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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.08.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-08-17
- Erscheinungsdatum
- 17.08.1920
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- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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«MlenAalt s. l>. Sdtjch». Buchhandrl. Redaktioneller Teil. 183, 17. August 1920. raum, in dem ein Unsterblicher einem Unsterblichen ein unver gängliches Denkmal errichtet hat. Die Firma Alfred Lorentz zeigte aus Anlaß von Klingers Tod im Schaufenster ihres Son derraumes »Das schöne Buch« eine Gruppe von Werken des Künstlers (Mappen) und Werke über ihn, angeordnet um ein Porträt in der Mitte. — An anderen Kunstgenüssen wird es in den Meßtagen auch nicht fehlen. Was das Theater anbetrifft, so sind aus dem Leserkreise des Börsenblattes Beschwerden dar über eingegangen, daß man in der Metzzeit zum Leidwesen vieler deutscher Metzbesucher die deutsche Kunst zugunsten des Auslandes auffällig vernachlässige. In der Tat ist der Zeit punkt für eine solche Bevorzugung der denkbar ungünstigste. Der Deutsche lechzt ganz gewitz nicht nach französischen und italieni schen Opern, und der Ausländer wird wahrscheinlich sehr wenig entzückt davon sein, datz er seine ihm längst vertrauten Lands leute auf den Leipziger Bühnen wiederfindet. Wir erinnern uns, datz man früher stärkere Rücksicht aus die Ereignisse nahm. An irgend einem Kantatesonntag vor dem Kriege dirigierte Richard Straub seine Oper »Salome« mit Aline Landen in der Titelrolle. Das war nicht nur ein Ereignis, sondern ein Er lebnis ! Eine kleine, von der Bibliothek des Börsenvereins veran staltete Sonderausstellung hat leider inzwischen ihre Pforten ge schlossen. Die Entwicklung des Katalogwesens, der Bibliogra phie und Bücherstatistik wurde in überaus anschaulicher Mise an zum Teil erlesenen Gegenständen, Handschriften, alten Drucken, i Porträts und anderen Bildern, Katalogen usw. gezeigt. Die Geschichte des Metzkataloges, die Einwirkung kaiserlicher und klerikaler Einflüsse, der Zensur war sehr gut veranschaulicht. Dann die weitere Entwicklung der Bibliographie und besonders der Statistik, die in der Bibliothek ganz unvergleichliches, zum Teil handschriftliches Material besitzt. Ein Bild deutscher geisti ger Arbeitsleistung zog, in engen Rahmen gefaßt, an uns vor über. Leider kam die Ausstellung in dem Magazin der Biblio thek nicht recht zur Geltung. Für die wenigen Besucher, für die sie sich erschloß, wurde sie dafür aber zu einem desto reineren Genuß. Vielleicht bietet sich später einmal günstigere Gelegen heit, die in der Bibliothek des Börsenvereins ruhenden Schätze für weitere Kreise auf solche Art lebendiger zu machen. ? l s c s t o r. Vuchhändlerische Neiseeindrücke. Von Waller Möller in Oranienburg b. Berlin. Ostelbien — das Wort hatte früher einen leicht komisch wir kenden Beigeschmack. Ich besinne mich noch recht gut auf die Äußerung meines Bielefelder Chefs, als ich damals mein Bün del schnürte, um nach Tilsit zu dampfen: »Es ist ganz gut, wenn Sie den Osten einmal kennen lernen, aber nach Weihnachten zu den Ostermcßarbeiten sind Sie wieder bei mir«. Diese Worte fielen am 1. Oktober, die »Entdeckungsreise« und das »Gast spiel«, wie meine westfälischen Kollegen sich äußerten, dauerte Jahre. Damals schon spürte man nichts von einem »Abseits aller Kultur«, wenigstens in den Städten des Ostens. Vorträge, Sinsoniekonzerte und ein gutes Stadttheater, in denen der junge Buchhändler so manche Gastspielgrötze sehen konnte, für die ihm später in der Großstadt die Eintrittspreise zu olympisch waren, boten bildenden Genuß, und der gute Mittelstand als Haupt- träger der Kultur war überall reichlich vertreten und öffnete mit echt ostpreutzischer Gastfreundschaft auch dem jungen Mann aus dem Buchladen seine Heime. Wie anders in mancher westlichen Industriestadt, wo gerade der junge Buchhändler oft auf einen sehr kleinen Verkehrskreis angewiesen ist, denn die Zehntausende der Arbeiter interessieren sich noch immer, von vielen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, mehr für Politik als für andere kul turelle Werte. Die Paar Jndustriegrößen aber waren wenigstens früher nur selten daheim. Wenn man nun nach Jahren wieder halb von Geschäfts wegen, halb aus freundschaftlichen Gefühlen den durch den Pol-! Nischen