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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Strukturtyp
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- 1916-05-01
- Erscheinungsdatum
- 01.05.1916
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- Deutsch
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99, I. Mai 191k. Redakttoneller Teil. nicht weih, woher er kommt, noch wohin er führt. Auf ihm liegt schwerer, als der schwerste Stein auf märchenhaften Schätzen, Moder und Schutt von Welt und Sünde. Gewaltiger als das Wehen der Winde, welche das Gebirge sprengen wollen, das ans den himmelstürmenden Riesen liegen soll, muß der Hauch des Geistes sein, welcher wcgfegt Moder und Schult von Welt und Sünde, hebt den Stein vom engen Gehäuse, in welchem ge fesselt liegt der neue Mensch, ihn kräftigt, daß er sich erhebt, den Kampf mit dem alten Menschen beginnt, um den Besitz des Her zens, »in des Lebens Ziel und Richtung«. Wir Buchhändler haben den neuen deutschen Menschen mit schaffen helfen. Nun brach der Sturm los und weckte ihn. Machen wir ihn stark, daß er den Kampf mit dem Alten bestehe! Es geh! »um des Lebens Ziel und Richtung«! I)r. Friedrich Oldcubourg, Oblt. d. R. i. e. daher. Feld-Art.-Regt. Ein klein wenig vom Sinn der Neichsbuchwoche. Der Nahrungsmittelverkäufer wird den Sinn der Reichs- duchwoche rasch auf einen Nenner bringen: wo alles verdient, will der Buchhändler allein nicht leer ansgehen; er macht eine Rcichsbuchwochc, um Bücher abzusetze». Der neutrale Büchermensch wird dagegen ganz einfach sagen: die Soldaten draußen wollen und müssen auch etwas lesen, und wer ihnen Lesbares schickt, macht ihnen eine große Freude. Einer meiner Freunde sagte mir, als er auf Urlaub aus dem Felde gekommen war: Liebesgaben machen Freude, Bücher machen noch größere Freude, die größte Freude macht ein Brief. Da man nun unmöglich soviel Lesestoff, wie draußen ge braucht wird, brieflich zusammenschrciben kann, muß in vielen Fällen zum Buch und zur Zeitschrift gegriffen werden. Mancher hat es sich in vorbildlicher Weise angewöhnt, Zeitschriften- nummcrn, illustrierte Blätter u. dgl., die man sonst nach der Lektüre wcgwirft, jedesmal eiuzupacken und einem Angehörigen, Freund oder Bekannten ins Feld zu schicken. Das alles wird schon getan, — und dennoch Rcichsbuch- woche! Die Königin von Rumänien hat vor kurzem in einer Betrachtung ausgeführt, wie doch dieser Krieg die Maschinen so siegreich über die Menschen gemacht hat. Das ist gewiß eine treffende Beobachtung, wenn sic auch etwas paradox ist. Die gesteigerte Wirkungsfähigkeil der Maschine wird benutzt, um die allzeit bereite, werkzeuglose Kraft des einzelnen Menschen klein erscheinen zu lasse», Leben durch Maschinen zu vernichten — aber schließlich ist cs doch der Geist, der sich darin kundgibt, — der Geist, der jene Maschine und ihre Wirksamkeit ersonnen, der die Sprengwirkung so aufs höchste gesteigert, der das übermenschliche beherrschen gelernt hat. Geist wird gefordert zur Bedienung dieser Maschinen, daß sie keine andere als die eben gewollte Wirkung ausüben, Geist wird gefordert, um den ganzen riesigen Apparat unter einen geistig überragenden Willen zu ordnen. Insofern wird in der Tat in dieser Kricgszeit der einzelne Mensch klein unter der gewaltigen maschincnartigcn Organisation des Krieges. Ein Kopf, der zentrale Generalstab — ein paar dezentralisierte Köpfe — die Armeeführcr — kleinere geistige Selbständigkeit der weiter in der Hierarchie nach unten folgenden Führer aber im ganzen ungeheuer viel Befehlsgehorchen, exakte Maschinentätigkeit als Rädchen des ungeheuren Apparates. Der gebildete Mann, der als Armierungssoldat ein Blockhaus in Mazedonien baut oder an einer Eisenbahnbrllcke im Jnlande Posten steht, muß erst ans großen gedanklichen Umwegen sich klar machen, daß der Sieg auch mit von seinem Axthieb, womit er den Baum fällt, oder von seinem Auge abhängt. Deshalb, gerade deshalb das Buch im Felde! Deshalb die Rcichsbuchwochc! Nicht etwa