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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.09.1896
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1896-09-08
- Erscheinungsdatum
- 08.09.1896
- Sprache
- Deutsch
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5462 Nichtamtlicher Teil. 209, 8. September 1896. erste öffentliche Ehre nicht zu Kopfe steigt, und wenn sie durch den Inhalt ihres neuen Eigentums, der sehr häufig patrio tischer und nicht selten antideutscher Tendenz ist, nicht ver leitet werden, die Welt jenseits des Rheins unter einem fal schen Gesichtswinkel zu betrachten. Ich habe diese Preise sehr im Verdacht, daß sie leise, aber sicher chauvinistisches Gift in die Adern der französischen Jugend träufeln und den Spalt, der leider zwischen Deutschland und Frankreich klafft, erwei tern helfen. Da lobe ich mir die ältere Generation der gebildeten hiesigen Kreise. Man weiß es in Deutschland noch nicht zur Genüge, ein wie großes Interesse manche gelehrte Berufs zweige in Frankreich unserer deutschen Sprache und wissen schaftlichen Forschung entgegenbringen. Vor allem zollen die hervorragenderen Aerzte der deutschen wissenschaftlichen Me dizin fast ausnahmslos den Tribut, daß sie, um die deutsche medizinische Litteratur lesen und verstehen zu können, sich der Unbequemlichkeit unterziehen, unsere Sprache gründlich zu stu dieren. Es ist eine wahre Freude, mit französischen Gelehr ten dieses Faches sich über deutsche Wissenschaft zu unter halten. Alle die berühmten deutschen Geister auf diesem Ge biete sind ihnen geläufig und ein Virchow z. B. gilt ihnen als unfehlbar. In der Gegend der Üoolo äs Nsäsoins auf dem Boule vard Saint-Germain findet man deutsche medizinische Werke in den Buchläden häufig ausgelegt. In diesem gelehrten Viertel am linken Ufer der Seine hat jede Buchhandlung ihre bestimmte Spezialität. Um die einzelnen Fakultäten, die genannte üeols äs Uääseios, die üools äs Droit, die altbe rühmte Sorbonne, (worin die Doktrinen der Theologie, Mathe matik, der Naturwissenschaften, Philosophie, Philologie, Ge schichte und Geographie ihren Sitz haben), gruppieren sich die Buchhandlungen der betreffenden Fächer. Librairieen, die nach der Art der deutschen Sortimentsbuchhandlung Bücher jeder Branche führen, bilden überhaupt die Ausnahme. Auch auf die Antiquare erstreckt sich diese Arbeitsteilung; fast jeder vertreibt eine spezielle Kategorie von Büchern und bedient infolgedessen einen engeren Kundenkreis. Die Uouquwistss dagegen, die Büchertrödler, erstrecken ihr Geschäft auf alles, was gedruckt wird, und wenn man auch füglich in die Reel- lität ihres Handels einigen Zweifel setzen darf, so muß man ihnen doch die unendliche Langmut nachrühmen, mit der sie ihre Vorräte, die sie hauptsächlich auf der Ufermauer des linken Seineufers aufbauen, betrachten, befühlen und lesen lassen, ohne auch nur eine Miene zu verziehen, selbst wenn ein wißbegieriger Leser stehenden Fußes ein Buch von 100 Seiten durchstudiert. Die Preise sind bei ihnen oft wirklich spottbillig. Bücher, die kaum vor Jahresfrist mit einem Laden preis von 3—5 Frcs. ausgezeichnet wurden, kauft man oft schon für 50 Centimes. Wenn der deutsche Buchhändler unter der Konkurrenz der Schleuderer seufzt, so hat sein französischer Kollege noch als unangenehme Zugabe den weit ausgedehnteren Bücher verkauf der großen Bazare in Rechnung zu ziehen, in denen neue Bücher aller Art zu sehr herabgesetzten Preisen zu haben sind. Der kürzlich in Lyon stattgefundene Kongreß der fran zösischen Sortiments-Buchhändler hat hierüber ein bewegliches Klagelied angestimmt. Ein Teil der Pariser Buchhändler weiß sich aber trotz der Ungunst der gegenwärtigen Verhält nisse aus der Verlegenheit zu ziehen; das sind diejenigen Antiquare, die mit wertvollen alten und seltenen Ausgaben handeln. Sie