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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.07.1932
- Strukturtyp
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- 1932-07-16
- Erscheinungsdatum
- 16.07.1932
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- Deutsch
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X; 164, 16. Juli 1932. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d.Dtschn. Buchhandel. erfassen. Wir müßten die Dinge noch deutlicher sehen und uns cinschränken, aber auf dieser engen Basis um so intensiver unsere Tätigkeit entfallen. Diese Mahnung schloß mit den Worten Schillers: »Der Mensch ist das Wesen, welches will!« Fm Zusammenhang mit dem Jahresbericht sprach Herr Kurtz dem aus dem Vorstand ausscheidenden Mitglied Herrn Herbert Hoffmann den aufrichtigen Dank des Vereins für feine langjährige, zielstrebige, erfolgreiche und unermüdliche Tätigkeit als Leiter der Fortbildung des Jungbuchhandels aus. Es folgten der Kassenbericht und die Wahl dreier Vorstandsmitglieder, und ztvar der Herren Eugen Salzer, Konrad Wittwer jun. und E. Josenhans sen. Hieran schloß sich ein Referat des Herrn Generaldirektors vr. Kilpper, betitelt »Die gegenwärtige Wirtschaftslage und der Buchhandel». Herr I>r. Kilpper gab in etwa einstimmiger freier Rede und im Anschluß an den Jahresbericht des Herrn Kurtz seine Anschauung dahingehend zum Ausdruck, daß die gegenwärtige Not nicht allein eine Angelegenheit Deutschlands oder des deutschen Volkes, sondern aller Völker der Welt sei. Aber nur, indem die Kulturvölker sich untereinander verständigten, könne verhütet werden, daß unsere gesamte Kulturwelt ln einen Rücklauf verfalle und in kulturelle Barbarei. Die Völker hätten zu entscheiden zwischen einem solchen Rücklauf und zwischen dem Fortschreiten des menschlichen Verantwortungsgefühls im Sinne eines Zusammenlebens der Menschen und Völker. Es sei völlig unsinnig zu glauben, daß man die Wirtschaftskrise lindern oder lösen könnte, wenn man die Hemmungen, die hauptsächlich aus der nationalen Abtrennung der Völker beruhen, bestehen lasse. Die Lösung könne nur von der geistigen Seite her, von der opfer willigen Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit innerhalb der Welt auf einer breiteren Basis zu kommen, geschehen. Der Red ner erntete reichen Beifall. Alsdann sprach »Für und wider die Gehilfenprüfung« Herr Herbert Hoffmann. Seine auf reicher Erfahrung in der Jungbuchhändler-Fortbildung beruhenden Ausführungen führ ten zu einer Aussprache mit dem Resultat, daß zwar vielfach eine Meinung für die Gehilscnprüsung besteht, daß man sich aber auch der Schwierigkeiten bewußt ist. Herr Hoffmann sicherte in einem Schlußwort zu, daß die Vertreter des Gedankens sich bemühen würden, die bestehenden Hindernisse zu überwinden, um schließ lich doch zu einer für den Buchhandel segensreichen Einrichtung zu kommen. Die Teilnehmer der Hauptversammlung mit ihren Damen (diese hatten am Vormittag einen Ausflug ins schöne Remstal gemacht) fuhren anschließend im Gesellschastsauto nach Ludwigs burg, wo im Ratskeller ein einfaches Mittagsmahl eingenommen wurde. Anschließend fand die Besichtigung des Ludwigsburger Schlosses unter kundiger Führung statt. Dann ging die Fahrt nach »Mon Repos« weiter. Hier war die Kaffeetafel bereitet. Eine kleine, aber gute Musikkapelle spielte zum Tanz auf, und die Gesellschaft blieb bis in die Abendstunden in fröhlichster Stim mung beisammen, um dann nach Stuttgart im Autobus zurück- zükehren, teilweise um die Abendzüge noch zu erreichen. Wer nicht fort mußte, fand sich im Kunstgebäude zu weiterer fröh licher Unterhaltung zusammen. Die diesjährige Hauptversammlung mit den Nebenveran staltungen war sehr gut besucht. Im nächsten Jahre sollen die Veranstaltungen voraussichtlich in der alten Reichsstadt Eßlingen stattfinden. Jü. Die Seitenzahl im Buch. Von Obcrstudiendirektor Paul Nenner. Im Sprechsaal des Börsenblattes sitr -den Deutschen Buchhandel (Nr. 114 vom 19. Mai 19W) fragt Herr vr. Robert Stein, warum denn alle Bücher, auch die Schulbücher, erst mit der Seite 6 oder 7 anfingcn statt mit der Seite 1. Er führt die Weimarer Goethe-Aus gabe an, bei der sogar mitten im Buch, wenn ein neuer Abschnitt mit Zwischentiteln beginnt, 4 oder auch 7 Seitenzahlen ausfallen. »Wer zwingt die Buchdrucker, der ,Schönheit' zuliebe auf Kosten der Übersichtlichkeit Seitenzahlen wegzulassen?