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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.03.1939
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- 1939-03-30
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- 30.03.1939
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lerischen Lehrlinge das Reifezeugnis einer höheren Schule. Das lag in den wenigsten Fällen an einem erhöhten Bildungstrieb, vielmehr an der Tatsache, daß auf dem Arbeitsmarkt die Nachfrage geringer war als das Angebot. Durch verlängerten Schulbesuch versuchten daher viele die Schwierigkeiten der Berufswahl hinauszuschieben. In den letzten Jahren hat sich das grundlegend gewandelt. So führt naturgemäß die dauernd steigende Nachfrage zu einer früheren Heranziehung aller noch nicht eingesetzten Arbeitskräfte und damit zu einer Vorverlegung der Berufswahl. Denn Berufsmöglichkeiten sind heute genügend geboten. Das bedeutet auch für den Buchhandel, der sich wie alle anderen Berufe seinen Nachwuchs im freien Wettbewerb suchen muß, daß vermutlich die Schulbildung seiner künftigen Lehr linge sinken wird. Gewiß liegt darin nicht von vornherein ein Nach teil. Denn entscheidend ist der Charakter und der Leistungswille. Das hat auch in einem ganz besonderen Maß die Freiburger Prüfung gezeigt. Der Leistungsdurchschnitt der schriftlichen wie der mündlichen Prüfung war recht gut. Es konnten daher zehn Prüflinge die Prü fung glatt bestehen, ein Lehrling war ohne Entschuldigung der Prü fung ferngeblieben. Aber trotzdem ist die geschilderte Tatsache von so großer Bedeutung, daß sie alle Aufmerksamkeit verdient. Denn wir können die fehlende Bildung nicht einfach als eine bedauerliche Un abänderlichkeit betrachten — das würde die verhängnisvollsten Fol gen für den ganzen Berufsstand haben —, sondern müssen erkennen, daß uns damit eine neue schwere Ausgabe zufällt. So muß die Lehr lingsausbildung künftig immer größere Bedeutung gewinnen. Die Hauptarbeit fällt dabei dem Lehrherrn zu und es ist notwendig, daß er sich zu seinem eigenen Nutzen immer stärker dieser Aufgabe bewußt wird. Von gleichgroßer Bedeutung wird ferner die beruss- kundliche Gemeinschaftsarbeit sein. Die Ausrichtung dieser Arbeit ist von der Reichsschule schon so entscheidend beeinflußt, daß eine Be wältigung der erhöhten Erzi-chungsaufgaben ohne sie ganz undenkbar wäre. Gerade bei den Prüfungen stoßen wir immer wieder auf die Wirkungen der Neichsfchule. Schon eine oberflächliche Betrachtung der in den Lehrlingspaß eingetragenen gelesenen Bücher zeigt, daß vor dem Besuch der Reichsschule in sehr vielen Fällen ein unsystema tisches Durcheinander herrscht. Leichteste Unterhaltungsliteratur wechselt mit spärlichem Bildungsgut. Im weitesten Sinne politische Literatur fehlt ganz. Nach dem Besuch der Neichsfchule dagegen ver raten die eingetragenen Bücher einen gewissen Plan, eine Ordnung und ein Ziel. Die großen Aufgaben des Berufes sind erkannt, man findet berufskundltches Schrifttum, auch politisches Schrifttum ist jetzt vertreten. Die Neichsfchule hat dem jungen Berufskameraden die großen Aufgaben gezeigt, die zu bewältigen sind, hat ihm überhaupt zum erstenmal das Erlebnis seines eigenen Berufes mit seinen viel fältigen Möglichkeiten und Verknüpfungen im Leben des gesamten Volkes vermittelt und ihm in vier Arbeitswochen vor allem auch das Handwerkszeug geboten, mit dem er selbständig Weiterarbeiten kann. So zeigte denn auch der Lehrlingspaß und