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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.10.1900
- Strukturtyp
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- 1900-10-12
- Erscheinungsdatum
- 12.10.1900
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- Deutsch
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der erwähnten, immer steigenden Beliebtheit der Journale Deutsch-Oesterreich auf diesem Gebiete ganz von Deutschland abhängig ist. Ein junges inländisches Unternehmen sucht sich allerdings hier Bahn zu brechen, doch wird ihm die Konkurrenz sehr gefährlich. Das Schulbüchergeschäft ließ viel zu wünschen übrig; hier machen die Papierhändler mit ihren Teilkonzessionen und Licenzen den Buchhändlern eine geradezu erdrückende Konkurrenz. Auch das Weihnachts geschäft entsprach nicht den Erwartungen; selbst zu Ge schenken verwendet man heute das »antiquarische« Buch, und auch hier ist das Billige der Feind des Guten. Im all gemeinen läßt sich sagen, daß das Weihnachtsgeschäft 1899 für die großen Firmen der inneren Stadt schlechter, für die kleineren Firmen besser als im vorigen Jahre war. Die schweren Verhältnisse, unter denen der Sortimenter leidet, und die seine Thätigkeit einschränken, sind nicht ohne Folgen auf den Buchhandel geblieben und haben.Erscheinungen gezeitigt, die gleich einem oireulu8 vitwsus nur dazu angethan sind, dem Sortimenter das Leben noch schwerer zu machen. Der Verleger, der bei dem Sortimenter, insbesondere in der Provinz, nicht das richtige Interesse für seine Artikel findet oder zu finden wähnt, sucht immer mehr und mehr seine Verlagswerke selbst und direkt zu vertreiben und wird in diesem Streben durch den Reisebuchhandel sehr unterstützt. Dieser, ganz nach kaufmännischen Prinzipien organisiert, spezialisiert sich, verwendet sich nur für einzelne lukrative Artikel und bearbeitet das begrenztere Gebiet seiner Wahl dann auf das intensivste. Er trägt das Buch in Gegenden, wo es früher fast unbekannt gewesen, er findet den Käufer, weil er ihn aufsucht, und setzt große Werke an Leute ab, die nur selten einen Buchladen betreten hätten. Trotz der enormen Summen, die er umsetzt, ist aber sein Gewinn wegen der hohen Regiespesen und der Risikoprämien, mit denen er arbeiten muß, kein so bedeutender — Eine große Ausdehnung hat ferner in den letzten Jahren der Verkehr mit im Preise herabgesetzten und mit benutzten Büchern ge nommen, der die Spezialität des modernen Antiquars bildet. Das eigentliche Antiquariat, der Handel mit seltenen älteren, meist wissenschaftlichen Werken ist in Wien leider sehr zurückgegangen. Die Nachfrage nach alter wissenschaftlicher Litteratur ist gering, und der Bibliophile fehlt. Nur wenige Firmen betreiben dieses Geschäft. Auch die Auktionen werden immer seltener; um so freudiger ist es zu begrüßen, daß der Autographenmarkt an Bedeutung gewinnt und schon einige gute Auktionen ermöglicht hat. Dagegen ist der sogenannte moderne Antiquar heute zu einem wichtigen Faktor nicht nur im Schulbüchergeschäft, sondern auch im Weihnachtsgeschäft geworden. Der Kolportagebuchhandel ist in seiner Entwickelung durch die bestehenden preßgesetzlichen Bestimmungen stark gehemmt. Mit Befriedigung niuß bemerkt werden, daß der stets wachsende Absatz an guten Zeitschriften die früher so verbreitete schlechte Romanlitteratur immer mehr zurückdrängt. Ziemlich stabil verhält sich der Kommissionsbuchhandel. Wien ist nach wie vor als das Centrum des österreichisch ungarischen Buchhandels anzusehen, soweit es sich um deutsche und ansländische Litteratur handelt. Die Bücherleihanstalten befinden sich in bedeutendem Rückgänge. Dies gilt nicht von den großen Instituten mit einem den höheren Ständen der Gesellschaft angehörenden Kundenkreis, die noch immer ein sehr zufriedenstellendes, ja sogar sich erweiterndes Geschäft haben und die relativ teuren Erscheinungen deutscher Belletristik, freilich zum enormen Schaden des Urhebers und