« Da mich der Herr Einsender persönlich dazu aufgefordert hat, will ich versuchen, die Frage zu beantworten. Dazu muß ich aber S50 von der typographischen Behandlung des Buches überhaupt sprechen; denn man kann die Bedeutung, welche der Seitenzahl zukommt, nicht beurteilen, wenn man sie allein ins Auge faßt. Vorausgeschickt sei noch, datz ich die »Schönheit« zu dieser Be trachtung gar nicht bemühen werde. Wer die Notwendigkeit einer Seitenzahl oder ihre Entbehrlichkeit begründen will, kann auf die ästhetische Kategorie verzichten. Tie typographische Ausstattung des Satzspiegels, zu der auch die Paginierung, d. h. die Anbringung der Seitenzahl gehört, ist niemals willkürlich, und sie ist ganz gewiß nicht in erster Linie durch ästhetische Rücksichten bestimmt, sondern durch die besondere Weise, in der ein Buch benutzt wird. Und deshalb muß man sich zuerst einmal klar darüber werden, wie verschieden diese Art der Benutzung sein kann. Es gibt hier zwei äußerste Pole, zwischen denen sich im Hinblick auf die verschiedene Benutzungsweisc alle Bücher einordnen lassen. Der eine Pol wird repräsentiert durch den Unterhaltungsroman, den man in einem Zuge liest und dann womöglich wegwirft oder verschenkt. Hier sind Seitenzahlen, wenig stens für den Leser, überflüssig, so angenehm sie unter Umständen für den Buchbinder sem mögen. Denn das Wiederausschlagen einer Buchstelle kommt hier höchstens dann in Frage, wenn der Leser die unterbrochene Lektüre wieder aufnehmen will. Und da hilft ihm die Seitenzahl wenig, wenn er nicht ein besonders geübtes Zahlen gedächtnis hat; ein Lesez-eichen irgendwelcher Art leistei ihm hier bessere Dienste. Das Widerspiel, der andere Pol, wird repräsentiert durch das Buch, in dem niemand mehr als ein paar Zeilen hintereinander liest, und das deshalb ganz und gar darauf eingerichtet sein muß, daß man möglichst schnell und bequem eine bestimmte Buchstelle auffinden kann: das Lexikon also: ich denke dabei etwa an die vor bildliche typographische Ausstattung der Wörterbücher von Toussaint- Langenscheidt. Auch hier ist die Seitenzahl, wenigstens für den Leser, entbehrlich. So verschieden diese beiden Buchtypen zu sein scheinen, so sind sie doch nur extreme Grenzfälle des normalen Buches. Denn einer seits pflegt jedes andere Buch stärker in sich gegliedert zu sein als ein Roman; jedes andere erfordert vom Leser auch mehr geistige Anstrengung, und deshalb häufigere Unterbrechungen in der Lektüre und es verlangt deshalb auch allerlei typographische Hilfsmittel, die es ermöglichen, eine bestimmte Buchstelle wieder aufzufinden. Und andererseits liest man in jedem anderen Buche, auch wenn cs schwerste geistige Kost enthält, längere Abschnitte ohne Unterbrechung hintereinander als in einem Lexikon. Der Hersteller des Buches hätte also immer genau zu unter suchen, welchen Buchtypus er vor sich hat, und welche typographischen Mittel die Benutzung des Buches erfordert. Wir haben schon fest- gestellt, daß in den beiden Grenzfällen, im reinen Lesebuch und im reinen Nachschlagebuch, die Seitenzahlen für den Benutzer wenig Be deutung haben. Im Grunde ist ja auch die Einteilung des Buches in Buchseiten nur äußerlich und kein Ausdruck für die innere Glie derung des Textes. Bedeutungsvoll ist die Seitenzahl eigentlich nur für Bücher mit einem ausführlichen Inhaltsverzeichnis oder alpha betischen Sach- oder Personenregister. Daß deren Beimtzung nicht immer sonderlich bequem ist, auch dann nicht, wenn es heißt »27. Z. v. o.« oder »17. Z. v. u.« wird schon jeder einmal empfunden haben. Bei manchen derartigen Büchern wäre die Kennzeichnung der Zeilen auf jeder Seite (von fünf zu fünf Zeilen) mit kleinen, seitlich an gebrachten Ziffern zu empfehlen. Doch bleibt, wie gesagt, die-sc Ein teilung immer mechanisch und zufällig. Der kleinste Zusatz und die geringste Fortlassung in einer neuen Auflage würde eine Abände rung aller Hinweise, di« etwa im Buche selbst enthalten sind, und eine völlige Überarbeitung aller Register nötig machen. Ganz zu schweigen von der schwierigen ersten Drucklegung, bei der die Hin weise von der Paginierung des Manuskriptes aus die Paginierung des Druckes übertragen werden müssen. Ich vermute deshalb, daß sich in der Zukunft eine andere typographische Behandlung solcher Bücher durchsetzen wird, die in sich gegliedert sind und sowohl zur Lektüre, wenn auch nicht gerade zur flüchtigen in einem Zuge, als auch zum Nachschlagen dienen fallen. Als Beispiel eines solchen Buchtypus zeige ich zwei Seiten von Nicolai Hartmann: »Zur Metaphysik der Erkenntnis«. ES ist ein Buch, das man durcharbeiten muß. Man wird fast auf jeder Seite mehr als einmal auf Stellen des Buches zurückverwiesen, die man schon gelesen hat. Die Gliederung des ganzen Buches ist klar und übersichtlich wie eine klassische Architektur. Das Buch hat mehrere Teile und jeder Teil verschiedene Abschnitte, die dann weiter in Kapitel gegliedert sind. Während aber die Zählung der einzelnen Abschnitte jekks Teiles immer von vorn beginnt, sind die Kapitel durch das ganze Buch fortlaufend gezählt. Das sieht nicht ganz folge richtig aus, da diese Kapitel Unterabteilungen jener Abschnitte sind; aber es ermöglicht eine wesentlich kürzere Fassung der zahlreichen
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