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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.08.1935
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- 1935-08-17
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- 17.08.1935
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M IM, 17. August 1935. Redaktioneller Teil. tes zu erwarten sei, die alles Politische weit hinter sich zurückläßt, daß die heute in der Gunst der Zeit stehende politische Dichtung sich also gleichsam erst totlaufcn müsse, um durch ihr Ende den Weg für eine neue Kunstentwicklung freizumachen. Solchen An schauungen, die nur mangelndes Verständnis für unser Volk in seinem heutigen Lebenszustand zur Grundlage haben können, stel len wir die Überzeugung entgegen, daß uns die jetzt schon vor handene und die noch kommende politische Dichtung auch als Kunst Höchstes und Endgültiges zu bieten haben werde. Uns ist von den zwei Bestandteilen des zur Rede stehenden Begriffes das Dichterische nicht minder wichtig als das Politische. Nur müssen wir eben den Mut haben, grundlegend neu zu denken und ent scheidende Um- und Neubewertungen vorzunehmen. Woher Hat der Begriff politische Dichtung seinen Namen? Bon seinem Stoff. Der Stoff politischer Dichtung ist die Politik oder sagen wir das Politische. Politik wurde bisher vielfach als etwas Unangenehmes, Häßliches, Niederziehendes ausgefaßt, in dessen Strahlenkreis der Kunst zu wohnen nicht geraten werden könne. Es galt die Überzeugung bis in unsere Tage, »politisch Lied ein garstig Lied«. Wir müssen mit dieser Auffassung von der Poli tik brechen, sie hatte ihre Berechtigung, als Politik nach innen noch Parieipolitik, also das Gegeneinanderrasen von Parteimeinungen, Interessen usw., nach außen das undurchsichtige Spielen von Di- plomatcnränken bedeutete; sie mag ihre Geltung noch bei Völkern haben, in denen man über einen solchen Zustand noch nicht hin ausgelangt ist. Im Deutschland Adolf Hitlers hat diese Auf fassung von der Politik nichts mehr mit den Tatsachen zu tun. Politik bedeutet für uns heute: Lebensgcstaltung im weitesten Sinne. Politischen Sinn haben bedeutet demzu folge: auch das einzelne, persönliche Leben aus freiwilliger Unterwerfung unter die Lebensnotwcndigkeiten des Volkes fo ein zurichten, daß es mit diesem im Einklang steht und ihrer Ent faltung förderlich ist; politisches Verständnis haben bedeutet: die Einsicht, daß die Führung des Volkes so handeln muß, wie sie im Augenblick handelt, auch wenn dieses Handeln nicht immer dem Wunschbild jedes einzelnen von uns entspricht; und politi schen Willen haben bedeutet: als Glied der Gemeinschaft seine ganze Kraft für die Lebensgestaltung des Volkes zur Verfügung zu stellen, und sie jeweils dort zum Einsatz zu bringen, wo sie — ohne Rücksicht aus die eigene persönliche Wohlfahrt — am nötig sten gebraucht wird. Wenn wir also Politik so verstehen, und als Deutsche im Zeitalter Adolf Hitlers haben wir die Pflicht, sie so und nicht anders zu verstehen, dann schließt sich aus diesem Be griff alles ganz von selbst aus, was ihn bisher in so entscheidender Weise entwertet hat. Hier ist kein Raum für eine Parteimeinung, wie es im neuen Deutschland ja überhaupt keine Parteien mehr gibt, sondern nur noch die Partei; hier ist kein Raum für Sonderinteressen und Eigenbrötelei jeder Art; kein Raum für irgendwelchen Egoismus; hier ist keine Möglichkeit für das Aus toben niederer Instinkte, keine Möglichkeit für eine Flucht vor der Verantwortung. Auf das Gebiet oes Dichterischen übersetzt, be deutet dies: daß Politische Dichtung, Politik begriffen in dem von Hitler eindeutig geprägten Sinn deut scher Lebensgestaltung, nichts zu tun hat mit der Elends und Anklagepoesic des Naturalismus und seiner Nachfolge-Ismen, nichts zu tun hat mit der Schreibkunst des Expressionismus, im ganzen gesprochen: nichts zu tun mit einer nur auf einzelne Rich tungen zielenden, sich aus einzelne Gruppen beschränkenden, in einzelnen Programmen erschöpfenden Dichtung, Wir werden die neue politische Dichtung als Gemeinschaftskunst im weitesten Sinne, der überhaupt dafür denkbar ist, erleben. Gemein schaf t s k u n st bedeutet: im Leben der Gemeinschaft ruhen, von der Gemeinschaft getragen, ans der Gemeinschaft wachsend, in die Gemeinschaft einmündend; Volk ist für uns heute nicht gestaltlose Masse, sondern ein mannigfaltig gegliedertes Ganzes, das in der unendlichen Vielfältigkeit seines Lebens in Stämmen, Landschaf ten, Berufen, Ständen usw. einen unerschöpflichen Brunnen dar stellt, aus dem die Künstler vieler