Korridor — auf wie lange noch? — getrennten Ostens aufsncht, erfreut sich Auge und Herz an der Arbeit, die dort ge-! te.stel worden ist. Möglich, daß zuerst der Magen leiden mutz, wenn die Seereise von Swinemünde nach Pillau statt 15 Stunden auf heftig schlingerndem Schiff mit Maschinenhavarie und all gemeiner Seekrankheit noch einen Teuerungszuschlag von bei nahe 7 Stunden beansprucht. Fährt man dann aber mit dem Zug durch die grünen Weiden mit den schwarzbunten Herden, den weiten Kornfeldern und erblickt an Stelle der durch den Krieg vernichteten, teils recht armseligen Katen die schmucken Gehöfte mit den freundlichen roten Ziegeldächern, geht man endlich durch die sauberen Straßen zu dem belebten Marktplatz, dann ermißt man erst, welch tüchtiges, schaffendes und ausbauendes Volk im alten Preutzenlande wohnt, und wie schnell freudige Arbeit die Wunden des Krieges vernarben läßt. Ich will nicht von den Fleisch- und Fettportionen sprechen, die auf dem Tisch standen, überall wo man zu Gaste war, um so lebhafter aber bedauern, daß die Kontrolle durch den Korridor so gut wie nichts an raren Nahrungsmitteln durchlätzt, wobei ich jedoch den polnischen Be amten das Zeugnis größter Höflichkeit ausstellen muß. Mir kamen die letzten Abstimmler entgegen. Mit leuchten den Augen nahmen sie wieder von der alten .Heimat Abschied, und wenn sie von den Tagen der Abstimmung sprachen, von deutschen Liedern, Musik und Freundesarmen, die sie empfingen und ihr Bestes gaben, um die Tage festlich zu gestalten, dann wurde ihre Sprache warm, und manche Hand streifte noch einmal ganz rasch und leise über die nun schon welkraschelnden Girlan- i den und deutschen Farben der Fahnen und Fähnchen. Man sagt, auch in Oberschlesien sei dieses Deutschgefühl mächtig emporge flammt, selbst bei Leuten, die dem roten Internationalismus und dem Parteikram nicht genug Lob spenden konnten; auch jeder Brief, den ich aus dem Saargebiet erhalte, spricht von heißer Liebe zur deutschen Heimat und Volkseinheit. Wollen egoistische und ehrgeizige Parieiler im Innern unseres Vaterlandes noch immer nichts von den Brüdern der Grenzlande lernen und cin- sehen, daß es ums Ganze geht und die Einigkeit in unserm Deutschland über dem Parteigezänk stehen muß? Doch da bin ich unversehens in die Politik hineingeraten und wollte eigentlich über einige buchhändlerische Reiseerfahrungen plaudern. Im allgemeinen ist man überall mit dem Geschäftsgang in den Sortimenten zufrieden. Gewiß, es ist stiller geworden, Um sätze wie in den ersten drei Monaten des Jahres werden nicht mehr erzielt; doch klagt kein Kollege über eine solche »saure Gur kenzeit«, wie sie stets in den Sommermonaten vor dem Kriege eintrat. Man hegt daher auch allgemein die Hoffnung, daß die Liebe zum Buch auch in früher fernstehenden Kreisen selbst in anscheinend noch kommenden schweren Zeiten nicht mehr ganz verlöschen wird. Freilich der Käuferkreis ist ein anderer ge worden oder hat eine wesentlich breitere Grundlage bekommen. Während die Kaufkraft der Gelehrtenkreise im gleichen Maße nachgelassen hat, wie deren Einkünfte hinter den Löhnen für körperliche Arbeiter zurückblieben, und die Bücherpreise anzogen, ist die Nachfrage nach volkstümlichen Schriften ganz erheblich auf allen Gebieten gestiegen. Leute, die früher kaum einen Blick in die Auslage taten, gehören heute zu den regelmäßigen Gästen des Sortimenters. Man findet daher selten noch so ganz konservative Kollegen, die sich dieser Erkenntnis verschließen. Universitätsbuchhandlun gen, die zum Beispiel früher für die volkstümlich-wissenschaft lichen Werke meines Verlages überhaupt nicht in Frage kamen oder sich lediglich darauf beschränkten, ein Buch auf Bestellung zu besorgen, gaben jetzt bereitwillig große Aufträge und erzielen entsprechende Umsätze. Ein weitbekannter und liebenswürdiger Kollege bemerkte mir gegenüber sehr richtig: »Wenn alle unsere Buchhändler es gelernt haben, täglich eine halbe Stunde weniger ins Tintenfaß, dafür aber mit regem Interesse in die Welt hin einzublicken, würde vieles noch besser sein!« Hier ein Fenster Heimatliteratur für die Abstimmler, dort Landwirtschaftliches für die Märktebesucher und Landwirte, die zwischen Saat und Ernte häufiger in die Stadt kommen, Reise lektüre und überall Ganghoser mit der Todesnachricht. Das alles zeugt für Aufmerksamkeit und Interesse den Vorgängen
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