ordnen, was „bei dem größten Theil der Gebildeten überwiegender Brauch ist". Wenn es, wie die unbestimmten Ausdrücke „bei dem größten Theil" und „überwiegender Brauch" zeigen, einen allgemein gültigen und feststehenden Brauch, der nur systematisch geordnet zu werden brauchte, nicht gibt, so kann nur Willkür, subjeeüves Belieben auf Grund der bisherigen Praxis überall entscheiden wollen. Was ist es z. B. anders als Willkür, wenn Sanders Heimat für falsch und Heimath für richtig erklärt? Und aussichtslos ist es erst recht, wenn ein einzelner Mann der auf Vereinsachung der Schreibung, insbesondere ans Beseitigung unnöthiger Dehnungszeichen gerichteten Bewegung Halt gebieten will und z. B., wie Sanders, die Schreibung Los, Schar für richtig, aber Mos, Star sür unrichtig erklärt. Wollen die Firmen Breitkops L Härtel und alle andern, die sich ihnen anschließen, wirklich das mehrfach genannte Buch zur Norm sür ihre Schriftsetzer und Druckberichtiger machen, so setzen sie sich in Widerspruch mit allen Denen, welchen die Entwicklung der orthographischen Frage am Herzen liegt, insbesondere mit allen Lehrern, die anstatt einer „systematischen Ordnung des überwiegenden Brauchs bei dem größten Theile der Gebildeten", vielmehr mit dem „zur Conferenz zugezogenen Vertreter des Buchhandels", Hrn. vr. Toeche, „einfache, einleuchtende, mög lichst ausnahmslose Regeln" verlangen; sie setzen sich vor allein in Widerspruch mit den zahlreichen Verfassern von Schulbüchern, welche in der Reform bereits über den von Sanders als Norm festgehaltencn Standpunkt hinausgegangen sind und wenig Nei gung haben werden, sich wieder auf den letzter» zurückschrauben zu lassen. Welcher Schriftsteller, der sich im eignen Gebrauch, welcher Lehrer, der sich im Unterricht schon nach den Berliner „Regeln" oder nach Duden's „Anleitung" u. a. an die Schreibung Wirt, Turm, Armut gewöhnt hat, wird, zumal in Schul büchern, wieder Wirth, Thurm und Armuth lesen wollen? Wir halten einen solchen Rückschritt sür unmöglich, und wenn eine derartige „Reaction" durch Berufung aus den preußi schen Cultusminister (doch wohl Falk und nicht etwa Puttkamer?) empfohlen werden soll, wenn es in dem Circular von Breit kopf L Härtel heißt, daß Sanders' „orthographisch-conservative Bestrebungen auf der orthographischen Reichsconserenz sich der lebhaften Anerkennung des preußischen Cultusministcrs erfreuten", so wissen wir nicht, was wir dazu sagen sollen. Den Mitglie dern der Conferenz ist, soweit unsere Erkundigungen reichen, von einer solchen lebhaften Anerkennung nichts bekannt geworden. Bisher war man in den betreffenden Kreisen der Meinung, daß nichts dem Minister ferner gelegen habe, als Sympathie mit dem ultraconservativen Standpunkt, den Sanders als ein ziger Repräsentant der äußersten Rechten aus der Berliner Con- serenz einnahm. Doch wie dem auch sein möge, das glauben wir aus das bestimmteste annehmen zu dürfen, daß man im Preußischen Unterrichtsministerium, wo man die Einführung der oben genannten orthographischen Lehrbücher, von denen besonders das Duden'sche entschieden auf der Bahn der Vereinfachung und Erleichterung der Orthographie vorangeht, genehmigt hat, einen Rückschritt auf dieser Bahn, wie ihn das Sanders'sche „Hilfsbuch" macht, nicht begünstigen würde. So sehr die Absicht anzuerkennen ist, aus welcher der Vor schlag der Hrn. Breitkopf L Härtel beruht, so werden die daran geknüpften Erwartungen doch schwerlich in Erfüllung gehen. Mögen sich noch so viele große und kleine Buchhändler und Buch drucker mit der Sanders'schen Orthographie einverstanden erklären, eine Einheit wird auf dieser Grundlage gewiß nicht erzielt werden, denn die vermeintliche „Macht" der Buchhändler und Buchdrucker wird sich den berechtigten Forderungen der Wissen schaft und den allseitig anerkannten Bedürfnissen der Schule gegenüber fügen müssen. Geschiistsinanipulation oder Schleudere! !' Wenn Hr. ^1. L—r. in Nr. 251 die in Nr. 245 d. Bl. gefor derte Schleuderet-Enquste verwirft und meint, daß sie für die Statutenrevision (M. wie dieselbe sich jetzt gestaltet hat) nicht nothwendig sei, sondern daß der Schwerpunkt schon in dem „An gebot" liegt, so will uns das Vorkommen, als ob die Existenz eines Flusses auch schon seine Schiffbarkeit bedingte, und man ohne Unter suchung seines Bettes Schiffe erbaute, deren Größe und Tiefgang jede Benutzung auf demselben ausschließen. Es entspricht nicht unserer Neigung, in die allgemeinen De batten über die Reformen Einzelnes als Beweise hinein zu bringen. Wenn aber der Buchhandel sich Illusionen hingibt, wie sie der Artikel des Hrn. -p. L—r. enthält, dürfte es an der Zeit sein, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Wir übergehen die Aufrufe an die Verleger und Commissionäre in dem erwähnten Artikel; — es ist an deren Beistand schon oft, und vielleicht mit Recht, vergeblich appellirt worden. Ts kommt jetzt nur daraus an, sestzustellen, ob SSL*
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