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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.04.1917
- Strukturtyp
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- 1917-04-07
- Erscheinungsdatum
- 07.04.1917
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- Deutsch
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Mrsenbiatl f. d. Dtschn. Buchhandel. Redaktioneller Teil. ^ 8l, 7. April 1917. Größe und Gewicht zu der Feinheit und Akkuratesse der Kar tenzeichnung in keinem harmonischen Verhältnis steht, und eine ungeschickte Raumbenutzung in bezug auf Stellung und Ver teilung der Namen dazu, so kann die beste Karte dis zur Un brauchbarkeit verdorben oder wenigstens zu einem ganz unästhe tisch wirkenden Machwerk herabgedrückt werden. Es bleibt daher immer eine der vornehmsten Aufgaben des Kartographen, neben der wissenschaftlichen Behand lung der Nomenklatur auch ihrer technischen Seite die weitestgehende Sorgfalt zuzuwenden. Die elftere findet ihre Hauplangriffspunkte in der strengen, sorgfältig dem Zweck der Karte angepatzten Auswahl der Na men, sowie der richtigen Bewertung ihrer relativen Bedeutung durch Stellung, Grütze und Stärke der Schrift, sodann in der kritischen Behandlung der Schreibart, die häufig selbst in amt lichen Veröffentlichungen (z. B. in statistischen Werken gegenüber Generalstabskarten) Widersprüche zeigt, ganz zu schweigen von den Unsicherheiten in nicht amtlichem Material, was hier nicht weiter erörtert werden soll. Die technische Seite der Beschriftung liegt in der äußeren Formgebung: Geschmack in der Wahl der Schriftarten in bezug auf Größe und Stärke, Geschick in der Anordnung und Stellung der Namen unter weiser Benutzung derjenigen Stellen, in denen sie das Kartenbild am wenigsten beeinträchtigen, sie selbst am besten lesbar bleiben und sich untereinander nicht stören und in ihrer Deutlichkeit benachteiligen. Ein solches Schrift arrangement seitens des Kartographen erfordert viel Mühe und Nachdenken und auch nicht selten da, wo sich die zu benennenden Objekte ungewöhnlich häufen, wie z. B. in sehr dicht besiedelten Gegenden, vielfaches Ausprobieren, bis eine befriedigende Lö sung der Aufgabe gefunden ist, alle Namen ihren Platz haben und sie so stehen, daß über ihre Zugehörigkeit keinerlei Zweifel auskommen kann. Dabei wendet man nun, um die Auffassung des Karten lesers in bezug auf Bedeutung und Zugehörigkeit der Namen zu erleichtern, sich gut unterscheidende Schriftsorten an, ohne die mau gar nicht auskommen würde, z. B. Kapitalschriften (Ma juskeln) für größere Ländernamen (meistens in mehr oder min der stark gesperrter Form) und andere Objekte von hervorragen der Bedeutung, aufrechte Antiqua für die Namen größerer, Kur siv für die Namen kleinerer Orte, rückliegende oder sehr magere (Haar-) Schrift für Wassernamen usw., und zwar in den viel fachsten Nuancen in bezug auf Größe und Stärke der Lettern. Alles dies ist aber nur mit einer Schrift zu ermöglichen, die so biegsam und modulationsfähig ist wie die Lateinschrift, und wäre mit Fraktur nicht durchzuführen; denn weder sind ihre Ma juskeln geeignet, zu leicht lesbaren Namen zusammengesetzt zu werden, noch hat sie eine Kursiv oder erträgt sie ein Rückwärts- legen ihrer Buchstaben, ganz abgesehen davon, daß sie sich mit ihren vielfach gebrochenen Skelettlinien und den beengten Hohlräumen ihrer Majuskeln höchstwahrscheinlich — Versuche liegen nicht vor — für das Auge viel schwerer von dem Unter grund der Kartensituation und ihrem Signaturenwerk loslösen würde als die einfache Lateinschrift, die nur aus gleichmäßigen geraden Linien und nach außen schwingenden Bogen besteht. Dazu kommt weiter, daß die Fraktur in dem kleinen Aus maß, in dem die kleinsten Schriften (z. B. auf fein gestochenen Handatlasblättern) erscheinen, gar nicht mehr leserlich sein würde, während diese in Lateinschrift noch recht deutlich er scheinen. Nebenbei bemerkt, würde cs wohl auch recht sonderbar an muten, wenn Karten von Spanien, Italien und anderen Ländern lateinischen Alphabets mit Fraktur bedruckt würden! Man sieht, es liegen hinreichende Gründe vor, die Wahl der Lateinschrift für Landkarten gerechtfertigt erscheinen zu las sen, und doch ist dies durchaus nicht der ausschlaggebende Punkt, sondern dieser liegt in der Kostenfrage. Wenn die Landkartenschrift mit beweglichen Lettern gedruckt werden könnte wie Bücher und Zeitungen, so würde es betreffs