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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.04.1887
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- 1887-04-13
- Erscheinungsdatum
- 13.04.1887
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- Deutsch
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1911 8ä, 13. April 1867. Nichtamtlicher Teil. Sie erinnert mehr an eine panegyrische Festrede als an eine geschichtliche Untersuchung. So voreilig und ungerecht gewißlich das Urteil derjenigen ist, welche Gutenberg nur als einen Projekten macher und Schösser als den eigentlichen Schöpfer der Typo graphie betrachtet wissen wollen, so schwierig ist es doch, die Ansicht Kapps (v. d. Lindes) ganz zu teilen, Gutenberg sei, als er an die Erfindung herantrat, »ein hervorragender Techniker, ein wirklicher Künstler und ein in seiner Bildung bereits fertiger Mensch gewesen, der mit geistigem Können eine gründliche Be herrschung der technischen Einzelheiten vereinigte« (S. 53). Eher geht ans der Erfindungsgeschichte hervor, daß Gutenberg ein genial angelegter, rastlos sinnender und in die Zukunft blickender Kopf gewesen, daß er die erforderliche Zähigkeit, den einmal gefaßten Gedanken unbekümmert um die sich häufenden Schwierigkeiten durch alle Phasen festzuhalten, besaß, daß ihm jedoch gerade »die Beherrschung des technischen Details« fehlte. Dies scheint be sonders aus der Straßburger Periode hervorzugehen, und dieser Mangel dürfte es namentlich gewesen sein, der Gutenberg um den Lohn seiner Anstrengungen brachte. Daß er, wie Kapp sagt, »eben keine Zeit hatte, Geld zu verdienen; er hatte viel Besseres zu thun« (S. 57), mag edel gedacht sein, stimmt aber nicht mit dem weiteren Ausspruch: »daß Gutenberg als spekulativer Kopf sehr gut ein gewinnbringendes Geschäft zu würdigen weiß, beweist die Spiegelanfertigung für die Aachener Heiligtumsfahrt«. Ebensowenig stichhaltig ist die Reinigung Gutenbergs von dem ihm öfters zugeschriebenen leichten Sinn in Geldangelegenheiten. »Daß er, wenn er auf Kredit kaufte, um sich bar Geld zu schaffen, recht wohl weiß, solche Artikel zu wählen, welche eine solche Operation mit dem geringsten Schaden ermöglichten«, ist doch gar zu sehr nach der Schablone eines heutigen geschulten Spekulanten und Geldmachers gedacht und paßt nicht auf den Idealisten, welcher »Besseres zu thun hat, als Geld zu verdienen«. In diesem Punkte ist Herr Kapp ebensowenig ein guter Advokat Gutenbergs als van der Linde. Wer gar zu viel und mehr als nötig beweisen will, schädigt den schuldlosen Klienten, statt ihm zu nützen. Herr v. d. Linde ist vielleicht von dem turmhohen Standpunkt, den er in der Gutenbergfrage einmal eingenommen hat, eher zu diesem Vorgehen gezwungen; Kapp hatte jedoch das Recht, auf dem festen Boden zu verharren. Eröffnen sich nicht neue Quellen, die größere Klarheit über den Erfinder und dessen Geschichte bringen, z. B. über die Gründe, die ihn bewogen, sich nie als Drucker zu nennen, so thun die Ver ehrer Gutenbergs am besten, sich an das zu halten, was wir als unumstößlich betrachten können, daß die Ehre der Er findung in ihrer ganzen Ausdehnung ihm gehört und daß in dem, was wir von ihm wissen, nichts enthalten ist, was uns zwänge, seiner nicht in ungetrübter Liebe und Dankbarkeit, als eines der größten Wohlthäter der Menschheit, als eines der bedeutendsten Söhne Deutschlands zu gedenken. Für alles, was Herr v. d. Linde gethan hat, um an der Hand der Geschichte diese zwei Punkte festzustcllen, hat er Anspruch auf allgemeinste Anerkennung. Vermutungen und dichterische Kombinationen jedoch helfen uns nicht allein nicht weiter, sondern geben zu Kontro versen Anlaß; sie hätten v. d. Lindes Werk ferne bleiben sollen, das sich die hohe Aufgabe stellte, jeden Gutenbergsstreit endgiltig zu schlichten. Bei der erwähnten Ausführlichkeit einzelner Partieen ist es schwer, die auffällige Kürze zu verstehen, mit welcher Kapp die Schicksale Gutenbergs in Mainz und die dortigen frühesten Druck erzeugnisse behandelt. Der nicht im voraus Orientierte bleibt dadurch über manches vollständig ununterrichtet. Ging Kapp von der Voraussetzung ans, dies sei alles schon bekannt, so mußte das ja auch für die frühere Periode gelten. Die 36- und 42-zeilige Bibel, sowie das Katholikon werden nur gestreift. Daß Kapp sich der Vermutungen über das Entstehen