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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.08.1907
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1907-08-27
- Erscheinungsdatum
- 27.08.1907
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
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Umschlag zu 199 Dienstag, den 27. August 1907. „Sin alter Senorist". Dumoristiscber Ukeaterroman aus ciem pariser Leben von ^Vlax KO Seiten. Oresäen» 1907. V. Kicbter's Verlag. Oie bleue freie Presse in Mien bespricht obiges Buch am 2Z. Juni wie folgt: Den Manen Paul de Rocks ist dieser Roman gewidmet, und es läßt sich nicht leugnen, daß es seine moralische Atmosphäre ist, die aus des alten Tenoristen Schicksalen weht. Fröhlich sind diese Schicksale und von einer gewissen hahnebüchenen, altfranzösischen Ungebundenhcit, daß Freunde derberen Humors sie mit Vergnügen lesen werden, Horace Moulin, so nennt sich der Held, entzückte einst alle provinzialen Frankreichs durch die Rraft und Höhe seines Organs; die Frauen schwärmten für ihn, huldigten ihm, denn er war nicht nur ein glänzender Sänger, sondern auch ein schöner, ja ein schneidiger Mann. Da, eines Tages geschah das Entsetzliche: die Stimm bänder, die seinen Ruhm zusammenhielten, wurde» schlaff, es war aus. Und er wäre verloren gewesen, wenn nicht eine ältere Rollegin, die dicke Anastasia, die nicht nur durchs Singen zu vielen Geld gekommen war, sondern der auch Wohl- und Schöntun beträchtliche Zinsen getragen hatten, sich des Ausgesungenen erbarmt und ihn geheiratet hätte. Zwar von ihren Reichtümern bekommt Moulin nicht viel zu spüren, Anastasia verwaltet diese selbst und zeigt sich sehr schmutzig, indem sie ihrem teuren Gatten nur ein recht bescheidenes Taschengeld aussetzt. Aber immer hin, er hat ein schönes Heim und damit ein Feld, aus dem er seinem neuen Berufe mit Aussicht auf Erfolg nach gehen kann. Der gute Moulin, der einst so stolze Tenor, wird nämlich Heiratsmakler, und auf genußreichen Soireen, die er in seiner Wohnung mit den denkbar geringsten Ausgaben veranstaltet, bringt er seine Opfer unauffällig zusammen. Die Sache ist nicht so einfach, wie sie Uneingeweihten vielleicht erscheint; indeß, Moulin trifft sie. Nur wird manchmal dadurch sein ehelicher Friede nicht ungefährlich bedroht; ist doch Anastasia, der womöglich noch weniger Töne in der Rehle verblieben, als ihrem Harare, exzessiv eifersüchtig und wittert zuweilen Betrug und verrat dort, wo es sich dem armen Moulin in Wirklichkeit nur um ein gutes Geschäft handelt. Dies ist auch der Fall gegenüber der holden lustigen Witwe Madame Joe Dubazon. Die hat Moulin, wenn auch nicht völlig neidlos, seinem alten Freunde Adolphe Bouvard zur trauten Gesponsin zugedacht, und mit beiden hat der ehrliche Mittler nicht unbedeutende Mühe, denn Joe findet Herrn Adolphe zu häßlich und zu alt, und Adolphe wiederum ist, durch böse Erfahrungen in seiner früheren Ehe gewitzigt, von einer schier unüberwindlichen Abneigung gegen jede Heirat erfüllt. Was bleibt da zu tun? Moulin beruhigt Joe mit dem Hinweis auf Bouvards Millionen, während er Bouvard Zoes Treue zumindest für das ganze erste Jahr der Ehe garantiert, und zwar garantiert im kaufmännischen Sinne dieses angenehmen Wortes. Zwanzigtausend Francs stehen auf dem Spiel, wenn Joe nicht hält, was Moulin von ihr verspricht. Man begreift, daß ein derartiger Vertrag nicht ohne Folgen bleiben kann, und in der Tat ergeben sich im Buche daraus die buntesten Ronsequenzen. Bouvard muß in den Flitterwochen blutenden Herzens sich von Zoe losreißen, um weit übers Mittelmeer zu einem kranken Lrbbruder zu eilen, Zoe ist allein allen Ver lockungen des wirbelnden pariser Lebens ausgesetzt, ein Leutnant taucht alsbald aus, der ihr Lousin ist und Moulin leidet in der Angst um seines Freundes bedrohte Ehre und mehr noch um die bewußten zwanzigtausend Francs wahre Höllenqualen. Ls würde zu weit führen, hier allen Verzweigungen und Verästelungen dieser launigen Historie nachzutasten. Nur kurz sei noch bemerkt, daß sic bis auf die Lntführungsepisode eines Schwesternpaares von ausgelassener Lustigkeit ist und daß Max Waldstein in den vergleichen, in den Zitaten, im ganzen Ton seine; Romans mit großer Geschicklichkeit ununterbrochen im Rahmen seines Milieus bleibt, im Paris des zweiten Kaiserreichs. Ich empfehle den Roman erneut zu Beginn der Wintersaison für das Sortiment und zur Aufnahme in den Bibliotheken nach Erscheinen des zweiten Tausend angelegentlichst und bin gern bereit, noch einzelne broschierte Exemplare in Aommission zu versenden, soweit mir das möglich ist. Ladenpreis broschiert 1 Mark, gebunden 5 Mark, ,nit 50°/, in Rechnung 10°/« gegen bar und je 1 Probeexemplar brsscbiert oder gebunden, wo noch nicht bezogen, mit vollen 50"/,. Hochachtend Dresden 18, Hopfgartenstraße s s. Verantwortlicher Redakteur: t. V. Richard Alberti. — Verlag: Der Börsenveretn der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. Druck: Ramm L Seemann. Sämtlich in Leipzig, Deutsches Buchhändlerhaus, Hospitalstraße.
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