^ S7, 28. April 1SH. Künftig erscheinende Bücher. Börsenblatt ». o. Dtschn. Buchtzanö«. 5LÜI Albert Langen Verlag für Litteratur und Kunst München In diesen Tagen werden wir folgendes Zirkular verschicken. (A Mitte Mai wird erscheinen: Max Halbe Die Tat des Dietrich Stobäus Roman Geheftet 6 Mark, in Leinen gebunden 7 Mark 50 Pf., in norwegisches Laifischleder gebunden 10 Mark ax Halbe hat sich seit einiger Zeit vom dramatischen Schaffen abgewandt und sich epische Stoffe zur Ge- staltung erwählt. Man möchte es zunächst fast bedauern; hat man aber sein schönes Novellenbuch „Der Ring des Lebens" und jetzt diesen Roman, der überdies sein erster ist, gelesen, so kommt man zu der Erkenntnis, daß es gleich ist, in welcher Kunstform ein Künstler wie Halbe seine Stoffe gestaltet; ob Bühnenwerk oder Roman, jedes Werk von ihm ist ein Gewinn für uns. So wurde auch „Die Tat des Dietrich Stobäus" ein Buch, das Freude bringt. Der Dichter der „Jugend", des „Stroms" und des Novellenbuches „Der Ring des Lebens" hat in ihm einen Liebesroman geschaffen, wie ihn in dieser psychologisch fast minutiös detaillierten und doch kompakt und groß-einheitlichen Darstellung der Hauptcharaktere, diesem glutvollen und kräftig sinnlichen Leben kaum ein anderer hätte schaffen können. Dietrich Stobäus, der komplizierte und doch nach einfacher Lebensbejahung strebende Patriziererbe, und Karola, die schöne, unruhvolle junge Schauspielerin, sind zwei Gestalten von unmittelbar deut licher Existenz, derengleichen wir in unserer Literatur nur wenige haben. Die Liebe der beiden ist ein eigenartiges, menschlich und poetisch echt konzipiertes Aus und Ab seligsten Liebesgenuffes, leichtfertiger Enttäuschungen, qualvoller Grübeleien. Mit feiner Kunst läßt der Dichter aus diesen dunklen Gedanken in Dietrich Stobäus eine Erbitterung erwachsen, deren philosophischer Ausdruck die Überzeugung von der Nichtigkeit und Gefährlichkeit dieses Weibes ist; und so folgt als letzte Konsequenz — die Tat des Dietrich Stobäus, ein Mord, der vor dem weltlichen Gericht un- gesühnt bleibt. Besonderen Reiz gibt dem Buche das kunstvolle Verweben übernatürlicher Einflüsse in die Handlung, die so überzeugend hingestellt sind, daß auch die Erscheinung des verstorbenen Ahnherrn selbstverständlich wirkt. Auf ein breites Bild städtischen, politischen oder beruflichen Lebens hat Halbe mit Absicht verzichtet; er hat seine ganze Kraft auf die Darstellung der Liebesgeschichte gerichtet und so einen feinen psychologischen Roman geschaffen, dem man ohne falschen Optimismus ungezählte Auflagen Voraussagen kann. Bezugsbedingung: in Rechnung 25°/«, bar 33'/-°/« und 7/6. Wir bitten, zu bestellen. München, 26. April 1911. o