besonders die mündliche Prüfung, daß der durch die Neichsschule gegebene Anstoß zu ziel sicherer und gründlicher Arbeit in den meisten Fällen voll ausgenutzt wurde. Wenn an diesem Punkt die Arbeit der Neichsschule durch die örtlichen berufskundlichen Arbeitsgemeinschaften fortgesührt wird, muß es gelingen, die Vorsprünge einer ausgedehnteren Schulbildung einzuholen. Daß dies bei entsprechender Unterstützung durch den Be trieb möglich ist, hat ebenfalls die Prüfung in vielen Fällen be wiesen. Bei der Beantwortung von 12 Kurzfragen, die am Anfang der mündlichen Prüfung standen und einen Querschnitt durch die Allgemeinbildung des Prüflings geben sollten, ließ sich schon nicht mehr eine Abstufung nach der genossenen Schulbildung durchführen. Die gleiche Beobachtung zeigte auch sonst die mündliche Prüfung. Für die schriftliche Prüfung wurden dem Prüfling zwei Auf gaben gestellt. Zur Auswahl der Themen wurde in weitem Maß der Lehrlingspaß herangezogen. Denn die Eintragungen im Lehrlings paß ermöglichen es dem Prüfenden, ein Bild des besonderen Ent wicklungsganges des einzelnen Prüflings zu gewinnen. Seine sorg fältige Führung liegt daher im eigenen Interesse des Lehrherrn und bildet eine wichtige Kontrolle der Ausbildung. Die gestellten Aufgaben verlangten im allgemeinen wenig Wissensstoff, dafür um so mehr Geschick und eigenes Denken und Beobachten. Die meisten schriftlichen Arbeiten waren recht gut, einige sogar vorzüglich. Auch darin zeigte sich der Einfluß der Reichsschule, die ihr Ziel darin sieht, den jungen Buchhändler so zu erziehen, daß er sich aus eigener Kraft mit den geistigen Erscheinungen unseres völkischen Lebens auseinandersetzen kann. Den Beschluß der Prüfung bildete ein fröhlicher Abend, den die Prüflinge im Kreis der Freiburger Berufskameraden verlebten und der mit seinen Liedern, Geschichten und Stegreifspielen auch diese Seite der Neichsschule noch einmal lebendig werden ließ. Ulrich Lemcke, i. Fa. C. Troemers Univ.-Buchh., Freiburg Buchhändler-Feierabend in Königsberg (Pr.) Etwa zweihundertfünfzig Königsberger Buchhändler trafen sich am 17. März im Palmensaal des Königsberger Tiergartens, um an einer fröhlichen Feicrabendveranstaltung teilzunchmen. Nach den ein leitenden Begrüßungsworten von Landesobmann Heidcnreich sprach der bekannte Tierschriftsteller Paul Eipper über seine Lehr- und Gehilfenzeit im Buchhandel, dem er fünfundzwanzig Jahre lang an gehörte. In humorvoller Weise ließ er die Freuden und Leiden eines Buchhandelslehrlings der Vorkriegszeit auferstehen, man lachte und lächelte über die reizende Beschreibung der verschiedenen verant wortungsvollen Tätigkeiten vom Scheibenwischen und Bücher- abstauben bis zum Bedienen der ausländischen Kunden, die Paul Eipper in der Fremdenverkehrsstadt Stuttgart dank seiner im Gym nasium erworbenen Sprachkenntnisse bereits im zweiten Lehrjahr be dienen durfte — ein damals unerhörter Fortschritt in der Tätigkeit des Lehrlings. Nach einigen weiteren Etappen, die ihn nach Hannover, München und wieder nach Stuttgart führten und in denen er sowohl seine Sortiments- als auch verlegerischen Kenntnisse erweiterte und vertiefte, kam er auf den Rat seiner Frau auf seine eigentliche Liebe und Begabung —die Beobachtung von Tieren und ihre Lebensbeschrei bung — zurück. So wurde aus dem Buchhändler Eipper ein bekannter und beliebter Tierschriftsteller und Tierphotograph. Nach seinen eigenen Worten war die Tätigkeit im Buchhandel, an die