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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.01.1882
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1882-01-02
- Erscheinungsdatum
- 02.01.1882
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- Deutsch
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Lehrherren erließen ihm von der fünfjährigen Lehrzeit ein Jahr und behielten ihn bis Ende 1841 als Gehilfen. Von dem Wunsche geleitet, auswärtige Verhältnisse kennen zu lernen, nahm er Neujahr 1842 in der Buchhandlung von Borrosch L Andrs in Prag eine Stellung an, die er aber schon im Frühjahr 1843 verließ, um einem Engagement des Hrn. G. Kilian in Pest zu folgen. Wie cs scheint, waren die Anregungen von Seiten der Prin zipale nicht von bestimmendem Einfluß aus den Bildungsgang des Jünglings; seine Entwicklung erfolgte vielmehr selbständig, ge fördert einmal durch den Umgang mit intelligenten, lebensfrischen jungen Männern, und sodann im Verkehr mit einer in Sprache und Gewohnheit von der deutschen verschiedenen Nation, welche in jener Zeit, durch lebhafte Partcikänipse um liberale Reformen geschult und aufgeklärt, den vaterländischen Sinn mächtig för derte. Die Trennung von der ihm lieb gewordenen Umgebung, das Verlassen der überaus angenehmen, mehr selbständigen Stellung wurde ihm schwer; der oftmals ausgesprochene Wunsch der Mutter führte ihn jedoch über Wien, Linz, Ischl, Salzburg, München und Leipzig im Juli 1846 in die Heimath zurück. In dem Geschäfte des trefflichen E. H. Schroeder fand er im October einen neuen Wirkungskreis, und als den Prinzipal im August 1849 ein schneller Tod ereilte, wurde er mit der Leitung betraut. Nach der ehelichen Verbindung mit der Wittwe Schroeder's ging das Geschäft im December 1851 in seinen Besitz über. Kaiser Pflegte mit Vorliebe das Sortimentsgeschäft; ein mit feinem Verständniß sorgfältig gewähltes und ergänztes Lager von Büchern und besonders Kunstblättern zog einen lebhaften Fremdenverkehr heran. Dieser sowohl, wie der hochgebildete und kunstsinnige Kundenkreis gaben häufig Veranlassung zu regem geistigen Austausch. Hier bot sich ihm oft die erwünschte Ge legenheit, läuternd und veredelnd auf den Geschmack des Publi- cums einzuwirken, das Gute durch einsichtsvollen Hinweis zu verbreiten, dem Trivialen zu wehren. Nach dem Aufgcben des Sortiments im Jahre 1874 ver wendete er für die Erweiterung und den Ausbau des Buch verlags verhältnihmäßig wenig Zeit und Kraft. Von Natur aus angelegt, in der Arbeit für das allgemeine Wohl innere Befrie digung zu suchen, empfand er in geringerem Maße das Ver langen, durch eigene Unternehmungen in großem Stil seinen Ver lag bewußten literarischen Zielen entgegen zu führen. Sein Verlag bewegte sich vorzugsweise aus den Gebieten der schönen Wissenschaften, der Rechts- und Staakswisseuschasten, der Kunstgeschichte. Aus dem Kreise der Autoren sind zu nennen: A. W. Heffter, A. Gad, I. L. Glaser, I. Kühns, Prinz Georg von Preußen, I. von Blaramberg, H. Klctke, Werner Hahn, A. Jordan, E. Tempeltey, K. Uschner, A. Koberstein, F. Piper, L. Hollstein, A. Diesterweg, E. Fidicin u. A. Eine eigcnthiimliche Gruppe seines Verlages bilden die ge diegenen Schriften über Turn- und Fechtkunst, welche Uebungen er in früheren Jahren selbst eifrig betrieb. Sein lebhaftes Inte resse an der Entwicklung des Turnwesens bezeugt eine von ihm verfaßte kleine Schrift: „Das Rothstein'sche System der Gym nastik in seiner Stellung zur deutschen Turnkunst". Eigenartige Versuche sind die mit lateinischen Lettern gedruckten Ausgaben von Goethe's Gedichten, Wcrther und Suleika, deren sorgfältigste Revision er selbst besorgte. In höherem Grade als beim Buchverlage wirkten auf die Richtung desKunstv erlag es