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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.08.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-08-17
- Erscheinungsdatum
- 17.08.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1920
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Redaktioneller Teil. Leipziger Briefe. m. (II siehe Nr. 94.) Seit Erscheinen des letzten Leipziger Brieses — er war eine Art Willkommengruß für die Kantate-Festgäste — ist manch Tröpflein Wasser die Pleiße hinabgeflossen. Ernste fachliche Ab handlungen und wichtige Vereinsberichte gestatteten nur wenig Raum für derartige Berichte. Die Zeiten sind schwer für unseren lieben deutschen Buchhandel, und die Zukunft ist trüb. Man kann den unter dem Titel »Wirtschaftliche Aussichten des deut schen Buchhandels* in der Weltwirtschafts-Zeitung (Nr. 31 vorn 28. Juli 1920) erschienenen Ausführungen von Geheimrat Karl Siegismund nur beipflichten, in denen die Schwierigkeiten der Büchererzeugung, die Absatzmöglichkeiten, der Absatz ins Ausland, die Vernichtung des Betriebskapitals durch die Geldentwertung und manche andere Dinge ausführlich und mit Rücksicht auf die nächste Zukunft mit wenig Optimismus be sprochen werden. Es ist kein angenehmes Gefühl, erst recht nicht für tatkräftige Menschen, wehrlos wie der Bergwanderer oer La wine, dem verhängnisvollen Lauf der Dinge preisgegeben zu sein. Gleichwohl müssen wir bei alledem unsere Nerven behalten. Man fühlt in der Metropole des deutschen Buchhandels, tote sehr es im Berufe kriselt, wie sich die Gegensätze zuspitzcn und zur Entscheidung drängen. Niemals war aber auch innere Einigkeit so notwendig wie heute. Hoffen wir also, daß es den aus Aus gleich und Versöhnung hinarbeitenden Mächten gelingen wird, den Frieden im Buchhandel, der uns so notwendig ist, zu erhalten. Unter diesen Umständen würden wir uns nur der Schön färberei schuldig machen, wenn wir behaupten wollten, daß die im Anmarsch befindliche Herbstmesse etwas Entscheidendes zur Besserung der allgemeinen Lage beizutragen vermöchte. Zum guten Gelingen der Leipziger Mustermesse ge hören zwei Arten von Meßgästen: Aussteller und Einkäufer. Auf den letzten Messen war der Ein käufer in ein merkwürdiges Abhängigkeitsverhältnis zum Aus steller geraten: vielfach mußte er froh sein, wenn er überhaupt Ware bestellen konnte. Diese Diktatur des Erzeugers dürfte auf der kommenden Messe ihr Ende finden. Der Einkäufer nimmt das ihm entrissene Heft erneut in die Hand. Aber das Anormale der Lage hat nur den Pol gewechselt. Die mangelnde Kauflust des Publikums dürfte die Einkäufer zu einer möglicherweise noch nie gesehenm Zurückhaltung veranlassen. Vielleicht führt das Ausland, dem der Zutritt zum deutschen Markt immer mehr durch günstigere Verkehrsverhältnisse erschlossen wird, einen Ausgleich herbei. Unter diesen Umständen darf man sehr gespannt sein, wie sich die Herbst-Mustermesse entwickeln wird. Mögen wir für Handelszweige, die uns sernstehen, die Lage vielleicht etwas zu schwarz sehen, so besteht unseres Erachtens nicht allzuviel Hoffnung, daß das allgemeine Ergebnis der Bü - chermesse im Bugrahause sehr befriedigen wird. Einer seits werden heute weniger Bücher gekauft, andrerseits sind die Lager reichlich gefüllt. Möglicherweise wird der Verkauf von Neuigkeiten durch die Aufhebung des Teuerungszuschlages ungün stig beeinflußt werden. Während das Buch erst am 29. August in die Räume des Bugra-Meßhauses wieder seinen allgemeinen Einzug hält, findet an diesem Orte im Verlauf der Technischen Messe vom 15.—21. August eine von buchhändlerischer Seite ge leitete Hygiene-Messe statt, der auch eine besondere Abteilung für Fachliteratur angegliedert ist. Ein neues und sehr schönes Meßlokal für Bücher ist in der Windmühlenstratze 49 eröffnet worden. Es trägt den Namen »Wuba« und ist von unserem rührigen Kollegen Rainer Wunderlich eingerichtet worden. Ist die Bezeichnung »Wunderlichs Buchausstellung« nicht besser als die Abkürzung, die stark an eine sehr berechtigte kleine Satire in der Münchner Jugend erinnert, wo derartige Reklamebezeichnun gen unter dem Titel »Maufau« (Maulfaulheit) in köstlicher Weise verspottet werden? Hier soll in einem größeren Raum auch dem Dichter Gelegenheit gegeben werden, zum Publikum durch Vor lesen seiner Werke selbst zu sprechen; dem Künstler, sein Schaf fen in Sonderausstellungen zu zeigen. Eine augenblicklich dort veranstaltete Ausstellung einer Auswahl von Büchern, die dem Publikum in übersichtlicher Weise Gelegenheit gibt, hervorragend gut ausgestattete Bücher zu verhältnismäßig billigen Preisen zu erwerben, schließt am 19. August ihre Pforten, um die Räume für die Messe freizumachen. Trotz allem Pessimismus, der sich uns bei der Betrachtung dieser Dinge ausdröngt, wäre es verkehrt, eine in ihrer Art geradezu ideale Werbegelegenheit etwa mit der gleichen Schnel ligkeit abbauen zu wollen wie den Teuerungszuschlag. Die Not wendigkeit, die Ware zu zeigen, besteht auch in schlechten Zeiten. Und hier erst recht. Das gilt durchaus auch für das Buch. Die guten Werbegelegenheiten müssen erhalten bleiben, schon des halb, weil es verkehrt wäre, ihren Wert nur nach Augenblicks- Wirkungen und nach Zahlen in den Auftragsbüchern zu bemessen. Die Eindringlichkeit einer guten, an gleicher Stelle dauernd und gleichmäßig wirkenden Metzausstellung übt unter Umständen recht wertvolle Nach- und Fernwirkungen aus. Können wir mit Sicherheit auf eine starke Beteiligung des Verlagsbuchhandels rechnen, so möchten wir wünschen, datz seine Mühewaltung durch das Erscheinen recht zahlreicher Einkäufer aus dem Sortiment auch hinreichend belohnt werde. Ein Aussteller-Ver zeichnis wird ebenso wie bereits zur Oster - Bugramesse im Börsenblatt nicht mehr erscheinen, sondern von der Geschäfts stelle des Deutschen Buchgewerbevereins (Buchgewerbehaus) her ausgegeben. über den Verlauf der Messe wird dagegen in der üblichen Weise berichtet werden. Einer der grötzten Söhne unserer Stadt ist am 4. Juli heim gegangen, MaxKlinger,der grotze Graphiker, Bildner und Maler. Die Trauer um ihn wird durch den Trost gemildert, daß die Hauptwerke des Künstlers sich in Leipzig befinden, und daß er in seinen Schöpfungen hier in einer Stärke weiterlebt — man denke nur an seinen Beethoven —, die das Leipziger Städtische Museum zum Wallfahrtsort aller Kunstjünger und Kunstfreunde gemacht hat. Wenn der Berufsgenosse einmal das merkantile geräuschvolle Treiben der Messe verlassen und einen stillen Platz der Ruhe und Andacht, der inneren Sammlung suchen will, so scheue er nicht den kleinen Weg und betrete den lichten Kuppel« S7S
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