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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 09.06.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1908-06-09
- Erscheinungsdatum
- 09.06.1908
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- Deutsch
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6368 VSrskilblatt f. d. Dtschn. Buchhandel Nichtamtlicher Teil. 131. 9. Juni 1908. es, der ihm davon abriet, Maler zu werden, als der Künstler sich ernstlich mit dieser Idee trug. Jacoby war im Frühjahr 1863 kaum in die Heimnt zurück- gekehrt, als er auf Veranlassung R. von Eitelbergers eine ganz unerwartete, ehrenvolle Berufung an die Wiener Akademie der bildenden Künste erhielt, um als Nachfolger des 1858 verstorbenen Stöber die Professur des Kupferstichs zu übernehmen. Hier fand er einen völlig verödeten Boden vor. Der österreichische Kupfer stich fristete mühsam sein Leben als Lieferant von Nietenblättern für Kunstvereine. Die Ausführung dieser Stiche war aber fast durchweg handwerksmäßig und frei von jedem künstlerischen Geist und Empfinden. Ähnlich traurig sah es auf den übrigen graphi schen Gebieten aus; auch die Lithographie und der Holzschnit waren verfallen und heruntergekommen. Für den Kupferstich war die Berufung Jacobys der Beginn eines neuen Aufblühens. Trotz der mannigfachen Hindernisse und Gegenströmungen, die sich seinem Wollen entgegenstellten, wurde er bald der Mittelpunkt der auf die tatkräftige Wiederbelebung der graphischen Künste gerichteten Bestrebungen und Kräfte. Das kaiserliche Oberstkämmereramt unter Leitung des kunstsinnigen Grafen von Crenneville wirkte anregend und befruchtend durch größere Aufträge an Stecher und Radierer, die aus der Schule Jacobys hervorgingen. Hier seien nur die Namen Sonncnleiter, V. Jasper, Eugen Doby, H. L. Fischer, A. Pfründer, Joh. Klaus, L. Michalek, G. Frank, Otto Reim und last not least der Berliner Meister A. Krüger genannt. Diese stolze Reihe von anerkannten, meist auf dem Gebiete der Radierung tätigen Künstlern ist ein glänzendes Zeugnis für die erfolgreiche Lehrtätigkeit Jacobys. Auch sein eigenes künstlerisches Schaffen setzte jetzt mit reg samem Fleiße ein. Zunächst wandte er sich dem Gebiete zu, auf dem der Kupferstich früher die größten Lorbeeren geerntet hatte und das bis zur Erfindung der Photographie als seine ureigenste Domäne angesehen wurde: dem BildniSfach. Als Porträtstecher war der Meister bis zum Schluß seiner Schaffenszeit tätig. Durch auserlesenen Geschmack, technische Vollendung und energische Charakterisierung reihen sich diese Arbeiten den besten und hoch geschätzten französischen Porträtstichen an. Man darf wohl sagen, daß Jacoby dies Gebiet für die Graphik wieder zurllckerobert hat. Die vielen Porträtradierungen William Ungers und L. Michaleks, die wunderbaren, riesengroß radierten Bildnisse des genialen Schmutzer schlagen den photographischen Apparat und nehmen die Konkurrenz mit der Ölmalerei auf. In den Kreisen der vornehmen Welt Wiens gehört es heute wieder wie früher zum guten Ton, sein Bildnis in Kupfer stechen oder radieren zu lassen, und die Porträtkunst blüht in österreichischen Landen so kräftig wie kaum anderswo. Hier konnten Jacobys eminente Zeichenkunst und seine elegante Technik der Linien führung sich frei betätigen und entfalten. Viele Porträtstiche führte er nach eigenen Zeichnungen aus, die sich durch große Ähnlichkeit hervortun; eine Anzahl solcher Blätter entstand auch nach fremden Vorlagen. Zu ihren bedeutendsten zählen die beiden im Aufträge des Hofes gestochenen Bildnisse Franz Josephs und der Kaiserin Elisabeth in ganzer Figur nach den Gemälden von F. Winterhalter. Besonders das Bild des Kaisers, zu dem der Stecher einen durch Lebenswahrheit und feine Durchbildung sich über das gemalte Original erhebenden Porträtkopf zeich nete, gilt als eine ganz hervorragende Leistung des Grab stichels. Die mehrfachen Änderungen dieser und anderer Art, die auf Wunsch des hohen Bestellers an den Originalen vorgenommen werden mußten, brachten es mit sich, daß Jacoby zur Verständigung mit dem Maler nach Paris fuhr. Dort hatten damals Henriquel und Delabordc die »Loeiete traoyaiso pour ia Gravüre- gegründet, und sie machten ihrem deutschen Kunstgenossen nun den Vorschlag, diese Gesellschaft in Österreich und Deutschland zu vertreten. Jacoby aber zog es vor, eine eigene Gesellschaft zu gründen, und verfolgte diese Idee mit großer Energie und Unternehmungslust. In Leopold Ritter von Wieser, der 1868 zum Vorstand des älteren Wiener Kunstvereins, oder wie der offizielle Titel lautete, des »Vereins zur Beförderung der bildenden Künste- gewählt worden war, fand er einen verständnisvollen und umsichtigen Anhänger seiner Pläne. Zunächst wurde die Haupttättgkeit des 2000 Mitglieder zählenden