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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 21.06.1928
- Strukturtyp
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- 1928-06-21
- Erscheinungsdatum
- 21.06.1928
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- Deutsch
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X: 142, 2l. Juni 1928, Redaktioneller Teil, Daß wir jetzt eine Übersetzung haben, ist zweifelsfrei, nicht über — oder wenigstens nicht nur —, weil der Buchhandel sich zahlen mäßig verstärkt hat. Wenn das Adreßbuch auch nicht als eine absolut zuverlässige Grundlage bezeichnet werden kann, so sind die aus ihm zu entnehmenden Zahlen doch immerhin charakte ristisch: während sich in den letzten Friedensjahren die Gesamt zahl der ausgenommcnen Firmen immer auf rund 12 500 belief, trat 1917 und 1918 ein Rückgang auf I I 900 ein. Die folgenden Jahre zeigten dann einen Wiederanstieg mit einer Höchstzifser von 13 700 im Jahre 1925, Von da ab ist aber die Zahl der Firmen dauernd gesunken und beträgt im Jahrgang 1928 nur noch 11600; sie ist also um fast 1000 unter dem Stande des letzten Friedensjahrcs, Ich bin der Überzeugung, daß es sich bei der Debatte über die Übersetzung mehr um gefühlsmäßige Äußerungen handelt, deren Ursache darauf beruht, daß die Absatzdecke kleiner geworden ist. Für den Verleger und Exportbuchhändler macht sich beim Auslandabsatz immer noch die durch den Krieg verursachte Um stellung der deutschen Kultur bemerkbar. Da muß der Wett kampf ausgenommen werden mit neuen nationalen Buchindu strien oder mit stark gewordenen alten in Gebieten, die sich früher viel williger dem Einfluß deutschen Geistesgutes er schlossen, Im Innern aber beruht das Kleinerwerden der Ab- jatzdecke ans dem zurückgegangenen Bedarf, Die Ursachen dieses Rückganges sind zweierlei Art, Einmal beruhen sie auf dem finanziellen Unvermögen weiter Kreise, auf dem Sinken ihres Lebensstandards, zum andern auf der oft schon besprochenen geistigen Umstellung, auf der Abwendung von geistigen Dingen schlechthin oder doch vom gedruckten Werk als Vermittler zu anderen moderneren und bequemeren Vermitt lungsmöglichkeiten, Daß wir dabei mit Schlagworten wie Be kämpfung des Kino und des Radio nicht weiter kommen, ist klar. Das Radio enthält außerordentliche und weittragende Bildungs möglichkeiten, Es kann bei richtiger Anwendung ein eminenter Kulturfaktor sein. Nicht in gleichem Maße gilt das vom Kino, dessen kultursördcrnder Bedeutung engere Grenzen gesteckt sein dürften. Mit beiden aber kann der Buchhandel ein Stück Wegs gemeinsam gehen. Hier ist durchaus Förderung möglich, wobei ich sowohl an den Verlag wie an das Sortiment denke. Das, was uns bedenklich machen muß, ist die Abkehr von geistigen Dingen überhaupt, die weniger auf finanziellem Un vermögen als auf der Einstellung zu geistigen Dingen und zum Buch insbesondere beruht. Wenn es im Geschäftsbericht heißt, daß hier schon eine Wandlung zum Besseren eingetreten sei, so wird man darüber wahrscheinlich geteilter Meinung sein. Wo soll eigentlich der Buchhändler noch den Mut zu seiner Mission hernehmen, wenn er seststellen muß, wie sehr in den Kreisen der Intellektuellen das Interesse am Buch "erlahmt? Wo liegen die Ursachen hierfür? Ist auch für diese Kreise das Buch, gemessen am geschmälerten Einkommen, zu teuer, oder ist man enttäuscht? Genügt die Kost nicht mehr den Ansprüchen? Wird zuviel ge boten, und befinden sich unter diesem Zuviel Nieten, die ent täuschen? Ist man es satt, ausländische Importen angepriesen zu erhalten, die sich bei näherer Bekanntschaft nur als Durch schnitt, vielfach sogar als Unter-Durchschnitt, Herausstellen? Ich möchte diese Fragen nur stellen, ohne näher daraus einzugehen, und damit andeuten, wo die schwerwiegenden Probleme liegen, die man zusammenfasfend als die Krise des Buches bezeichnen könnte. In diesem Gedankenkreise liegt natürlich auch manche Ur sache für das, was wir Überproduktion nennen. Es mag zuviel gedruckt werden. Einen Maßstab für das richtige Quantum dessen, was gedruckt werden könnte, um rentabel umgesetzt zu werden, wird man schwerlich finden. Ist aber das, was ge schrieben und gedruckt wird, auch immer wert, mit tönender Werbetrommel dem Publikum vorgesetzt zu werden? Hier er wachsen für den Buchhandel Aufgaben, denen er sich zum Nutzen der Allgemeinheit und zu seinem eigenen Nutzen unterziehen sollte, — in erster Linie natürlich der Verlag, aber nicht ganz einflußlos auch das Sortiment, Meine