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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.09.1878
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1878-09-04
- Erscheinungsdatum
- 04.09.1878
- Sprache
- Deutsch
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3426 »Nichtamtlicher Theil. 205, 4. September. legentlich nach Circularen verschrieben; bis dann die Artikel in 1 oder 2 Exemplaren ankommen, hat der verwegene Schleudern längst das Fett von der Suppe abgeschöpft. Wegbringen läßt sich, wie bereits bemerkt, die Schleuderet nie, aber erschwert kann sie werden, wenn dem Sortimenter das Geschäft erleichtert und die be deutenden Geschäftsunkosten vermindert werden, wo durch ihm die Möglichkeit geboten wird, seine Thätig- keit größer zu entfalten. Dies kann vorerst nur durch das Groß-Sortiment geschehen. Es ist nur die Frage: Wie soll das Groß-Sortiment durchgeführt werden? Zuerst bemerke ich zur Definition des Begriffs „Groß-Sor- timcnt", daßichnnterGroß-Sortimenter keine Schleudere! ver stehe. Es ist zwar eigentlich überflüssig, eine Begriffserklärung zu geben, da es sich ganz von selbst versteht; die vielen Artikel pro und contra Groß-Sortiment, bei denen immer im Hintergründe der schöne Titel Schleuderer durchschimmert, beweisen aber, daß Mancher diese beiden Begriffe durcheinander wirft. Der Groß- Sortimenter ist der Grossist oder Lagerhalter für den außer Leipzig wohnenden Detaillisten oder Sortimenter. Ich gebe Hrn. Lambeck in allen Punkten Recht, nur in dem einen nicht, daß in allen Provinzialstädten und in größeren Orten Groß-Sortimente entstehen sollen. Diese Idee ist undurchführbar. Wenn das Groß- Sortiment dem Sortimenter Nutzen und dem Groß-Sortimenter Verdienst bringen soll, so kann es nur von Leipzig aus betrieben werden, und zwar schon aus dem einen Hauptgründe, weil es durch die ganz unbegrenzbaren Kosten unmöglich ist, in anderen Städten ein ausreichendes Lager zu errichten. Der Sortimenter muß durch seinen Groß-Sortimenter Alles beziehen können, und zwar schnell; Alles aus Lager haben, ist aber unmöglich; wenn der Leipziger Groß-Sortimenter sein Lager richtig assortirt und vor allen Dingen die Artikel derjenigen Verleger aus Lager hält, die hier nicht aus liefern lassen, so ist er mit höchst seltenen Ausnahmen stets in der Lage, allen Anforderungen des Sortimenters zu entsprechen. Anderer seits halte ich die Errichtung eines guten Groß-Sortiments für viel zu schwierig, als daß laut Hrn. Pseilstücker's Programm mit einem Schlage die Verminderung der Baarpackete durch- gesührt und dem Gesammtbuchhandel von Leipzig aus der Weg zur Emancipation von Leipzig gezeigt werden könnte. Hr. Pfeilstücker will also in Leipzig ein Groß-Sortiment gründen, um den Buchhandel von Leipzig zu emancipiren. Diese „durch eine mehrfach angeregte (noch nicht ausgesührte?) Idee in die Wirklichkeit zu übersetzende Gründung" kann dem Sortimenter in den Provinzen keinen Nutzen bringen. Wenn Hr. Pfeilstücker glaubt, mit 150,000 M. ein den Be dürfnissen entsprechendes Lager Herrichten zu können, so kann er die Idee „Groß-Sortiment" nur falsch aufgesaßt haben. Dann möchte ich aus einige andere Punkte aufmerksam machen, wodurch die Gründung dieses Provinzial-Groß-Sortiments bei weitem nicht die Vortheile bietet, wie die bis jetzt bestehenden Groß-Sortimente. Laut Circular des Hrn. Pfeilstücker soll also der Sortimenter einen, oder noch lieber, mehrere Anteilscheine L 300 M. zeichnen. Die Einzahlung soll in der Reihenfolge des Eingangs nach Bcdürs- niß des Geschäftes und laut anhängendem Schein alsbald nach geschehener Aufforderung erfolgen. Wenn also ein Sortimenter Nr. 3 in der Reihenfolge hat, und das Geschäft hat Bedürsniß, so wird er zur Zahlung commandirt, gleichviel, ob er (der Sortimenter) Bedürsniß gehabt hat oder bald haben wird. Bei anderen Groß-Sortimentern zahlt der Sortimenter nach seinem eigenen Bedürsniß und nicht nach demjenigen des Geschäftes (des Groß-Sortiments). Dann frage ich weiter: 1) Wovon soll der Verwaltungsrath und das ganze übrige große Personal, Local rc. rc. bezahlt werden; etwa von den 5 N Aufschlag oder von den „Auslagen" für Emballage? 