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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.09.1919
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1919-09-03
- Erscheinungsdatum
- 03.09.1919
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1919
- Monat1919-09
- Tag1919-09-03
- Monat1919-09
- Jahr1919
- Titel
- Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.09.1919
- Autor
- No.
- [3] - 761
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4« ^ °>^8."zSM.^ v? S^0 E"si-N»a! ^ Zr"^!^v^'öo ^''M M°, ^llc^rilchtd»-!« Nr. 1S0 (R. 1V8). Leipzig, Mittwoch den 3. September I91S. SS. Jahrgang. Redaktioneller Teil. Neubau. Von Theodor Crom er, Heilbronn. Wie bitter not unseren! ganzen Stande eine Rcsormierung an Haupt und Gliedern tut, dafür spricht am besten die Tat sache, dah schon seit mehreren Jahren in großen Städten eigene Fachkurse für den buchhändlerischen Nachwuchs ins Leben ge rufen werden, daß die tüchtigsten Vertreter unseres Berufs sich unter persönlichen Opfern mit ihrer Kraft und ihrem Können in den Dienst dieser guten Sache stellen. Unser Wirtschaftsleben hatte bis zum Ausbruch des Weltkriegs einen ganz ungeahnten Aufschwung genommen, aber — seien wir ganz offen und ehr lich unser Stand hat an diesem Aufschwung nicht den ihm zukommenden Anteil genommen. Woran lag die Schuld? Um diese Frage ehrlich zu beantworten, müssen wir etwas weiter ausholen. Das Streben des Buchhändlers vom alten Schlag war in der Hauptsache idealen Zielen zugewandt, der Bereicherung der eigenen Kenntnisse und der Verbreitung des guten Buches. Ich brauche hier nicht erst die Namen der edelsten 'Vertreter un seres Standes, wie Perthes u. a., anzuführen, denen das Buch nicht Ware gewesen, die vielmehr in der Schaffung und im Ver trieb guter Bücher ihre Lebensaufgabe sahen. Die Zeit des Idealismus wurde abgelöst durch den Realismus. Bon dieser Wandlung an beginnt ein gewisser Rückschritt in unserem Berus, insofern dessen Vertreter verabsäumt haben, mit ihrer Zeit Weiler sortzuschreiten. Der Kaufmann, dem vom ersten Tag der Lehre an schon die Grundregeln des Erwerbslebens eingeprägt wer den, Patzte sich den fortschreitenden Veränderungen seiner Zeit an und bemeisterte sie zu seinem eigenen Vorteil. Anders beim Buchhändler. Ihm wurde mehr oder weniger eine konservative Richtung anerzogen, die in ihm die irrige Meinung aufkommcn ließ, auf den Kaufmann herabsehen zu dürfen. Diese verkehrte Auffassung mußte unfehlbar auf den Irrweg führen, auf den unser Beruf auch tatsächlich gerate» ist. Gerade in der Zeit der obenerwähnten Wandlung hätte eine verständige Anlehnung an den achtbaren Kaufmann auf unfern Beruf ungemein be- fruchtend und segenbringend wirken können. Wenn wir uns diese Tatsache heule ernst vor Augen stellen, so mutz die Frucht eines solchen Eingeständnisses aber auch der feste Wille sein, das Versäumte nachzuholen, und dazu ist cs, Gott sei Dank, für keinen zu spät. Aber ein fester, unbeugsamer Wille muß da sein, den zu Anfang etwas steinigen und dornigen Weg zu schreiten, das Ziel, das »ns winkt, ist ein hohes: per «Lgera »ck »st,-». Lassen wir Ältere» unsere Gedanken zu unserer eigenen Lehr zeit zurückwandern, so müssen wir uns sagen, daß wir an kauf männischem Wissen so gut wie nichts uns aneignen konnten. Die Grundlage jedes kaufmännischen Geschäfts, eine peinliche Ordnung, die alles Erforderliche sofort finden läßt, wo haben wir sie getroffen? War uns in den meisten Geschäften etn Ko pierbuch nicht ein unbekannter Begriff? Was haben wir von der Wcchsellehre gelernt? So ließe sich noch eine ganze Reihe von Beispielen anführen. Nun ist zwar durch die Pflicht-Han delsschulen