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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.06.1932
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1932-06-11
- Erscheinungsdatum
- 11.06.1932
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- Deutsch
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X: 1Z4, 11. Juni 1932. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d.Dtschn Buchhandel. Folgen dieser katastrophalen Lage seien nicht abzusehen; denn die Lücken in den Beständen seien natürlich auch in besseren Zeiten nicht wieder zu schließen. Noch gebe es einen Aus weg: es müßte mit allen Mitteln der Notgemeinschaft klar ge macht werden, daß die Bibliotheken ebenso vollwertige Werk zeuge für die Forschung seien wie z. B. die Apparate für die Chemiker, und daß daher auch weiterhin die notwendigen Geld mittel für die wichtigsten Anschaffungen von der Notgemcin- schaft bcreitgestellt werden müßten. Was habe denn wissenschaft liche Arbeit und Forschung für einen Zweck, wenn die Ergebnisse nicht veröffentlicht werden und die Bücher und Zeitschriften nicht in den Bibliotheken aufgestellt und benutzt werden könnten. Aber darüber hinaus müsse endlich angestrebt werden, daß die gesamte Öffentlichkeit mehr Interesse an den Bibliotheken gewinne, daß die Büchereien, wie in England oder Nordamerika, mehr ins Bewußtsein der Allgemeinheit dringen und ihre Nöte und Sor gen mehr Beachtung und Abhilfe finden. Die Bibliothekare wären sich der ihnen gesetzten Aufgabe an der Förderung der deutschen Kultur nicht bewußt, wenn sie nicht mit aller Kraft auf das hier entstandene Unheil hinwiesen und feine Abstellung forderten. Fast noch trüber gestaltete sich das Bild, das der Abteilungs leiter der Deutschen Zentralstelle für volkstümliches Bücherei wesen und Schriftleiter der »Hefte für Büchereiwesen« Hans Hosmann -Berlin von der Lage der öffentlichen Volksbüche reien anschließend entwarf. Die moderne deutsche Volksbücherei, die erst ein Menschenalter besteht, befand sich bis zum Jahre 1929 in äußerst glücklicher Entwicklung, als die Wirtschaftskrise ein setzte. Bei ihr begann die Katastrophe mit dem Zusammenbruch der Finanzen in den deutschen Städten und Gemeinden, aus deren Mitteln diese Büchereien in den meisten Fällen unterhal ten werden. Dabei stehen den schweren Abstrichen am Haushalt der Bildungsbüchereien (bis zu 75 vom Hundert!) sehr gesteigerte Anforderungen und Aufgaben gegenüber. Die Benutzung der Bibliotheken hat sich in den letzten Jahren bis um 60 vom Hun dert gehoben. Ein großer Teil dieser Steigerung ist durch die Arbeitslosen herbeigesührt worden. In der Betreuung der Beschästigungs- und Erwerbslosen aber ist den Volksbibliotheken eine für den Bestand des deutschen Voltes außerordentlich wich tige Wohlsahrtsausgabe in die Hände gelegt worden, also volks pädagogische Aufgaben größten Stils. Das ergibt aber Ge legenheiten — wie sic sich nie geboten haben und vielleicht auch nie wieder bieten werden —, durch gute Bücher und gute Zeit schriften aus die große Masse des Volkes erzieherisch zu wirken. Durch die Entziehung der Mittel aber ist den Bildungsbüchereien die Möglichkeit genommen, diesen Aufgaben nachzukommen. Das verminderte Personal kann die gesteigerte Arbeitslast nicht mehr bewältigen, die stark verkürzten Mittel reichen kaum noch aus, den vorhandenen Bestand an Büchern gegenüber seiner starken Abnutzung zu erhalten; zur Anschaffung neuer Bücher ist vielfach keine Mark mehr vorhanden. Abhilfe ist schwierig, doch nicht unmöglich. Auch hier muß durch Aufklärung der Allgemeinheit über die eingetretene Lage und die aus ihr erwachsenen Auf gaben ein Allgemein-Bewußtsein dafür geschaffen werden, daß die Bildungsbüchereien für das deutsche Volk eine Lebensnot wendigkeit darstellen, heute mehr denn je. Dieses Allgemein- Bewußtsein wird die Gemeindeverwaltungen dazu drängen, ihren Büchereien den jetzt bedrohten Fortbestand und eine eini germaßen genügende Erfüllung der ihnen erwachsenen Aufgaben zu ermöglichen. Ein Büchereigesetz, das solche Forderungen zum Zwang erhebt, und wie es schon in anderen Ländern besteht, müßte ergänzend hinzutreten. Beiden Rednern wurde lebhafter Beifall für diese eindring lichen Ausführungen zuteil. Die Diskussion, an der sich zahlreiche Kollegen beteiligten, drehte sich vorwiegend um die Stellung der wissenschaftlichen Bibliotheken zur Notgemeinschaft, deren Standpunkt von Jürgens-Berlin vertreten wurde, deren Einzelheiten hier jedoch nicht von Interesse sind. Man war sich einig, daß weitere Hilfe der Notgemeinschaft für die wissenschaft lichen Bibliotheken unbedingt gefordert und von ihr gewährt werden müsse und richtete eine entsprechende, einstimmig ange nommene Resolution an die betreffenden Stellen. Ihre Ge