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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.05.1879
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1879-05-07
- Erscheinungsdatum
- 07.05.1879
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- Deutsch
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104, 7. Mau Nichtamtlicher Theil. 1795 ehrliche Sortimenter steht. Die Uebermacht des Kapitals wird sich auch auf dieser geebneten Basis noch fühlbar genug machen. Haben wir hier die Gründe aufgezählt, die dem Verleger die Erhaltung des Kleinsortimenters nahe legen, so wird es am Platze sein, auch die Gründe zu berühren, die den Verleger ermüden und ihn den vorthcilhasteren Verkehr mit dem Groß- sortimcnter vorziehen lassen. Ist die Nothwendigkeit einer unverhältnißmäßig großen Auflage ein Nachtheil für das Buch selbst und seinen Verleger, so ist für letzteren die Erstellung von Conti sür jede kleine Buch handlung, sei sie in einem zu unbedeutenden Landstädtchen etablirt oder ein überflüssiges Anhängsel an die Collegenschast einer größeren Stadt, eine eigentliche Widerwärtigkeit und das Zurück drängen dieses Uebcrflusses, dieser ungesunden Concurrenz ein Act der Nothwehr. Es kann keinem Verleger übel gedeutet werden, wenn er sein Zutrauen an einen engeren Kreis von College» knüpft. Wie häufig sind Buchhandlungen in Städtchen von 2—3000 Einwohnern, wo mit Hilfe einer Papeteriehand lung eine kümmerliche Existenz gefristet wird! Nichts desto weniger treffen Verlangzettel ein für Bücher, wo der betreffende höchstens einen oder zwei Käufer haben kann, von welchen jeder nur für einen entsprechenden Betrag kaufen kann. Aus diesem Feld der buchhändlerischen Arbeit wird noch ein ganz bedeutender Luxus getriehen. Wer will es aber dem Verleger übel nehmen, wenn er die Lust verliert, seine Artikel im Reich spazieren fahren zu lassen, besonders wenn er weiß, daß sie durch einen thätigen Sortimenter in der Nachbarstadt auch in der Umgebung gehörig vertrieben werden! Wer sich also in einen so engen Wirkungs kreis hineinsetzt, möge auch die Konsequenzen tragen und sich nicht wundern, wenn er auf die Stufe des vermittelnden Buch binders herabgedrückt wird. Es ist indessen noch nicht alles, was der Verleger dabei zu leiden hat, wenn er ein Conto eröffnen muß: das Conto soll auch alljährlich abgeschlossen werden. Hat sein Verlag zwingende Artikel, das will heißen unentbehrliche, die der betreffende Sor timenter haben muß und die ihn nöthigen, Ordnung zu halten, so bringt er einen Abschluß fertig. Ist dies nicht der Fall, so ist der Mißbrauch in allen Formen Trumpf. Man lese die dies jährige Remittendeufactur einer kleineren Verlagshandlung, um zu sehen, gegen welche Uebelstände ein wenig günstig gestellter Verleger sich zu wehren hat. Zur gefälligen Beachtung. — Gegenüber dem oon viele» Firme» beliebten Verfahren, kleinere Verleger nicht nach den Gesetzen des Rechts und der Billigkeit, sondern nach eigenem Gutdünken zu be handeln: die Vorschriften der Remittendensactur unbeachtet zu lassen — Artikel unberechtigt zu remittiren oder zu disponiren —dieRemittenden wochenlang nach der Ostermesse zu schicken — Aufforderungen zur Re mission zu ignoriren, resp. geschehenes Zurückverlangen abzuleugnen — die Rücknahme von Büchern und besonders Karten zuzumuthen, von welchen seit lange neue Auslagen erschienen sind — die Abrechnung erst nach der Ostermesse zu machen, so daß Reklamationen unmöglich vorher zu erledigen sind —Ueberträge zu machen, die wir nie gestatten, weil wir selbst uns anderen Firmen gegenüber keine solche erlauben — blind zu disponireu — jedes Jahr sich dasselbe durch specisicirte Aus züge beweisen zu lasse», ohne je Antwort daraus zu geben — kleine Saldi nicht zu bezahlen — sehen wir uns zu der stricte» Erklärung veranlaßt, daß wir auf den weiteren Verkehr mit solchen Handlungen verzichten und denselben nur »och baar liefern werden. Diese Sünden werden nicht nur von kleinen Firmen be gangen, cs finden sich ganz angesehene Sortimentshandlungen, welche