des Kostenpunktes ganz gleich sein, ob man sie aus Antiqua oder Frakturlettern zusammensetzte. Diese Möglichkeit ist aber «u» naheliegenden Gründen, die sich z. T. schon aus den vor- 8Z8 stehenden Ausführungen ergeben, gänzlich ausgeschlossen, was jeder, der die Fülle und Mannigfaltigkeit der Namen und Schrift sorten (z. B. auf einer modernen Handatlaskarte) mit ihren ungeheuer wechselvollen Stellungen in Betracht zieht, ohne wei teres erkennen muß. Ein Schriftarrangement mit Letternsatz würde so unendliche Mühe und Zeit beanspruchen, bis es ganz in Ordnung gebracht wäre, dtiß sehr große Kosten daraus ent stehen müßten und trotzdem nur ein ganz unzulängliches Er gebnis dabei herauskommen würde, so daß ein Vorteil damit nicht verbunden wäre. Dahin zielende Versuche sind daher bis lang nur ganz selten unternommen worden und dann nur im mer bei wandkartenartigen Darstellungen, bei denen sich zwischen die einzelnen Namen verhältnismäßig große Spatien ein schoben, und die nur wenig Schriftsorten verlangten. Es kann also bei der Beschriftung von Karten immer nur die Arbeit des Zeichners, beziehentlich des Kupferstechers oder Lithographen, nicht aber die des Schriftsetzers in Betracht kommen. Ist dies aber der Fall, so muß sich auch sofort die Erkenntnis aufdrängen, daß dann am zweckmäßigsten nur die einfachste und am leichte sten und schnellsten zu schreibende Schrift zur Anwendung ge langen könne! Welcher von den beiden Schriftgattungen, Anti qua oder Fraktur, aber in dieser Hinsicht die Palme gebührt, darüber wird wohl kaum ein Zweifel auskommen können! Je dermann wird die meisten Buchstaben des lateinischen Alpha bets, wenn auch noch so roh, aber doch erkennbar, aus dem Gedächtnis nachbilden können; man lasse ihn aber einmal den Versuch mit Frakturbuchslaben, namentlich mit einer Majuskel, machen, und man wird staunen, welche Mißgeburt dabei her auskommt, trotzdem doch jeder, schon infolge der täglichen Zei tungslektüre, — gering gerechnet — zehnmal mehr Fraktur vor die Augen bekommt als Antiqua. In der Tat erwerben unsere Kartenzeichner und -stecher die Fertigkeit, lateinische Druckschrift aus freier Hand her zustellen, meistens sehr rasch, und Virtuosen unter ihnen ver stehen sie fast fließend zu schreiben, namentlich wenn es sich um Kursiv handelt, die ja auch unserer lateinischen Schreib schrift am nächsten kommt. Das ist bei der Fraktur vollständig ausgeschlossen, schon weil es sich bei ihr eigentlich um zwei verschiedene Schriftcharak tere handelt, nämlich einmal um die kleinen Buchstaben, die sich fast nur aus mehrfach gebrochenen geraden Linien zusammen setzen, und dann um die großen Buchstaben, die fast ausnahms los aus größeren und kleineren Bogen und Doppelbogen mit kleinen schnörkelartigen Ausläufern bestehen. Würde schon die Ausarbeitung der kleinen Eckchen und Köpfchen der Minuskeln einen beträchtlichen Aufwand von minutiöser Arbeit erfordern, so müßte dieser bei den verwickelten Gestalten der Bogen und Bogenverbindungen in den Majuskeln mit ihren mannigfalti gen Verstärkungen, wenn figürliche Korrektheit und tadellose Gleichmäßigkeit im Aussehen der Buchstaben erreicht werden soll, denjenigen, den die einfache Antiqua erheischt, um ein Vielfaches übertreffen. Erfahrungen darüber habe ich nicht, aber meiner Schätzung nach würden Zeit- und Kostenaufwand für Fraktur auf Landkarten das Vier- bis Fünffache desjenigen für Antiqua erreichen. Das sagt alles! In zweiter Linie stellt Herr A. S. die Fragen: Sind die Länderfarben der politischen Karten durch irgend welches Übereinkommen geregelt? — Ist es durchaus notwendig, die ganzeFläche eines Landes, auch in Einzelkarten, zu färben? Das Kolorit auf Landkarten verfolgt mehrfache Zwecke. Es soll einerseits das Zusammengehörige wirkungs voll und deutlich zusammenfassen und anderer seits das Nichtzusammengehörige leicht für das Augeunterscheidbarmachen. Wenn auch alle Grenzen und Trennungslinien bereits in der Situation der Karte vorhanden sind und man sie mit einiger Aufmerksamkeit auch auf einem einfachen Schwarzdruck darin verfolgen kann, so wird doch erst durch die Farbe eine rasche Auffassung dieser Grenzverläufe ermöglicht, und ein wirk lich anschauliches, übersichtliches Bild derselben geschaffen, so daß man sie als einen recht wesentlichen Bestandteil der meisten Karten bezeichnen muß. Um das richtig zu würdigen,
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