nicht viel weniger zu jenem des Sortimenters, in großer Zahl verbreiten. Dagegen wird die Stellung des kleinen Leihbibliothekars insbesondere in den Vor städten immer prekärer. Der Umstand, daß die so beliebten billigen Ausgaben (Universal-Bibliothek, Engelhorn rc.) immer mehr Eingang in das Publikum finden, schreckt es zunehmend vor den alten Bänden der kleinen Leihbibliothek zurück, die häufig weder dem ästhetischen Gefühl, noch strengen Anforderungen der Hygiene gerecht rberden. Weniger die Ursache als die Veranlassung des rapiden Niederganges der kleinen Leihbibliotheken in Wien ist aber in der Aus breitung des Volksbibliothekswesens zu suchen und insbesondere in den Bestrebungen des hiesigen Vereines »Bibliothek«. Wenn diese Bestrebungen auch vom kulturellen Standpunkte aus auf das lebhafteste zu begrüßen und für die Hebung der Volksbildung hervorragend wichtig sind, so läßt sich anderseits nicht verhehlen, daß sie die ohnehin wenig beneidenswerte Existenz des kleinen Leihbibliothekars völlig zu vernichten drohen. Eine bedeutende Zunahme haben die erst vor ganz kurzer Zeit in Wien heimisch gewordenen, nach deutschem Vorbild eingerichteten Lesezirkel genommen, die um unglaublich geringes Entgelt ihren Abonnenten die Zeitschriften in wöchentlich ausgegebenen Sammelmappen zur Verfügung stellen. b) Der Kunsthandel. Bei dem hohen Stande unserer Reproduktionstechnik, die in einer Anzahl großer Anstalten gepflegt wird, deren Ruf weit über die Grenzen Oesterreichs geht und deren Leistungen in der ganzen Welt verbreitet werden, ferner bei dem Um stande, daß in Wien eine Reihe namhafter Künstler thätig ist, wären die wichtigsten Faktoren für die Entfaltung eines lebhaften Kunstverlages gegeben. Man kann auch seinen derzeitigen Stand als zufriedenstellend bezeichnen, wiewohl er stark unter der Konkurrenz des Auslandes leidet. Hat ein Wiener Künstler etwas Gutes geschaffen, so wird er so fort für den ausländischen Verlag zu gewinnen gesucht, und unser inländischer Verlag ist nicht kräftig genug, diese auf strebenden Künstler auf die Dauer an sich zu fesseln. Die Richtigkeit dieser Behauptung wird am besten dadurch illustriert, daß Oesterreich-Ungarn auf dem Gebiete von Ge mälden und Zeichnungen einen bedeutenden Export aufzu weisen hat. Im Jahre 1899 sind 2 st, Millionen Kilogramm von Oesterreich-Ungarn nach Deutschland exportiert worden, während nicht ganz eine Million importiert wurde. Leider läßt sich mangels entsprechender Verzeichnisse unsere Produktion auf dem Gebiete des Kuusthandels schwer übersehen, doch umfaßt sie alle Zweige und ist nach jeder Richtung hin entsprechend. Die Absatzverhältnisse sind im Kunsthandel, insbesondere im Enzros-Handel, günstiger als im Buchhandel, da der Kredit hier weit weniger als dort in Anspruch genommen wird und die Verkäufe an das Publi kum meist gegen bar stattfinden. Allerdings wird auch auf diesem Gebiete die billige Ware bevorzugt, und die Kauflust des Publikums ist auch hier sehr zurückgegangen. Es fehlt an Sammlern und Liebhabern, und die Kunstartikel werden fast ausschließlich zu Zwecken der Dekoration gekauft; weniger aus Liebe zur Kunst als der Mode halber. Ein wirklich guter Markt besteht jedoch für kunstgewerbliche Werke, sowie für Vorlagewerke, die selbst in nicht fachmännischen Kreisen vielfach Anklang finden. Freilich steht auch dem Kunsthandel eine Reihe von Hemmnissen gegenüber, die aber nur zum Teil in unseren allgemeinen Verhältnissen begründet sind. Der Kunsthandel überhaupt hat in der letzten Zeit einen ebenso banalen wie gefährlichen Feind in der Ansichtspostkarte gefunden. Die immer mehr zur Manie ausartende Mode, derartige Karten zu versenden und zu sammeln, hat den Kunsthandel em pfindlich geschädigt, insbesondere hat sie den Verkauf billiger Landschaftsbilder, Ansichten und dergleichen fast unmöglich gemacht. Anfangs war der Ansichtskartenhandel selbst ein
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