erzielen oft ganz erstaunliche Preise, denn Paris ist die Stadt der Sammler im allgemeinen und der Bücher liebhaber im besonderen. Und wer läßt sich lieber übers Ohr hauen als ein eingefleischter Bibliophile! In den intimen Kreisen dieser litteranschen Feinschmecker entstand jüngst eine kleine Bewegung, als die Dibliotuäqns vationals mehrere Werke des vor nicht langer Zeit verstor benen Schriftstellers und Dichters Paul Verlaine in ihre »Hölle« aufnahm. In ihre Hölle? Nur sehr weuige deutsche Leser werden die Bedeutung des Wortes kennen. Es sind geheimnisvolle Schränke in dieser Büchersammlung, die sicher lich eine der reichhaltigsten auf dem Erdball ist, und diese Schränke enthalten alles, was seit Erfindung der schwarzen Kunst an solchen Werken gedruckt worden ist, die einerseits litteranschen Wert haben, anderseits aber es mit der Moral so leicht wie irgend möglich nehmen. Es handelt sich also, kurz und deutlich gesagt, um eine vollständige Zusammen stellung der »besseren« pornographischen Litteratur. In dieser Sammlung, welcher, kulturhistorisch genommen, eine gewisse Bedeutung keineswegs abzusprechen ist, geben sich der alte Rabelais fröhlichen Angedenkens (sein Humor ist derb, sehr derb, mutet aber fast deutsch an), und der jüngere Crsbillon ein Rendezvous mit den naturalistischen Koryphäen neueren Datums. Aber gestorben muß man sein, um in die Hölle, »l'solsr«, zu kommen. Wenn die Lebenden schon ein Anrecht auf diese Auszeichnung hätten, so müßte die Zahl der Schränke wesentlich vermehrt werden. Nicht jedem ist der Einblick in dieses vor Laienaugen sorgsam behütete Spe zialmuseum gestattet, auch ist es nicht jedermanns Sache, durch ein Gesuch an die Verwaltung der Bibliothek seine Neugierde für dieses Gebiet menschlicher Schwäche zu verraten. Paris. II. Verzeichnis von deutschen Büchern, die in Lutzland ganz oder teilweise verboten sind. (Vgl. Nachrichten aus dem Buchhandel 1896 Nr. 92, 94, 95 u. 96.) (Schluß aus Nr. 205, 206 u. 208 d. Bl.) 8. Teilweise verbotene Bücher ferner: Kalender, Appenzeller, a. d. I. 1894. (173. Jahrg.) Gegründet v. I. Sturzenegger und I. Schlüpfer. 76 S. 4". Trogen. (St. Gallen, F. B. Müller.) V6 —.40. Seite 37 unnumerirt. Kriminalbibliothek. 28.-56. Bdchen. (II. Jahrgang), S. 1729—3584. 8». Dresden. Lieferung 33, Seite 2089—2110. Lieferung 37, Seite 2344—2365. 34, 2153—2172. » 38, 2409—2430. 35, 2217—2237. 39, 2473—2486. . 36, 2281—2302. 40, 2559. Kühn, Franz, Leuthen. Eine Erzählung für die Jugend. 3. Aufl. (Carl Flemmings Vaterländische Jugendschriften XXII. Bd.) 120 S. 8". Glogau. Seite 30. Kuhn, k. Kaspar, Geschichtskalender oder Tägliche Erinnerungen aus der Welt- und Kirchen-, Kunst- und Litteraturgeschichte. 2. verm. Aufl. II. Band. Juli bis Dezember. 500 S. 8". Regensburg 1892, Verlagsanstalt. Seite 22 Zeile 4—14 von unten. , 340 „ 10—20 von oben. Leffler, A. Ehr., Herzogin v. Cajanello. Verurteilt. — Ein Ball in der vornehmen Welt. 2 Novellen. 119 S. 8". (Sammlung von besten Werken der Literatur der Gegenwart. Herausgegeben v. Emil Jonas. Band I.) 119 S. 8". Berlin 1893, S. Schwartz. ^ —.50. Seite 1—51. Liebes- und Eheleben an Europäischen Höfen. 255 S. 8". Berlin, 1893, H. Steinitz Verl. ^ 3.50. Seite 17—40. Lombroso, C., und G. Ferrero, Das Weib als Verbrecherin und Prostituirte. Anthropologische Studien rc. Uebersetzt von Dr. rosä. H. Kurella. XVI, 590 S. gr. 8". Hamburg 1894, Ver lagsanstalt u. Druckerei. ^ 16.—. Auf Seite 395 Zeile 19 von oben, die letzten 3 Worte. „ „ 395 „ 20 „ „ die ersten 3 Worte. Nart^roloqivw romanum Drsgorli XIII, jvs8u säitum Ilrbani VIII st Lilsmsvtis X auetoritats rseogoituro ao äsiväs avno NOOOXllIX ösnsäisti XIV Isllors st stuäio g-uotum st os,stig!etuill. Läitio vovissima. Xusuntas V-euriuoram 1892. X01I, 446, 1 8. 8".
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