der 36- zeiligen Bibel enthält, wird jeder billigen, aber d a ist das Buch doch und hätte wenigstens Seite 81 Erwähnung finden müssen bei der Aufzählung der Werke, die teils Gutenberg, teils Pfister zugeschrieben werden, »von denen man aber nichts andres sagen kann, als sie seien »Drucke mit Pfisterschen Typen«. Was Kapp, im allgemeinen sowohl als im speziellen in Bezug auf das Psalterium, »über die mustergiltige Abrundung, Reife und Vollendung« der früheren Erzeugnisse und die ge ringen Fortschritte der späteren Zeit sagt, geht nicht über die üblichen Bemerkungen hinaus, die Einer wie der Andere, ohne eigene Kritik zu üben, wiederholt, und ohne zu bedenken, ob man nicht hier, wie bei der Charakteristik Gutenbergs, durch die Über treibung schadet. Uns kommt es fast vor, als ginge Kapp etwas weiter, als seine innigste Überzeugung ihn führt, und als gäbe er mitunter der Zcitströmung zu sehr nach. Es ist, als atmete er erst recht frei auf, indem er aus dem Nebel der Erfindungs periode in das hellere Licht der wirklichen Geschichte eintritt. Wir folgen ihm deshalb um so lieber durch die folgenden Ka pitel, in welchen er seiner eigentlichen Aufgabe näher tritt; denn in der geschäftlichen Thätigkeit Fusts und Schössers, namentlich in der des letzteren, »zeigen sich bereits die Grundlinien, auf denen der deutsche Verlags- und Sortimentsbuchhandel sich in der Folge weiter entwickelte: Auswahl der zu veröffentlichenden Werke unter bestimmter Rücksichtnahme auf das Bedürfnis und die Bildung der Käufer; Besorgung von Druckaufträgen auf Kosten Dritter; Ausdehnung des Geschäfts durch Errichtung von Filialen, nicht bloß in Deutschland, sondern auch im Auslande; Verbindung des Sortimentshandels mit dem Verlag; Besuch der Frankfurter Messe; öffentliche Ankündigung der Verlagsartikel mit einer viel fach an Marktschreierei grenzenden Reklame und endlich Schädi gung der Konkurrenten durch Nachdruck (S. 76).« Eine kurze und bündige Charakteristik, jedoch nicht ohne einen herben Beigeschmack, wenn Marktschreierei und Schädigung der Konkurrenten ohne weiteres zu den Grundlinien gezählt werden müssen, auf welchen sich der Buchhandel weiter entwickelte. In dem zweiten Kapitel schildert Kapp sehr treffend, wie die Buchdruckerkunst, gleich der eigentlichen Kunst, nicht in den Resi denz- und Universitätsstädten, sondern in den Sitzen des freien Bürgertums Fuß faßte, deren tüchtige, von sittlicher Gesinnung erfüllte freie Männer mit ihrem bereichernden Weliverkehr, ihrem Kunstsinn und ihrer Bildung den kleinen Landesherren, den rohen Junkern und wenig gebildeten Geistlichen nicht nur materiell, sondern auch geistig überlegen waren. So sehen wir die Buch druckerei in Straßburg, Köln, Basel, Augsburg, Nürnberg, Leipzig, Venedig, Lyon u. s. w. rasch sich einbürgern und aufblühen, in Bamberg dagegen nur sporadisch, durch eine Persönlichkeit ge trogen, auftreten, und auch in Mainz selbst rasch mit der sinken den Verkehrsbedeutung der Stadt so gut wie verschwinden; denn außer durch den Erfinder und durch Fust und Schösser macht sich dort kein bewegender Einfluß geltend. Der Thätigkeit Schössers widmet Kapp zwar eine ausführ lichere, aber nicht sehr schmeichelhafte Schilderung, und sein Urteil ist offenbar viel härter als notwendig. Allerdings war Schösser kein Aldus, Deutschland aber auch kein Italien, wo dichterische wie bildende Kunst, Wissenschaften und klassische Gelehrsamkeit bereits blühten und die neue Kunst trugen. Wenn Schösser bloß einen Klassiker druckte, resp. nachdruckte, so fällt die Schuld wohl auf den ganzen Kulturzustand Deutschlands; wäre der Boden bereits zu Schössers Zeit so vorbereitet gewesen, wie in Italien, hätte er die geistigen Kräfte neben sich gehabt, wie sie später den Aldus und Froben zu Gebote standen, so würde er, auch »wenn er kaum lateinisch schreiben, griechisch nicht einmal lesen konnte,« wohl auch andere Werke unternommen haben. Das erste Druck werk des Aldus stammt aus dem Jahre 1495, zu welcher Zeit Schösser seine Thätigkeit so gut wie ganz eingestellt, Froben die seinige eben angefangen hatte. Das Schaffen Schössers, wollen wir dieses auch nur von dem Erscheinen des Psalteriums ab datieren, fing mehr als ein Menschenalter früher an und ein solcher Zeitraum wog schwer in den Anfängen der neuen Kunst.
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