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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.11.1904
- Strukturtyp
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- Band
- 1904-11-25
- Erscheinungsdatum
- 25.11.1904
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- Deutsch
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^ 274, 25. November 1904. Nichtamtlicher Teil. 10581 zeichnete, auch gar nicht verzeichnen konnte, iveil immer noch, heute noch, viel zu viel derselben in großen und kleinen, öffentlichen und privaten Bibliotheken und bei Anti quaren sich verstecken, war längst bekannt. Mit großem Interesse sahen daher die Fachleute dem Copinger'schen Supplement zu Hain entgegen und freuten sich, es in Em pfang zu nehmen, um sich schließlich doch zu gestehen: viele bei Hain fehlende Inkunabeln sucht man auch bei Copinger vergebens, und was die Beschreibungen der aufgenommenen betrifft, so lassen immer noch viele zu wünschen übrig. Ein Einzelner, wenn er auch über noch so viel Zeit und Geld verfügt, kann nun und nimmermehr alle vorhandenen In kunabeln richtig und auch nur annähernd vollständig ver zeichnen; auf diesem Gebiete kann nur durch das Zusammen wirken der beteiligten Kreise Ganzes und Großes geschaffen werden, während alle andern Versuche, allumfassend Inkunabel- Bibliographien herzustellen, Versuche bleiben und den Wert des Zusammentragens haben. Einen andern Wert kann man auch der vorliegenden Arbeit des Professors am Paulinischen Gymnasium in Münster nicht beilegen. Denn Reichling hat im Frühjahr und Herbst vergangenen Jahres mit Unterstützung des preußischen Kultusministers (wohl Kultusministeriums?) einige italienische öffentliche Bibliotheken aliqua sx parts, d. h. bis zu einem gewissen Maße oder Grade, nach Inkunabeln durch sucht, d. h. man findet hauptsächlich von solchen Bibliotheken nur die Vaticana in Rom und die Nationalbibliothek in Neapel als Fundstellen angegeben. Er scheint aber vor allem sich auf die Kataloge Jakob Rosenthals in München, Leo Olschkis in Florenz, des llriait^ Oolls^s in Dublin und wenige andre zu stützen. Sein erster Faszikel, dem wahrscheinlich noch ein zweiter folgen wird, führt in Abschnitt I, ^äckitiovss, 565 bei Hain- Copinger nicht vorkommende Inkunabeln mit bibliographischen Beschreibungen und Notizen auf. Von den 60 ersten dieser Drucke zeigen als Quellen bzw. Fundorte 6 die National bibliothek in Neapel, 11 die Vaticana in Rom, 9 Kataloge von Olschki, 20 solche von Rosenthal, 9 den Katalog des Drinit^ OollsZg, 3 verschiedene Kataloge und Fräulein Pellechet, und so geht es durch den Abschnitt I hindurch; der Haupt anteil fällt auf Rosenthal. Das nur einige Zeilen lange Vorwort gibt nicht an, ob Reichling die ihm zugänglichen Drucke — von den Olschkischen wie Rosenthalschen werden viele nicht mehr zur Verfügung gestanden haben — selbst mit den Be schreibungen der Kataloge verglichen oder diese einfach hat abdrucken lassen. Im letztern Fall kann er eine Ver antwortung für die Richtigkeit der Angaben nicht über nehmen. Bei Inkunabeln kommt es aber vor allen Dingen auf peinlichste Genauigkeit bis auf Buchstaben, Punkte, Striche usw. an, und antiquarische Kataloge sind niemals die richtigen Quellen für bibliographische Arbeiten, mögen sie noch so gut gearbeitet sein. Der II. Abschnitt des Faszikels, Verbesserungen zu un genauen Beschreibungen bei Hain-Copinger, führt 467 Drucke auf, bei denen die Fundstellen Vaticana und Nationalbiblio thek zu Neapel überwiegen dürften. Das setzt aber wohl Eigenschau voraus. Im großen und ganzen wird der Inkunabel-Kunde, nachdem jetzt endlich, dank den Bemühungen der vereinigten und andrer Bibliothekare, Zug in deren Förderung ge kommen ist, mit Reichlings zusammentragender Arbeit ge dient, wenn auch die zukünftigen Jnknnabelbibliographen vielleicht sich Nachprüfungen der Angaben Vorbehalten werden. Josef Sattlers Nibelunge, ausgestellt im Deutschen Buchgewerbehaus zuLeipzig. Straßburg mit seinem charakteristischen historischen Gepräge, seinen reichen Sammlungen wertvoller Buchschätze, hat Josef Sattler die Wege gewiesen. Hier hat er seinen Meister Dürer studiert, dessen Eigenart zeichnerischen Gepräges in sich aus genommen; von hier aus sind seine ersten Schöpfungen, die ihm einen durchschlagenden Erfolg einbrachten, in die Welt gewandert. »Der