kleinere Conti unabgeschlossen lassen, bis sie dieselben ordnen müssen, weil der betreffende Verleger an Bedeutung zu genommen hat. Erst seit Existenz des Freien Verlegervereins ist in dieser Beziehung Besserung eingetreten dadurch, daß die Beeinträchtigten die Hauptübelthäter kennen lernten und den Verkehr mit ihnen abbrachen. Wie viel Saldoreste schleppen sich bei kleineren Verlegern trotz alledem von Abschlußbuch zu Abschlußbuch! Die Firmen der Schuldner finden sich von Jahr zu Jahr in Schulz' Adreßbuch wieder, aber zahlen! das fällt ihnen nicht ein. Wer will unter solchen Umständen den Verleger tadeln, der es vorzieht, sein Glück mit vermehrten Ausgaben sür Ankün digung in Verbindung mit baar zahlenden Großsortimentern zu versuchen? Die Arbeit ist viel geringer und das Gewinnresultat unter den jetzigen Verhältnissen gewiß nicht unter demjenigen, das ihm der Verkehr der Kleinsortimenter bietet. Ziehen wir serner in Betracht, welch völlig unkaufmänuische Einrichtung, der lange Credit (Minimum 4, Maximum 16 Monate, für Süddeutschland 5 und 17, sür die Schweiz gar Ks4 und 18H Monate) der Thätigkeit unserer Verleger hemmend im Wege steht! Welchen Verlust repräsentiren nur die verlorenen Zinsen und die auf Zeit begrabenen Capitalien! Es kommt aber auch die Ungewißheit über das Schicksal eines Vcrlags- kindes hinzu. 16 Monate Ungewißheit über die Gangbarkeit eines Buches! Dann kommen die Remittenden und mit ihnen alle diese vernachlässigten Geisteskinder in Hellem Hausen zurück. Bei vielen ist der günstige Zeitpunkt, ihnen aus die Strümpfe zu helfen, verpaßt. Bei einem jüngeren Verleger, welcher mit Lebhaftigkeit ins Feuer gegangen ist, ein bedenkliches Moment! Bei schnellerer Abwicklung der Geschäfte würde er sich mit aller Macht daran gemacht haben, das Unternommene im Auge zu behalten, zu fördern, ehe er an Neues dachte. So wie die Sache jetzt liegt, muß er sich nach einem Jahr besinnen, ob er überhaupt das unrentable Unternehmen weiter führen will. Ge wöhnlich ist die Folge, daß der Mann Geld braucht und hieraus wieder die Folge, daß er sich umsieht, wer ihm in dieser Ver legenheit helfen kann? Da steht der moderne Antiquar, das Großsortiment als rettender Engel. Der 1. Engel hilft, aber wie! Die Verlagsartikel wandern in etwas weniger glänzendem Aeußeren diesem zu. Billiger geworden, finden sie noch ihre Verehrer, ihr guter Ruf ist aber sür immer dahin, der gewöhnliche Sortimenter kann solche onlaots xorckus nicht mehr zulassen. Unrecht wäre es, sür diese Erscheinungen nur den langen Credit verantwort lich zu machen; ein wesentlicher Factor dabei bleibt er doch. In Zeiten der Krisis kommt hinzu, daß der Verleger harmlos das Conto eines bereits aus schwachen Füßen stehenden Sortimenters speist. Wenn auch leise Andeutungen fallen, Ge wißheit erhält er erst, wenn der Betreffende an der Ostermesse seine Saldi unbezahlt gelassen hat, dann ist es aber zu spät, die Früchte eines ganzen Jahres, die er von diesem Baum ernten wollte, sind dahin. Unbegreiflich ist es, daß es noch so viele Sortimenter gibt, welche gerade in diesem Punkt nicht zur Ueberzeugung kommen wollen, daß der Verleger eine völlig gerechtfertigte Forderung stellt, wenn er auf Abstellung dieses Uebelstandes dringt. Es gibt Viele, welche grundsätzlich für einen Verlagsartikel sich nicht verwenden, den sie mit 25 U baar bezahlen müssen und wenn der gute Erfolg alle Wahrscheinlichkeit sür sich hat. Man muthe doch dem Verleger nicht zu, immer und immer den Gutmüthigcn zu spielen! Der Großsortimenter ist darauf eingerichtet, ihm alle diese Missren zu ersparen. Er bezieht in Partieen und bezahlt sür seine Begünstigungen mit baarem Geld. Was also Gutes aus den Markt kommt, ist bei ihm zu haben, aus das Mittelmäßige und Schlechte verzichtet er. Ein allgemein drückender Uebelstand entzieht sich unseren Betrachtungen. Gegen die fürchterlich wuchernde Ueberproduction ist kein Kraut gewachsen, als die Zeit, welche allein heilend wirken kann.
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