er stets gern zurückdenkt, eine ausgezeichnete Geduldsschule und eine hervorragende Grundlage für seinen jetzigen Beruf, da Paul Eipper seine Bücher in allen Stadien — vom Manuskript bis zum fertigen Buch — dank seiner gründlichen Buchkenntnisse zum großen Teil selbst herstellt. Anschließend an seinen Vortrag zeigte er noch einen wunderhübschen Film von der gelben Dogge Senta, die wir ja bereits aus seinem bekannten Buch kennen. Es folgte noch ein kurzer Filmstreifen vom Leben junger Hunde, und dann mußte Paul Eipper zum größten Bedauern aller Anwesenden zu einem weiteren Vortrag. — Bei Tanz und froher Geselligkeit blieben die Buchhändler noch lange beisammen, und erst am frühen Morgen gingen die letzten heim, erfüllt von dem Bewußtsein eines schön verlebten Abends. H. v. E. „Buch und Volk" — Ssterheft 1939 Die zweite Ausgabe der Buchberatungszeitschrift »Buch und Volk« soll der Osterwerbung des Buchhandels dienen. Das Heft ist ganz abgestellt auf die Zwecke der Geschenkwcrbung. Es beginnt mit einem Leitaufsatz »Im Garten der Kunst«, der eine Reihe von Kunst büchern bespricht, die »Freunden und Verehrern der Kunst eine Quelle fortwährender und ungetrübter Freude und des Genusses« sind. Diese Bücher sollen den Weg zum Kunstwerk überhaupt aufzeigen. Ihrer Ausstattung und des Inhaltes wegen werden sie sicher gerne als Ge schenke herangezogen werden. Das gilt auch für die Bücher, die die Zeitschrift in dem Beitrag »Auswahlausgaben, Sammel werke undanderes« zusammenfaßt. Es ist in den letzten Jahren viel geschrieben worden über die Neubclebung und auch die Berech tigung der Klassiker in unserer Zeit. Die Diskussion wurde eigentlich dadurch am besten beendet, daß sich eine Reihe von Verlagen daran machten, für uns brauch- und kaufbare Klassikerausgaben zu schaffen. Der Erfolg bewies die Berechtigung dieser Ausgaben und zeigte am besten die Bedeutung der Klassiker für uns. Der Aufsatz bespricht eine Reihe dieser Ausgaben und verbindet damit andere Werke aus vergangener Zeit, die in Neu- oder Sammelausgaben vorgelegt worden sind. »Eine bunte Reihe neuer Romane« führt die Bespre chungen fort. Die Auswahl hat auf die Lcsebedürfnisse des Frühlings besonders Rücksicht genommen und bringt für jeden etwas. Neue Bildbücher, die die Einheit zwischen Text- und Bildteil zeigen, werden gewürdigt, und, was uns besonders wichtig erscheint, eine lange Reihe von »Büchern für die Iugend«. Ist doch gerade die Osterzeit ein Anlaß, der Jugend Bücher in die Hand zu geben. Schulschluß und Schulbeginn bieten die vielfältigen Gelegenheiten dazu. Der Buchhändler, der neben anderen Aufgaben das Jugendbuch nicht so betreuen kann, wie er es gerne möchte, findet in dem Beitrag eine Auswahl, für die er sich einsetzen kann. Zusammenfassend bespricht das Ostcrheft von »Buch und Volk« dann eine Reihe von Büchern über den Weltkrieg, die in den letzten Monaten erschienen sind, und dann in dem Beitrag »Unterhal tendes und Besinnliches« Romane, Novellen, Erzählungen und neue Bändchen billiger Sammlungen. Der Bildschmnck des Heftes ist abwechslungsreich, Proben aus neuen Prosa- und Lyrikwerken bringen eine angenehme Unterbrechung des Bcfprechungs- und Auf satzteils. Alles in allem: jeder Buchhändler sollte dieses Heft in seiner Frühjahrswerbung für das gute Buch einsetzen. Sicher wird es ihm viel helfen und neue Leser zufllhren. —er. Nr. 76 Donnerstag, den 30. März 1939 259
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