Bauernkrieg-, »Der Totentanz-, »Die Wiedertäufer--, »Das humoristische Album--, das einen Künstlerkricg veranschaulicht, und eine stattliche Reihe origineller Exlibris sind hier entstanden. Der allseitig bewunderte und vielbegehrte Künstler zog dann nach der Reichshauptstadt, wo sich ihm ein reicher Wirkungskreis er schloß; darauf wurde es ein wenig still, man hörte seltner von ihm, bis vor einiger Zeit das Hauptwerk seines Schaffens »Die Nibelunge-- erschien. Die in der Reichsdruckerei ausgeführte und im Verlag von I. A. Stargardt in Berlin veröffentlichte Publikation darf rück haltlos als die hervorragendste Erscheinung der Neuzeit auf dem Gebiet der Buchausstattung angesehen werden. Der Eindruck des Ganzen ist von überraschender Einheitlichkeit, und die Aufgabe, die dem Künstler gestellt wurde, nicht bloß als der Illustrator einer nationalen Dichtung aufzutreten, sondern als Urheber eines einheitlichen Buchwerks, zu dem er außer dem Bildschmuck auch die Schrifttypen, Initialen und den Einband zu schaffen, den Druck zu überwachen hatte, ist von ihm in bewundernswerter Weise gelöst worden. Wie Sattler die Schrift, Vollbilder und den Buchschmuck ausgesührt hat, so sind Satz und Druck, Schöpsformen zum Büttenpapier mit Wasserzeichen, Vorsatzpapier und Ein band in den Werkstätten der Reichsdruckerei hergestellt worden. Das ganze Werk ist — auch die farbigen Vollbilder — in Buch druck hergestellt. Das Werk ist jetzt in losen Blättern, so daß das Bild jeder Seite zur Geltung kommt, nebst etwa 70 Originalzeichnungen Josef Sattlers zu dieser großangclegten Publikation, in der Ausstellung im Deutschen Buchgewerbehause zu Leipzig untergebracht, so daß es mit größter Muße studiert werden kann, wofür Kunstfreunde und Fachleute der Reichsdruckerei und dem Buchgewerbeverein aufrichtig dankbar sein werden. Nicht hoch genug anzuerkennen ist es, daß Sattler für dieses Werk Schriftformen erfunden hat, die ebenso zweckmäßig wie schön sind. Wohl hat er hierbei auf alte Formen zurückgegriffen, jedoch hat er sich nicht verleiten lassen, Neues durch Sellsamkeiten zu erreichen, sondern sämtliche Typen zeigen so schöne Gliederung und maßvolle Formengebung, daß sie wohltuend auf das Auge wirken und leicht lesbar sind. Dabei ist der Charakter der Schrift kein etwa sklavisch der alten nachgebildeter, sondern durchaus modern. Selbst da, wo er Verzierungen und farbige Zutaten an wendet, wie bei den Initialen, bleibt das Buchstabenbild un getrübt und tritt sofort klar und deutlich hervor. Auf die großen Schönheiten, die der Bildschmuck birgt, haben wir schon beim ersten Erscheinen des Monumentalwerks der Vuchdruckerkunst hingewiesen. Sehr interessant ist es, aus den verschiedenen Stadien der einzelnen Bilder die Art ihrer Ent wicklung ersehen zu können: wie die Darstellung aus der reinen Linie heraus sich entwickelt und nur wenige Farbenkombinationen oftmals einen außergewöhnlich starken und tiefen Stimmungs- qehalt Hervorrufen. In der bei aller Kraft ungemein dezenten Farbengebung ist jeder aufdringliche Farbenklang vermieden. Ab und zu hat Sattler auch zu ganz ungebrochenen Farbentönen gegriffen; aber ihre Umgebung ist dann immer so gewählt, daß sie niemals aus der jeweiligen Gesamtstimmung herausfallen. Ganz besonders verdient hervorgehoben zu werden, wie der Drucker mit seinen Farbenplatten den Intentionen des Künstlers hinsichtlich des Koloristischen in jeder Weise gerecht geworden ist. Das kostbare Nibelungen-Werk der Reichsdruckerei lehrt uns aufs neue, welche herrlichen Blüten die Buchdruckerkunst zu ent falten vermag, wenn alle Kräfte von einem Willen beseelt sind und das höchste Ziel vor Augen haben. Ernst Kiesling. Kleine Mitteilungen Preisausschreiben. — Mit Bezug auf die Hundertjahrfeier des Todestags Schillers — 9. Mai 1805 — erläßt die Wiener Wochenschrift »Das Wissen für Alle« (Verlag der k u k. Hofbuch handlung Moritz Perles in Wien) ein Preisausschreiben für die drei besten Artikel über das Thema: »Schiller als Volksdichter». Der erste Preis beträgt hundert Kronen bar, zweiter und dritter Preis find Vücherprämien. Die Preise gelangen in jedem Fall zur Verteilung. Das Preisrichteramt hat die -Vereinigung österreichischer Hochschuldozenten» übernommen. Börienblatt für den deutschen Buchhandel. 71. Jahrgang. 1386
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