Vereins mehr der Pflege der verviel fältigenden Kunst zugeführt, nachdem man vorher hauptsächlich für die Pflege der Malerei und der Plastik größere Beträge aus- geworfcn und die reproduzierenden Künste dagegen ziemlich ver nachlässigt hatte. Um die bedeutenden Geldmittel für den in Aussicht genommenen Kupferstich Jacobys nach der »Schule von Athen- aufzubringcn, schloß der Wiener Verein im Jahre 1870 einen Vertrag mit dem Hamburger Kunstverein ab zur gemein samen Kostentragung. Daneben wurde die Herausgabe eines jährlich erscheinenden Vereinsalbums geplant, in dem die ver- schiedensten graphischen Techniken, Stich, Radierung, Holzschnitt und künstlerisch ausgeführter Farbendruck, Raum finden sollten. Im Jahre 1871 erfolgte dann die Umwandlung des Vereins in die »Gesellschaft für vervielfältigende Kunst». Man gab den Bilder ankauf und die Bilderverlosung überhaupt ganz auf und be schränkte sich ausschließlich auf die Pflege der vervielfältigenden Kunst. Die dadurch verfügbar gewordenen reicheren Mittel ver wandte man zur Herausgabe größerer Einzelblätter und Blätter folgen. Außerdem wurde das bis dahin auf die moderne Kunst beschränkte Programm von nun ab durch die Heraus gabe von Reproduktionen nach Werken älterer Meister erweitert. Eine reiche und vielseitige Verlagstätigkeit unter künstlerischer Beratung Jacobys begann. Wir finden die ersten Künstler im Dienste der neuen Gesellschaft tätig. Die wirksame Förderung nicht nur der österreichischen, sondern auch der reichsdeutschen Graphik, die von diesem befruchtenden Mittelpunkt ausging, läßt sich nicht mit wenigen Worten schildern. Ob man die Entwicklung der Graphik in den letzten Dezennien im Zusammenhang betrachtet oder dem Lebenswerk eines bedeutenderen Stechers oder Radierers im ein zelnen nachgeht: auf Schritt und Tritt begegnet man dem Wirken der Wiener Gesellschaft. Überall sehen wir, wie sie durch Aufträge den einzelnen Künstler zu fördern sucht und in ihren Publikationen durch Bild und Wort das Verständnis und Interesse bei der Allgemeinheit weckt und belebt. Solange Jacoby in Wien weilte und seinen Einfluß geltend machen konnte, nahm die Pflege des Kupferstiches einen breiten Raum in ihren Veröffentlichungen ein. Die anfangs herrschende lokale Einseitigkeit wurde mehr und mehr abgestreift und es entstanden große und schöne Werke des Grab stichels, z.B. G. Cilers, »Porträt des Kaufmanns,Gyze- nach Holbein, Sonnenleiters Stiche nach Rubens und van Dyck, I. V. Vogel, - Bild nis der Marie Louis- von Tassis« nach van Dyck, E. Büchl, »Lady Seymour- nach Holbein, I. Burger, Stich der »Violante» nach Palma Vecchio, Kräutle, -Iphigenie- nach Ans. Feuerbach usw. Es war wohl nicht allein die Folge seines Fortganges, sondern es lag auch in den allgemeinen Kunstoerhältnissen, daß die Radierung bald die Hauptrolle zu spielen begann. Später kamen dann die Original-Lithographie, der Holzschnitt und die Helio gravüre dazu. In dem Katalog der Gesellschaft findet man die besten Namen der Graphik vereint. Es ist ein garnicht hoch genug zu schätzendes Verdienst des Künstlers Jacoby, durch seine An regung zur Gründung dieser Gesellschaft wesentlich beigetragen zu haben. Sie machte es ihm zunächst möglich, den so lange vor bereiteten großen Stich nach der -Schule von Athen- auszuführen. In zehnjähriger Arbeit vollendete er dieses bedeutende Werk, zu dem er bereits während seines Aufenthaltes in Rom eine Aquarell kopie als sichere Basis für die Stecherarbeit angefertigt hatte. Bet der Ausführung ordnete er sich dem Original unter in dem Bestreben, nur die Wahrheit, nur Raffaels Art und den Stil der Freskotechnik getreu wiedcrzugeben. Mit nimmer rastendem Fleiße schuf Jacoby das Hauptwerk seines Lebens. Die ungewöhnliche Größe des Blattes erfordert ein umständ liches, die Arbeit sehr erschwerendes Verfahren, weil die Platte nicht horizontal auf einen Tisch gelegt, sondern auf eine Staffelei gestellt werden mußte. Die Überwindung dieser tech nischen Schwierigkeit, sowie die vielen kleineren Arbeiten, die der Künstler nebenher auszuführen hatte, machen die lange Arbeits dauer erklärlich. Die Nachbildung der figurenreichen Komposition durch den Grabstichel ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Bei Be trachtung des Stiches fällt zuerst die außerordentliche Perspektive Vertiefung auf, daneben dann die wunderbare Trennung der einzelnen Gruppen, wodurch jedoch der geschloffene Eindruck der Gesamtwirkung keineswegs zerstört wird. Mit erstaunlichem Fleiße und mit großer zeichnerischer Kraft sind die Einzelheiten in den Figuren und Gewändern in einer minutiösen, außerordentlich modulationsfähigen Technik ausgeführt. Das Hauptgewicht aber ist auf die scharfe Charakterisierung jedes einzelnen der vielen
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