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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.04.1839
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1839-04-27
- Erscheinungsdatum
- 27.04.1839
- Sprache
- Deutsch
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867 38 868 nachtheilig auf das Geschäft Wicken? Gewiß nicht. Bücher, die im Großen auf das Geschäft Einfluß haben, sind die gangbaren, die tüchtigen, die sich ihren Absatz schnell er zwingen, und diese setzt kein Verleger im Preise herab, wenn nicht aus besonderen Gründen, die Hr. vr. S. selbst rechtfertigt. Von derselben Wirkung aber, wie die Preisherabsetzun gen, müssen sich wohlfeile neue Ausgaben erweisen; dies gilt von den gangbaren Büchern, und hier stoßen wir in der That auf eine wunde Stelle, die den Buchhandel schmerzt, für die wir aber kein Heilmittel wissen. Hr. v>. S. erkennt die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der billigen Original-Ausgaben (B.-Bl S. 238) an; sollte derselbe nicht zugebcn, daß alle die Uebel, die mit den Preisherab setzungen verbunden sind, hier im höheren Grade Statt finden? Der Nachdruck und das System der Preisherabsetzungen ohne Noch sind daher, unserer Ucberzeugung nach, Uebel, nicht aber die Gcundübel des Deutschen Buchhandels. Worin diese nach unserer Ansicht zu suchen sind, erlauben wir uns, hier kurz anzudeuten. Es ist erstlich nicht zu verkennen, da nicht im Buch handel allein über Verfall des Geschäfts geklagt wird, viel mehr diese Klage mit mehr oder weniger Grund fast in allen Geschäftszweigen gehört wird, daß die Grundübel, zum Theil wenigstens, nicht im Geschäft und dessen Besonder heit selbst, sondern in Einflüssen von Außen gesucht werden müssen, die in der Zeit überhaupt liegen und in allen Zweigen des Verkehrs sich offenbaren. Es ist bekannt, wie viel hierüber gesagt und gestritten worden. Unser Jmmcr- Mann meint, daß wenn früher der Schuster bei seinem Leisten blieb, jetzt jedem Schuster der Leisten zu gering sei, woher es auch rühre, daß kein Schuh mehr uns bequem sitzen will. Was aber den Buchhandel insbesondere andetrifft, so muß das Grundübel im Inhalt oder in der Form desselben, oder in beiden liegen. Der Inhalt des Buchhandels, der Stoff, ist die Literatur. Wir werden aber alle einig sein, daß in unserer Zeit Wissenschaft und Poesie ebenso von ihren Höhepunctcn herabgestiegcn sind wie der Buchhandel. Wir wissen am besten, daß größtenthcils die Werke, welche > eine Nolle spielen im Buchhandel, entweder einer früheren Zeit angehörcn, oder Uebcrsetzungcn sind, oder das Längst- dagewescnc in einem neuen Kleide bieten, das gerade dem, Zeitgeschmack entspricht, die Bürgschaft der Dauer aber, die Selbstständigkeit und Gediegenheit, nicht in sich trägt. Die Begeisterung für die Literatur hat in gleichem Maaße abgenommen. Es bestätigt sich dies nicht nur im Buch handel, sondern in vielen Erscheinungen. Das Drama weicht der Oper, das Interesse ander Poesie der Begeisterung für Malerei und Musik, die Gelehrsamkeit der praktischen Thätigkeit. Die Form des Deutschen Buchhandels bietet zu man chen Betrachtungen Anlaß. Sic wurzelt in einer früheren Zeit, und hat sich zu solch einer Art von Vollkommenheit und Festigkeit ausgebildet, daß die Zeit an ihr vorüberge gangen ist; die alte Form ist stehen geblieben. Wenn auch aus dem Feudalwescn des Mittelalters sich vieles in die > neuere Zeit herübergeschleppt hat,das auf ähnliche Weise stehen geblieben, und auch erst spät und allmälig der veränder ten Zeit sich zu fügen begann, so wüßten wir doch keine Erscheinung, wo so lange und so deutlich wie im Buch handel die alte Form sich einem gänzlich veränderten Wesen erhalten und angeschmiegt hat. Wir lieben die alte brüder liche Einrichtung und mit Recht. Aber sie wird und kann leider nicht bestehen, wir passen nicht mehr hinein. Ver geblich sind unsere Anstrengungen, durch Einrichtungen wie der schöne Börsenbau, Vereine und Gesetze uns an einander und den alten Geschäftsgang zu ketten; wir sahen das alte Gebäude einmal morsch werden; cs wird trotz unserer Be mühungen cinstürzen und einem neuen Platz machen. Wir flicken wie ein geschickter Arzt an einem alten siechen Körper, um ihm das Leben noch zu fristen; ihn ver jüngen, ein frisches Leben durch seine Adern jagen, das können wir leider nicht. Die Geschichte will wie die Na tur ihre Rechte. Unser Zusammentreffen in Leipzig bildete das Centrum unseres bisherigen Systems ; es bedarf aber keines prophe tischen Blickes, um das allmälige Abkommen dieser früher so fruchtreichen Versammlungen, und zwar in wenig Jah ren, vorauszusehen. Früher machte man Geschäfte auf der Messe, da war die Reise nothwendig, wie für andere Kauflcute, so für uns. Wie es aber jetzt geworden ist, wo wir nur zusammen kommen, um unsere Rechnungen ab zuwickeln , da trägt das persönliche Zusammenkommen nicht mehr die innere Nothwendigkeit in sich. Der Sortiments buchhändler, wenn er nicht gehörig saldiren will, erspart sich viele Ungelegenhcit, wenn er zu Hause bleibt. Der Solide aber kommt mit seinen Listen und seinem Gelde ziem lich eben so weit, wenn er die Mcßkosten erspart; und be reits in jetziger Messe werden, wie uns schon angezeigt worden, sehr bedeutende Sortimentsbuchhändlcr fehlen, welche die Messe bis jetzt besucht haben. Wenn aber die Sortimentsbuchhändler zu Hause bleiben, was soll der Verleger in Leipzig? Schon jetzt bilden wohl die Verleger die überwiegende Mehrheit auf der Buchhändlerbörse, und dies Verhältniß wird immer zunehmcn, bis der Verleger dort nichts mehr zu thun findet. So wird unser Jerusalem verlassen sein; vergeblich wird man in den Postwagen nach hinaufwandernden Buchhändlern suchen, denen man sonst zur Osterzeit auf allen Wegen nach der heiligen Mcßstadt begegnete. In der That! wie es überall zu gehen pflegt, wo eine Form allzulange Zeit sich stabil erhält, wie mechanisch, wie geistlos bewegt sich der Buchhandel in dem angeerbten Me chanismus fort! Fast in jedem anderen Fache kann der be gabte Mann sein Talent geltend machen, und mit einigem Glücke nach Verhältniß seiner geistigen und pecuniären Mittel sich auszeichnen und foctschreiten. In unserem Sortimentsbuchhandel, wo man dies am ehesten erwarten sollte, ist es schwer, emporzukommen. Es gehört nichts dazu als die gewöhnliche Geschäftsroutine, die dem Be schränktesten sich mechanisch beibringen läßt, um mit dem Begabtesten zu concurriren. Früher war es anders. Als der Buchhändler ein Lager haben mußte, da gehörte Fähig keit dazu, seinen Bedarf zu kennen, und pecuniäce Mittel,
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