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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.11.1913
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1913-11-29
- Erscheinungsdatum
- 29.11.1913
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- Deutsch
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277, 29. November 1913. Ferllge Büch». . / . ./ >/ > / >/ ' ^ >v-' iK «ILIIIIII1IIIIIIIIIIIIII Theodor Fontane will Sturm läuten. 18. März 1848. Fontane erzählt: In meinem Gemüt wurden plötzlich allerhand Balladen und Geschichtsremi niszenzen lebendig, dunkle Vorstellungen von der ungeheueren Macht des Sturmläutens; alles Große, so viel stand mir mit einem Male sesl, war durch Sturmläuten eingeleitet worden. Ich lief also, ohne mich lange zu besinnen, aus die nur 5V Schritt von uns entfernte Georgenkirche zu, um da mit Sturmläuten zu beginnen. Natür lich war die Kirche zu (protestantische Kirchen sind immer zu), aber das steigerte nur meinen Eifer und ließ mich Umschau halten nach einem Etwas, womit ich Wohl die stark mit Eisen be schlagene, trotzdem aber etwas altersschwach aus sehende Tür einrennen könnte. Richtig, da stand ein Holzpsahl, einer von der Art, wie man sie damals noch auf allen alten und abgelegenen Kirchplätzen fand, um eine Leine darum zu ziehen und Wäsche zu trocknen. Ich machte mich also an den Pfahl und nahm auch zu meiner Freude wahr, daß er schief stand und schon stark wackelte; trotzdem — wie manchmal ein Backzahn, den man, weil er wackelt, auch leicht unterschätzt — wollte der Pfahl nicht heraus, und nachdem ich mich ein Paar Minuten lang wie wahnsinnig mit ihm abgequält und sozusagen mein bestes Pulver (denn ich kam nachher nicht mehr zu rechter Kraft) an ihm verschossen hatte, mutzt' ich es aufgeben. Mit meinem Debüt als Sturmläuter war ich ge scheitert, so viel stand fest. Aber ach, es folgten noch weitere Scheiterungen. Disziplin der Truppen am 18. März. Prinz Hohenlohe-Jngelsingen erzählt: Die Barrikade in der Breitestraße mutzte nun doch beschossen und gestürmt werden. Dahinter war das dichtbesetzte Rathaus. Die Ausrührer schossen mit allen Arten von Gewehren, aus Kellerfenstern und Dachfenstern, mit Projektilen der verschie densten und grausamsten Art. Ein unglücklicher Soldat ward schwer verwundet durch einen Schutz Stahlfedern in den Unterleib. Unsere Leute wurden dadurch wütend. Auch Falkensteins Ver wundung hatte sie erregt. Lange genug hatten sie mit Geduld die Beleidigungen des Pöbels ertragen müssen. Oster hatten sie, ruhig dastehend, einen Hagel von Steinen ausgehalten. Die Disziplin war stark genug, um jede Vergeltung zu verhin dern, solange der Gebrauch der Waffen nicht er laubt wurde. War es doch in den letzten Tagen wiederholt vorgekommen, daß, wenn die Frech heiten des Pöbels unerträglich geworden waren, der kommandierende Offizier bei geladenen Ge wehren schon „Legt — an!" kommandiert hatte. Wenn dann der Pöbelhaufe fortlief, war statt des Kommandos „Feuer" das Kommando „Setzt — ab" erfolgt, und es war dann kein Schuß gefallen, eine Probe von Exerzierdisziplin, die selbst aus dem Exerzierplatz nicht immer gelingt. „Del Noochen!" Werner Siemens, damals Offizier der Artillerie werkstatt, erzählt als Augenzeuge vom 19. März: Es ereignete sich eine schreckliche Szene aus dem Balkon des Schlosses, auf dem die Königin in Ohnmacht niedersank, als ihr Auge auf die blutige Menge der Toten fiel, die man zu ihren Füßen aufgehäuft hatte. Dann kamen immer neue Züge mit Toten, und als der König dem Geschrei nach seinem Erscheinen nicht wieder Folge leistete, bereitete sich die begleitende, aufgeregte Menge vor, das Schloßtor zu erbrechen, um dem König auch diese Toten zu zeigen. Es war dies ein kritischer Moment, denn unfehlbar wäre es im Schlotzhofe, wo ein Bataillon zurückgehalten war, zu erneutem Kampfe gekommen, dessen Aus gang zweifelhaft erscheinen mutzte, da das übrige Militär die Stadt auf königlichen Befehl ver lassen hatte. Da kam ein Retter in der Not in der Person des jungen Fürsten Lichnowsky. Von einem in der Mitte des Schloßplatzes aufgestellten Tische aus redete er die Menge mit lauter, ver nehmlicher Stimme an. Er sagte, Se. Majestät der König habe in seiner großen Güte und Gnade dem Kampfe ein Ende gemacht, indem er alles Militär zurückgezogen und sich ganz dem Schutze der Bürger anvertraut habe. Alle Forderungen seien bewilligt, und man möge nun ruhig nach Hause gehen! Die Rede machte offenbar Ein druck. Auf die Frage aus dem Volke, ob auch wirklich alles bewilligt sei, antwortete er: „Ja, alles, meine Herren!" „Ooch det Roochen!" — er scholl eine andere Stimme. „Ja, auch das Rauchen-, war die Antwort. „Ooch im Dierjarten?« wurde weiter gefragt. „Ja, auch im Tiergarten darf geraucht werden, meine Herren." Das war durch schlagend. „Na, denn können wa ja zu Hause jehen,» hieß es überall, und in kurzer Zeit räumte die heiter gestimmte Menge den Platz. Die Geistesgegenwart, mit welcher der junge Fürst — wahrscheinlich auf eigene Verantwortung hin — die Konzession des freien Rauchens auf den Straßen der Stadt und im Tiergarten erteilte, hat vielleicht weiteres schweres Unheil verhütet. Tierarzt Urban fährt die Truppen zurück. Niemand dachte an Rückberufung und Rück kehr der Truppen in die Stadt, als bereits kaum eine halbe Stunde nach dem feierlichen Zuge des Königs durch die Stadt der Tierarzt Urban in Begleitung des Schneideramtsverwandten Eckert im Polizeipräsidiallokale erschien, und dem überraschten Polizeipräsidenten von Minutoli ein eigenhändiges Schreiben des Königs vorzeigte, folgenden Inhalts: „Auf den Wunsch des Tierarztes Urban genehmige ich sehr gern, daß derselbe die in Potsdam und Um gegend liegenden Truppen, namentlich das Kaiser Alexander-Grenadierregiment so- fort nach Berlin zurückführe. Selbstgeschrieben am 21. März 1848. Friedrich Wilhelm. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 80. Jahrgang. 1703
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