2) Was soll denn noch geliefert werden, wenn gebundene Bücher (also vor allem Schulbücher und die vielen, jedem Sorti menter nöthigen Originalbände) Musikalien, Zeitschriften und Nova ausgeschlossen bleiben? 3) Was wird mancher Sortimenter außer diesen Artikeln sür seine Anteilscheine L 300 M. noch nöthig haben? Außerdem wird das Lager nach Gutdünken des Hrn. Pfeil stücker hergerichtct durch Listen, die so unzuverlässig sind, wie ge wöhnlich derartige im voraus gemachte Zusammenstellungen; wie oft muß es da Vorkommen, daß der Sortimenter gerade das für seine Anteilscheine nicht haben kann, was er eben braucht! Andere Groß-Sortimente liefern jeden verlangten Artikel zum Baarpreise der Verleger, ohne Berechnung von Emballage, ohne jeden Ausschlag und gleichviel ob direct Pr. Bahn, oder Post, oder durch den Commissionär bezogen wird; auch existirt bei diesen weder ein äußerer noch ein moralischer Zwang; jeder kann bestellen, was und von wem er will — vom Groß-Sortimenter oder, wenn es ihm vortheilhafter scheint, vom Verleger. Die Vortheile, die das Groß-Sortiment bietet, hat Hr. Lambeck bereits hervorgehoben; ich betone hier ausdrücklich: die große Ver einfachung des Geschäftsbetriebs und Ersparniß an Geschäftsunkosten. Zum Schluffe mache ich auf noch einen Punkt ausmerksam: Ich will Hrn. Pseilstücker's persönliche Eigenschaften durchaus nicht anzweiscln, indessen wird sich doch jeder kaufmännisch Denkende die Frage erlauben: Wie geschieht die Sicherstellung und wo bleibt die Bürgschaft? k. 0. Das Groß-Sortiment im Dienste des Buchhandels scheint für Viele in Ptopien zu liegen. Wir begrüßen deswegen Aussätze, wie die des Hrn. Lambeck in Nr. 192 d. Bl. mit Freuden, so viele Unaussührbarkeitu auch in seinem Vorschläge liegen, da es eine öffentliche Stimme zu Gunsten dieser Organisation ist. Auch die „Gedankenspäne" in Nr. 198 d. Bl. machen in Abschnitt 3. einen schüchternen Versuch sür den indirekten Bezug, sich freilich dabei nur auf kleine Handlungen beschränkend. Unser Aufsatz in Nr. 298 d. Bl. v. I. 1877 ist im Börsenblatt bis auf einige zustimmende Äuße rungen todtgeschwiegen worden. Andere haben die Idee eine revo lutionäre genannt u. s. w. Das schadet alles nichts! „Das Groß- Sortiment im Dienste des Buchhandels" ist derjenige neue Zweig unseres Geschäftes, der geschaffen wird, und wenn auch erst dann, wenn nur noch Ruinen des jetzigen Sortiments vorhanden sind. Hoffentlich wird letzteres aber vermieden, und der Kreis der Freunde des Groß-Sorlimcnts erweitert sich so schnell, daß diese Organisation rechtzeitig ins Leben tritt. Einige zustimmendc Äußerungen über geben wir hiermit der Oeffullichkeit, vielleicht tragen sie bei, das Groß-Sortiment einer weiteren Discussion zu übergeben: V. von Zabern in Mainz: Ein alter, Sljähriger, eingefleischter deutscher Buchhändler, der lange genug in Frankreich und England ge- arbcitel, um die Vorzüge unserer Organisation eingesehe» und schätzen gelernt zu haben, kann nicht umhin, Ihnen seine aufrichtige Anerkennung sür die von Ihnen ausgestellten Ideen zu zollen. Es sind die ersten wirklich werthvollen, und freilich nur nach schweren Kämpfen reali- sirbaren Vorschläge zu einem Fortdau und einer Verbesserung unsere» bisherigen Systems. C. Roemke tb Co. in Cöln: Das war brav von Ihnen, daß Sie die Schäden so frischweg mit den rechten Namen nannten. Leider fürchte ich aber, daß auch diese Anregungen gegen die große Macht der Ge wohnheit und des Althergebrachten nichts ausrichten werden. Man darf nicht warten, bis Vereine sich bilden, sondern es muß Jemand da sein,
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