gewisse Elemente seiner Anschauungs weise bestimmend ein. Kaiser's geistiges Leben wurde beherrscht von dem lebendig sten Gefühl für die Erhabenheit der Kunst. Die Sehnsucht nach dem Schönen umfaßte schon frühzeitig die drei Richtungen ästhetischen Vorstellens: die Darstellung in Wort, Bild und Ton. Die Stunden der Erholung widmete er der Lectüre ernster und gehaltvoller Literatur und dem Studium der Meisterwerke der bildenden Künste; das Theater war ihm ein weiteres Mittel steter Fortbildung; von seiner ausgezeichneten Befähigung zur Musik wird später die Rede sein. Bildete er hierdurch seinen Geschmack nach verschiedenen Rich tungen aus und vertiefte er sein Verständniß für das Wesen der Schönheit, so zog er zugleich die künstlerischen Mittel in Betracht, dieselbe zum bildlichen Ausdruck zu bringen. Der menschliche Körper war es und besonders das Gesicht, für deren Form und Bewegung er die feinste und durchgebildetste Auffassung entfaltete. Der Landschaft, soweit sie in den Grenzen des Lieblichen verblieb, gewann er ihren Reiz ab, seltsam aber, für die Schönheit einer Hochgebirgs-Scenerie fehlte ihm jede Schätzung; ihre elementare Gewalt und Farbenkälte verletzte ihn. Er folgte daher nur der Eigenart seines künstlerischen Empfindens, indem er, unter treuer Mitwirkung seines Stief sohnes Hugo Schroeder, vorzugsweise den Verlag werthvoller Kunstblätter religiösen und historischen Inhalts betrieb. Zierden ersten Ranges bilden Kupferstiche von Eduard Mandel; ihnen schließen sich Stiche von Fr. Weber, R. Reyher, R. Trossin ic. würdig an. Besondere Sorgfalt aber widmete er der Herstellung einer großen Reihe vollendeter Portraits, welche nach und nach aus seinem Verlage hervorgingen. Theils wiederum Stiche von Mandel und Reyher, H. Wegener, H. Meyer, A. Teichel, theils Lithographien von P. Rohrbach, E. Milster, Fr. Jentzen, G. Feckert u. A., theils endlich Photographien nach besonders dazu gezeich neten Vorlagen. Im unmittelbaren Zusammenhänge mit dieser ausgezeich neten Sammlung stand ein anderer Zweig des Kunstgeschästs, das Portrait-Antiquariat. Mit unermüdlichem Fleiße sammelten er und sein Sohn die zeitgenössischen Portraits berühmter Per sönlichkeiten aus allen Gebieten der Kulturgeschichte, zurückgehend bis zu den ersten Anfängen des Holzschnittes, der Radirung und des Stiches. Tausende von Blättern, theils seltenster Art, um schließen die Mappen, werthvolle Beiträge zur Kunst- und Kultur geschichte enthalten die daraus publicirten Kataloge, deren mit besonderer Anerkennung von F. Zarncke und K. Müller gedacht wird.*) Gelang es, die zeitgenössischen Portraits eines Ge lehrten, Künstlers, Feldherrn nach mühevollem Suchen zu ver einen, so gewährten sie dem Zeichner erst das zuverlässige Mate rial der Composition. Die in so exacter und würdiger Weise nach Handzeichnungen photographisch vervielfältigte Portrait- Sammlung steht vielleicht einzig in ihrer Art da; trotzdem hat sie, aus Mangel marktschreierischer Reclame, bei weitem nicht die verdiente Beachtung des Publicums gefunden; unkritische Repro duktionen überwuchern diese musterhaften Kunstwerke. Charakteristisch ist eine kleine Perle seines Kunstverlages i „Der Katzen-Raphael", zwölf Radirungen nach Gottfried Mind, welche seiner persönlichen Vorliebe für die Katzen ihre Herausgabe verdanken. Diese Zuneigung gründete sich auf die Zierlichkeit der Form, die Grazie der Bewegung und den würdevollen Anstand die ser Thiere im Gegensätze zum Hunde, der ihm als Typus gemeiner Sinnlichkeit zuwider war. Der Widerwille gegen das Unschöne wur zelte bei ihm so tief, daß er hier und da als Sonderlichkeit zur *) Literarisches Centralblatt IS7S. Rr. 12. Die Natur ISIS. Rr. 12.
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