Herren Kollegen, es ist unmöglich, den Schleier der Zukunft zu heben. Eines nur wissen wir: wir müssen noch lange 884 dunkle Pfade wandeln, ehe es dauernd besser werden kann. Der Kampf im Innern um den Absatz, nach außen gegen die mancher lei unserem Beruf abträglichen Bewegungen wird in der näch sten Zeit kaum Nachlassen, Wir sollten dabei eines nicht außer acht lassen: je schwieriger die Lage wird, um so mehr haben wir Veranlassung, die Lauterkeit im geschäftlichen Verkehr hoch zu halten, (Lebhaftes Bravo,) Das mag paradox klingen, ist aber ein Satz, den ich mit voller Überzeugung aussprechc. Niemand verwehrt dem Verleger, wenn er über das Sortiment keinen Absatz findet, sich unmittelbar ans Publikum zu wenden. Un lauter aber ist es, wenn er sich des Sortiments bedient, gleich zeitig ihm aber mit Vorzugspreisen, die er dem Sortiment ver schweigt, die beste Kundschaft wegfängt, (Sehr richtig!) Un lauter ist es, wenn der Sortimenter Werke verschleudert, deren Ladenpreis einzuhalten er verpflichtet ist, und zwar nicht nur gegenüber dem Verleger, sondern auch seinen eigenen Sorti mentskollegen gegenüber, (Sehr richtig!) Lassen wir solche Zu stände einreißen, so wird es nicht besser, sondern schlimmer. Das Verhältnis der aufeinander angewiesenen Berufszweige kann dadurch nur getrübt werden. Es muß uns aber gerade mit Rücksicht auf die Schwere der Zeit darauf ankommen, ein gutes Verhältnis zueinander zu erhalten, wie es zwischen Geschäfts freunden selbstverständlich ist. Der deutsche Buchhandel war von jeher stolz darauf, daß er mit all seinen Zweigen ein geschlossenes Ganzes bildet, Setzen wir uns, ein jeder zu seinem Teil, dafür ein, daß es auch in Zukunft so bleiben möge! Nicht nur die Gesamtheit, sondern jeder einzelne von uns wird dabei wohl fahren, (Lebhaftes Bravo und Händeklatschen,) Ministerialdirektor Geheimer Rat vr, Klien (Dresden): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Im Aufträge der Sächsischen Staatsregierung, insonderheit im Namen des Wirt schaftsministeriums, habe ich die Ehre, Sie zu Ihrer 103, Tagung in Leipzig herzlich willkommen zu heißen und meiner Persön lichen aufrichtigen Freude darüber Ausdruck zu geben, daß es mir wieder möglich ist, an Ihren Verhandlungen teilzunehmen. Des weiteren haben mich das Reichswirtschaftsministerium, ver treten durch Herrn Regierungsrat vr, Willuhn, und das Aus wärtige Amt in Berlin beauftragt, Ihnen herzlichst zu danken für die Einladung zu Ihrer Tagung und Ihnen die Grüße der Reichsregierung zu übermitteln. Daß unsere Regierung an den Schicksalen des deut schen Buchhandels reges Interesse nimmt, brauche ich in Ihrem Kreise nicht besonders zu betonen. Es ist uns auch bekannt, welche großen Schwierigkeiten der Buch handel in den letzten Jahren zu überwinden gehabt hat. Zu den allgemeinen Lasten, unter denen unsere Wirtschaft seufzt, kommen beim Buchhandel noch die besonderen Erschwerungen, die sich aus den Zeitströmungen ergeben, die Ihr verehrter Herr Vorsitzender in so ausgezeichneter Weise bereits dargelegt hat. Diese Schwierigkeiten haben auch mit dazu geführt, daß in den alterprobten Organisationsformeu des Buchhandels Änderungen angestrebt werden. In mühseliger Arbeit und langen Verhand lungen haben die Beteiligten einen neuen Satzungsentwurf aus gestellt, über den sie heute entscheiden werden. Ich darf der Hoffnung Ausdruck geben, daß dieser Entwurf die Form bringt, zwischen den einander widerstreitenden Interessen der einzelnen Arten der Buchhändler die denkbar günstigste Lösung zu erzielen zum Nutzen und Gedeihen des gesamten Buchhandels und damit unseres deutschen Geisteslebens, Unser gesamtes Wirtschaftsleben der Nachkriegszeit mit seiner schweren Bedrückung der Wirtschaft steht unter dem Zeichen des Zusammenschlusses der einzelnen Wirtschaftszweige, Für die nachdrückliche gemeinsame Vertretung der Interessen vermag heute eins Sicherheit nur dann gegeben zu werden, wenn es ge lingt, bei den maßgebenden Stellen der Regierungen und Parla mente die Berücksichtigung lebenswichtiger Interessen der ein zelnen Wirtschaftszweige in dem großen Kampf um den Aus gleich der entgegengerichteten Bestrebungen zu erringen, Einig keit innerhalb des Standes ist heute mehr denn je erforderlich. Der Buchhandel hat als einer der ersten Wirtschaftszweige diese Einigkeit errungen. Die jetzt mehr als hundertjährige Geschichte des Börsenvereins zeigt deutlich, wie wichtig diese Geschlossen-
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