in den letzten Jahrzehnten manches besser geworden, allein mit dem meisten in diesen Schulen vermittelten Wissen kann unser Nachwuchs nichts umfangen, da der Unterricht nur auf rein« Kaufleute zugeschnitten ist und die jungen Leute noch nicht reis genug sind, dieses Wissen praktisch auf den eigenen Beruf anzuwenden. Andererseits ist den Handelslehrern wieder unser Beruf mit seiner Eigenart zu wesensfremd, als daß sie rtch- lig «inzugreifen imstande wären. An der Leipziger Buchhändler-Lehranstalt haben wir eine vorzüglich geleitete Fachschule für unfern Nachwuchs, wie sic einer möglichst großen Anzahl von Städten aufrichtig zu wün schen wäre. Allein Anstalten mil solchem Ausbau lassen sich nur unter ganz besonders günstigen Umständen ins Leben rufen und lasse» sich außerdem nur erhalten, wenn Sladl und Staat sowie die Korporation des eigenen Berufs die hierzu erforder lichen großen Mittel zur Verfügung stellen. Wer gerade an einem solchen Ort seinen Wohnsitz hat, wird der Segunngen solcher Bil dungsstätten teilhaftig, während alle andern solch« entbehren müssen. An Neuschöpfungen solcher Art darf unser Vaterland in der Zeit seiner tiefsten Not nicht denken. Wie können wir nun auf anderem Wege das Ziel der Hebung und Förderung unseres Nachwuchses erreichen, und zwar mit möglichst beschei denen Mitteln? In großen Städten, wie Berlin, Dresden, Ham burg, München, Breslau usw., kann die örtliche Korporation mit ihren Mitteln immerhin schon ganz gute Ergebnisse er reichen. Es gibt aber so viele kleine Plätze mit nur einigen wenigen Firmen, soll da der Nachwuchs etwa leer ausgehen und verkümmern? Nein! Auch da läßt sich viel Gutes erreichen, wenn die ansässigen Prinzipale sich in den Dienst der guten Sache stellen, was aber nur unter persönlichen Opfern möglich ist. Ich habe das feste Zutrauen zu meinen Berufsgenossen, daß sie dieses Opfer bringen werden in einer Zeit, in der mehr als je das Wort gilt: »Einer für Alle, Alle für Einen». Die Not der Zeit mutz unser Volk zusammenschweitzen, dann wird es sich aus seiner Erniedrigung und Schmach einst wieder er heben wie der Phönix aus der Asche. Der Laser wird mir nun Wohl die Frage stellen, in welcher Weise der einzelne Prinzipal sich an der Fortbildung des Nach wuchses betätigen könnte, und ich will die Antwort auf diese Frage nicht schuldig bleiben. Nahezu in allen Städten, in denen sich Buchhandlungen befinden, wird auch eine Handelsschule be stehen. Hier kann nun der persönliche Verkehr zwischen dem Prinzipal und den Handelslehrern den letzteren etn Verständnis für die Eigenart und die Bedürfnisse unseres Berufs vermitteln und so den Unterricht befruchten. Weit segenbringender natür lich wird es sich erweisen, wenn der Prinzipal sich mit der Lei tung der Handelsschule verständigt und für bestimmte Fächer den Unterricht selbst übernimmt. Ich weiß bereits von einer kleine ren Stadt, in der ein Geschäftsinhaber dieses Opfer gebracht hat: möchten ihm recht viele auf diesem Wege folgen! Manchen meiner Leser sehe ich hier im Geiste vor mir stehen, innerlich voll Bereitwilligkeit, zu Helsen, aber mit der stillen Frage: wie soll ich solch Amt versehen, ist mir doch z. B. eines der wich tigsten Fächer, die doppelte Buchführung, ein Buch mit sieben Siegeln. Das ist auch eins von den Kapiteln über die Frage, was wir nicht gelernt haben. Aber auch dafür gibt es Rat. Im Herbst d. I. wird, wie ich meinen Lesern heute-schon ver raten kan», eine Reih« kleiner Leitfaden für den Unterricht an Sortimenterkursen im Verlag der Buchhändlergllde zu erscheinen beginnen, deren erster die »Kontor-Praxis» aus der
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