dankengänge sind enthalten in einer ausführlicheren allge- 474 meinen Entschließung, die ebenfalls einstimmig ange nommen wurde. Wegen ihrer Wichtigkeit gelangt sie hier zum Abdruck, und es sei der Wunsch an alle buch händlerischen Kreis-und Ortsvereine sowie an alle Einzel buchhändler, die Beziehungen zur Tagespresse oder zum Rundfunk haben, gerichtet, dafür zu sorgen, daß sie weithin ver breitet wird: Die In Jena zu Psingsten 1ÜL2 gemeinsam tagende» Ver bände, der »Verein Deutscher Bibliothekare» und der »Verband Deutscher Volksbibliothekare», sehen in den jüngsten Spar- und Abbaumaßnahmen bei den deutschen wissenschastlichen Biblio theken und volkstümliche» Büchereien eine Gefahr für das deutsche Kulturle.be», in deren Auswirkung das deutsche Volk aus Jahre hinaus in seiner Entwicklung zurtickgeworfen werben und ein auch in kommenden besseren Zeiten nicht wieder gutzumachcndcr Scha den entstehen muß. Die Wiederherstellung der Wirtschaft kann nicht aus Koste» der lebensnotwendige» Forschungs- und Bilbungsanstaltcn ge schehen. Weder fallen die hierdurch gewonnenen Mittel dafür irgend entscheidend ins Gewicht, noch ist es überhaupt möglich, ein Volk wirtschaftlich hochzubringen, indem man es geistig knebelt und verkümmern läßt. Am wenigsten in unserm armen Lande, bas immer darauf angewiesen bleiben wird, die Mängel seiner geo graphischen Lage durch die Qualität seiner Arbeit, die Wendig keit seines Geistes, die Vermehrung technischer Hilfsmittel und die Steigerung seiner Geschicklichkeit in ihrem Gebrauche auszugleichen. Die geistige und technische Arbeit schlägt sich in wesentlichen Stücken im Schrifttum nieder. Dieses ist nicht ein Luxus und eine Erscheinung wirtschaftlichen Wohlstandes, sondern ei» not wendiges Glied im kulturellen und wirtschaftlichen Arbeitsprozeß. Es ist Arbeitsgerät des Forschers, des Technikers, des Wirtschaft lers, des Landwirtes, des Siedlers, des Arbeiters. Bibliotheken und Büchereien, die dieses Arbeitsgerät auswählen und bercit- stellen, machen es erst nutzbar, indem sie es ordnen, erschließe» und jedem zugänglich machen. In einer Zeit allgemeiner Verarmung kan» auch die geistige Produktion nur erhalten bleiben, wenn hinreichend dotierte Biblio theken und Büchereien dem wesentlichen Schrifttum ei» Mindestmaß von Absatz sichern. Da Bibliotheken und Büchereien nicht mehr in der Lage sind, den Hunger des Volkes nach geistiger Nahrung (insbesondere auch der Arbeitslosen) zu stillen, so blüht bereits ans Koste» des wert vollen Buches ein Schrifttum schlimmster Art, und ln minder wertigen Leihbibliotheken entstehen an allen Straßenecken Zellen, die den kulturellen Zersctzungsprozeß beschleunigen. Volkswirt schaftlich aber werde» Werte und Arbeit sehlgeleitet, die nun der Zerstörung an Stelle des Ausbaues dienen. Die w i s s c n s ch a s t l i ch e » B i b l i o t h e I e » sind in ihrem organischen Ausbau nicht bloß gefährdet, sondern sic befinden sich in einer katastrophalen Lage, wenn das Lebcnsgcsetz ihrer Ent wicklung, die Stetigkeit, in krassester Form verletzt wird. Die Ab striche in ihren ordentlichen Einnahmen und den Zuschüssen der Nol- gemeinschast der Deutschen Wissenschaft belaufen sich auf über MA. Die Bibliotheken fehen sich daher außerstande, auch nur die führenden ausländischen Zeitschriften noch sortzusetzcn. Tie Verar mung der wissenschastlichen Bibliotheken muß in kürzester Zeit eine in hohem Maße schädigende Rückwirkung auf die produktive deutsche Wissenschaft und ihre Weltgeltung auslösen. Die volkstümlichen Büchereien als sogenannte »Ber- branchsbllchercien» müsse» ihre Bestände in kürzester Frist ver wirtschaftet haben, zumal sic sich überall für die Behebung der geistigen Not der Erwerbslosen rücksichtslos cinsetzen. Während ihnen also aus der einen Seite neue Aufgaben von größtem Aus maße und höchster Bedeutung zuwachsen, die ihnen eine durch schnittliche Betriebssteigerung von öll- Nii-s brachte», sind auf der anderen Seite ihre Mittel und ihr Personal in rigorosester Weise eingeschränkt. Es ist leicht abzusehcn, daß aus diese Weise das vor der Krise in verheißungsvoller Entwicklung sich befindende Bllchereiwesen Deutschlands in kurzer Zeit gänzlich vernichtet sein wird, wenn nicht schleunigst Hilfe einsetzt. Die Unterzeichneten Verbände wenden sich in dieser Not an die Öffentlichkeit. Wenn nicht unersetzliche Werte zugrunde gehen sollen, wenn das deutsche Volk seinen Rang im Rahmen der Kul- turnationcn bewahren will, wenn es verhindern will, baß der geistige Produktions- und Verteilungsapparat an seiner empsind- lichsten Stelle tödlich getroffen wird, so tut schnelle und gründ liche Hilfe not. Verein Deutscher Bibliothekare. Verband Deutscher Volksblbliothekare.
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