^ 201. 29. August 1908. Künftig erscheinende Bücher. Börsenblati s. d. Dtschn. Buchhandel. 9147 Verlag von Egon Fleischel k Co.. Berlin VV. 9 ^ Der Graf von Gleichen Schauspiel in drei Aufzügen und einem Vorspiel von Wilhelm Schmidtbonn Preis geheftet M. 2.— ; gebunden M. 3.— Schmidtbonn offenbart in seinem Werk ein dramatisches Temperament von größter Wucht und Folgerichtigkeit, verbunden mit stärkster Innerlichkeit. Das Problem des Grafen von Gleichen, der zwei Frauen liebt, harrt seit langem der dichterischen Gestaltung. Schmidtbonn hat es gelöst. Lier fühlen wir seit langem wieder einmal, daß uns ein großes Menschenschicksal an die Brust greift. Groß vor allem auch dadurch, daß es von einem ganzen Dichter geschaut ist, daß es mit der vollen Glut dichterischer Empfindung gestaltet ist und daß es das Kleid einer eigenen, innigen und glanzvollen Dichter sprache bekommen hat. — Die Llrausführung fand im Düsseldorfer Schauspielhause statt. Angenommen ist das Stück neben mehreren anderen Bühnen auch vom Deutschen Theater in Berlin. Llnterlehrer Straub Roman von Heinrich Keller Preis geheftet M. 3.50; gebunden M. 5.— Ein neues Wiener Buch von Äeinrich Keller, das den heute in Wien so heiß entbrannten Kampf um die Freiheit der Schule schildert. Der nackensteife Llnterlehrer Straub ist der Leid, und die Konflikte, die er wegen seiner Llnbeugsamkeit zu bestehen hat, bilden den Inhalt des Romans. In diese ernste Tragödie des freisinnigen Lehrers lächelt manchmal die erlösende Satire über alle die kleinlichen Strebereien der Nebenpersonen, die kein Mittel unversucht lassen, um sich unter dem Vorwand patriotisch gemeinnütziger Tätigkeit ordentlich in Szene zu setzen. So dürfte das neue Buch Leinrich Kellers nicht bloß als spannender Roman, sondern auch als Sittenschilderung des heutigen Wien lebhaftem Interesse begegnen. Der heilige Sebastian Die Geschichte einer Ehe von Hanns von Zobeltitz Preis geheftet M. 4.—; gebunden M. 5.50 Die Geschichte einer Ehe nennt Lanns von Zobeltitz seinen neuen Roman, der uns ein schon vielfach behandeltes Thema von einer neuen Seite zeigt: die Ehe eines geistig hochstehenden jungen Aristokraten mit einer körperlich schönen, aber moralisch nicht ganz intakten Brettldiva. Ein religiöses Moment, wie es der Titel vielleicht vermuten läßt, spielt keine Nolle. Gemartert wird zwar der Leld der Erzählung auch, wie spitze Pfeile dringt allmählich die Erkenntnis seines Irrtums auf ihn ein, und zu spät erkennt er, wer in Wahrheit den Platz an seiner Seite verdiente. Der unerbittliche Tod raubt ihm die Geliebte. Ein alltägliches Thema. — Aber wie meistert es Zobeltitzl Es ist eine Psychologie der Ehe, die wir in diesem Roman vor uns haben, und voll Spannung verfolgt man den Konflikt bis zum Ende.