so, daß nun dem Arbeitssoldaten ganz speziell durch ein Buch nachgewiesen werde, warum und wieso sein Axthieb zur glücklichen Beendigung des Weltkrieges beitrage — sondern so, daß seine geistige Tätigkeit bei alledem lebendig bleibe, daß er die Zusammenhänge im Weltgeschehen dauernd begreife und wisse, daß tausend Kleinigkeiten ein Großes aus- machen und daß der einzelne so oft nur ein dienendes Glied in einer langen Kette ist — die auch dann durch Anfang und Ende zwei wichtige Punkte verbindet, wenn das Glied in der Mitte weder den Anfang noch das Ende sieht. Jedes gute Wort, jede Erhebung des Geistes über die Enge des Tages — und verlebte mau ihn auch in der weiten Welt — hilft zur Erfassung des Sinnes, der doch schließlich in alledem liegen mutz, wenn wir nicht an der Menschheit verzweifeln wollen. So müßte also der Sin» der Rcichsbuchwochc der sein, daß jeder »gemeine Mann« im Felde ein gutes Buch bekäme, das ihm — seinem Verständnis augcpatzt — einen Blick in die Ewig keit des Wahren, Gute» und Schönen vermittelt. Für den poli tischen Kopf kann das ein rcalpolitischcs, tatsächliches, wirtschaft liches Werk sein, für den ideal gesinnten eine Dichtung, eine Er zählung, eine religiöse oder philosophische Betrachtung. Alles, was nicht trocken oder eng sachwissenschaftlich ist, eignet sich also für die Allgemeinheit. Kennt einer aber den Empfänger, und kann er ihm mit der neuesten Erscheinung seines Faches eine Freude machen, so kommt in solchem Falle auch dies in Betracht. Im allgemeinen aber mntz das für weitere Kreise Bestimmte den Vor zug erhalten. Aber nach mancherlei Erfahrungen hüte man sich da vor dem allzu Alltäglichen. Was sich da eignet, weiß der Verleger und der Sortimenter. Daß er es dem Publikum gehörig anzcigc» und nahebringen muß, damit der Sinn der Rcichsbuchwochc erfüllt werde, ist selbstver ständlich, er muß vor allen Dingen aber auch das Technische der Versendung dem Publikum erleichtern. Fertig vorhandene Kreuzbandpacküng, auf der der Käufer gleich im Laden die Adresse ausfüllen kann und deren Versendung der Sortimenter selbst bereitwillig übernimmt, ist grundlegend für den Erfolg. Denn mancher, der schon kaufen würde, weiß mit der Verpackung und Versendung nicht Bescheid und scheitert schließlich an der Mühe. Wir lassen uns doch nun einmal, wie wir sahen, im einzelnen vom Maschinellen besiegen und vergessen gern den Geist, wenn die Maschine sich dazwischenstellt. Deshalb mutz wieder der Geist seinerseits das Maschinelle sich dienstbar machen, — auf gut praktisch ansgedrückt: der Sortimenter muß anzeigen, daß alles, was während der Neichsbuchwoche gekauft werde, im Laden durch das wenn auch zusammengcschmolzene Personal des Buchhändlers postfertig verpackt werde und daß der Käufer nur zu kaufen und den Namen des Empfängers daraufzuschrciben brauche. Dann wird die Maschine dienstbar sein, um den gei stigen Erfolg zu erreichen. Alexander Elster. Sortimenter an die Front! Von Hans von Weber, München. Im deutschen Buchhandel klafft ein Spalt. Zwei Richtungen, stehen einander gegenüber — unvereinbar. Die neue, von mo dernem Geschäftsgeist erfüllt, und die alte, aus der Überlieferung geboren,' oder, mit anderen zu reden: Jene, die »früh aufstehen« (eine Leistung, deren sich kürzlich einer von ihnen rühmte), und die — Träumer, die mit Wagner sagen: deutsch sein heiße eine Sache um ihrer selbst willen tun. Die Einen sind in der Fixig keit, die anderen in der .... Richtigkeit (sage ich wenigstens) den andern über. Die Einen legen ans den Charakter ihrer Bücher den Hauptwert, die andern darauf, daß sic Rekorde schla gen. Charakter haben ist deutsche Art, Rekorde schlagen des Ameri kaners Stolz. — Augenblicklich sind die Amerikaner obenauf. Die andern können warten. Sie können ja auch warten. Sic könnten ja auch warten bis zum jüngsten Tage, wenn sich nicht endlich einmal Buchhändler in allen Gauen des Reiches entschlossen hätten, Fraktur zu reden. 507
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