Generationen werden schöpfen können, ohne je um Stoff verlegen zu sein, oder ohne je der Ge fahr der Eintönigkeit zu unterliegen. Die Kunst, auch die Dich tung, würde sich nur dann selbst aufgeben, wenn sie versuchen würde, ein Eigenleben neben dem Leben des Volkes, der Ge- 670 meinschaft her zu führen; sie wird sich selbst als Kunst am meisten treu sein, wenn sie dem Leben und dem Schicksal des Volkes treu ist; wenn sie immer willens ist, soldatisch dem Ganzen zu dienen. Es gilt heute also, bereit sein zu etwas Zweifachen: einmal dazu, den falschen Begriff des Politischen als einer Sache, mit der sich der ernsthafte, der innerlich gerichtete Mensch, nicht befaßt, hinter sich zu lassen, und ihn, aus das Leben unseres Vol kes gesehen, aufzufassen als die große Mittelpunktskraft der neuen deutschen Lebensgestaltung, deren allgemeine Wirkung es mit sich bringt, daß jeder Anteil nimmt am Ganzen, daß keiner glaubt, die Verantwortung anderen überlassen zu können; zum ande ren bereit dazu: den Begriff politische Dichtung nicht als etwas nur an Äußerlichkeiten haften Bleibendes zu nehmen, als Halb kunst, sondern ihn aufzufassen als Namen für eine Kunst, die sich auf die gemeinsame Lebensordnung, auf das gemeinsame Lebens- gesühl und aus das gemeinsame Schicksal des Volkes besonnen hat, und der aus dieser Besinnung heraus der Wille zuwuchs, langsam und in ernsthaftem Bemühen zu den höchsten Leistungen aufzu steigen. II. Damit ist die Entwicklung der deutschen Dichtung an einem Punkt angelangt, wo es möglich ist, mit dem echtem Kunstschaffen so unzuträglichen Durcheinander und Vielerlei von Gruppen, Rich tungen, Programmen zu brechen und der wiedergewonnenen Einheit des Volkes auch die Einheit einer organisch wach senden Dichtkunst an die Seite zu stellen. Jetzt können wir ver zichten auf den so viel falsch verstandenen Begriff bürgerliche Dichtung, der in den letzten Jahren einiges Unheil angerichtet hat; jetzt werden wir klar sehen über den Begriff Arbeiter dichtung, der ebenfalls zahllose, nie das Wesentliche treffende Ausdeutungen über sich ergehen lassen mußte, der sich für uns aber weitgehend deckt mit dem, was wir unter politischer Dich tung in dem neuen umschriebenen Sinne verstehen. Auch der Be griff der sogenannten Bildungsdichtung, der ebenfalls die Geister oft genug verwirrte, wird hinfällig vor einer Kunst, die das Ganze des Volkes und des Lebens will. Wir wissen, daß es nicht einfach sein wird, dieses neue Denken in einen überkomme nen und fast völlig entwerteten Begriff hineinzutragen, aber wir müssen uns allmählich daran gewöhnen, ihn mit keinem anderen als diesem neuen Inhalt zu verbinden, es sei denn, daß uns zu guter Stunde eine neue sprachliche Bezeichnung geschenkt wird, die den neuen Inhalt für die allgemeine Verständlichkeit faßt. Wir müssen nur den Mut und den Willen haben, den Be griff politische Dichtung in Rechte einzusetzen, auf die er durch das neue deutsche Geschehen, dessen Gestaltung die durch ihn umschrie bene Kunst sich zur Aufgabe gemacht hat, Anspruch erheben darf. Auch jenseits unserer Grenzen wird man sich bemühen müssen, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, denn jedes Volk wird einem anderen Volk immer nur dann achtbar sein, wenn es sein Eigenstes, sein Innerstes erfüllt und in seinem Leben und in seiner Kunst formt. Ein solches Verständnis wird aber erst dann in vollem Maße möglich sein, wenn erkannt ist, was politische Dichtung nicht ist. Sie istnicht Parteidichtung, denn die einzige Partei, die cs heute bei uns noch gibt, ist Deutschland; sie ist nicht Tendenzdichtung, denn Tendenz ist nur dort, wo auf Teile des Lebens eines Vol kes abgezielt wird, uns aber geht es um das Ganze. Wo die Stoffwahl zu selbstverständlichen Begrenzungen führt, wo es also etwa gilt, den neuen Arbeiter, das neue Arbeitsethos, die neue Besinnung auf ursprüngliche Lebenskräfte unseres Volkes, das neue Soldatentum, den Siedlungsgedanken, den Arbeits dienst, das riesige Reichsautobahnwerk und die übrigen gewaltigen Aufbauarbeiten unseres Volkes, wo es also gilt, all dies im Dichtwerk zu gestalten, Sinnbild werden zu lassen, da handelt es sich dann natürlich nicht mehr um Tendenzen, sondern um das Ganze in einem bestimmt abgegrenzten Wirkungsraum, es wird also auch in solcher stofflichen Begrenzung immer das tra gende Ganze im Mittelpunkt stehen. Wenn der Dichter die Ab sicht verfolgt, durch sein Werk der Mit- und Nachwelt einen Te ilau ssch n i tt des allgemeinen Lebensausbaus unseres
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