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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.02.1835
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- 1835-02-27
- Erscheinungsdatum
- 27.02.1835
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- Deutsch
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195 196 Buchhandel. Ucber den Beruf und Stand des deutschen Buchhändlers. Unter obigem Titel enthalten die „Blätter für literarische Unterhaltung" des vorvorigen Jahres einen Aufsatz, der allerdings der Beachtung jedes gebildeten Buchhändlers so werth ist, daß wir nicht anstehen würden, denselben in seiner ganzen Ausdehnung aufzunchmen, wenn wir nicht mit Grund annehmcn dürsten, daß er den Lesern entweder aus den genannten Blättern selbst, oder aus dem „Berliner Or gan" (dessen Nr. 51 und 52 des vorigen Jahres einen voll ständigen Wiederabdruck enthalten) hinlänglich bekannt gewor den sei. Deshalb beschränken wir uns daraus, die uns am wichtigsten scheinenden Satze hervorzuhcbcn und mit einigen Bemerkungen zu begleiten. Das Schwankende in den gesetzlichen Bestimmungen der einzelnen Staaten macht es mehr als wünschenswerth, daß dem Buchhändler ein „sicherer, innerer Wegweiser" ge geben werde, um in jedem einzelnen Falle zu wissen, was die allgemeine gesetzliche Vorschrift: „nichts gegen Religion, Sitt lichkeit und Staat drucken zu lassen"— ihm zur Pflicht mache. — Nachdem der Vers, jenes Aufsatzes die Unzuläng lichkeit dieser Vorschrift in ihren einzelnen Beziehungen klar nachgewicsen hat, giebt er als leitenden Grundsatz an: „Achtung für die Wissenschaft — Achtung fürs Pu blicum." Wir haben dagegen nichts einzuwenden, als daß dieser Grundsatz für das wirkliche Leben uns zu hoch gefaßt scheint. Achtung beruht nothwendig auf richtiger Erkennung. Wer kann behaupten, daß er das Publicum kenne,— wer, daß er cs auch morgen noch kennen werde? — Und wird seine Achtung jedesmal mit der nähern Bekanntschaft steigen? — Es müßte daher wohl heißen: Achtung vor dem Publicum — wie es sein sollte; oder mit andern Worten vor einem Begriff, der sich in den einzelnen Köpfen noch mannichfaltiger gestalten möchte als die Auslegung jener allgemeinen Vorschrift in den einzelnen Staaten.— Und die Wissenschaft;— wie soll der einzelne Buchhändler bcurtheilen, was zur Wissen schaft gehört, was die Wissenschaft erheischt? — „Ec soll selbst wissenschaftlich gebildet sein"— heißt es weiter hin. Wir werden darauf zurückkommen; hier nur die Bemer kung, daß selbst die wahre, höchste Achtung der Wissenschaft nicht selten zu Resultaten führen möchte, die nach der ge genwärtig herrschenden Auslegung jener Vor schrift „nichts gegen Religion, Sittlichkeit und Staat zu drucken"— unmöglich geduldet werden können. Wir sind überhaupt der Meinung, daß diese Vorschrift mehr dem Schriftsteller, als dem Buchhändler zur Richt schnur dienen müsse. — Verlangt man von diesem wissen-1 schaftliche Bildung, so darf man sie von jenem ohne Zweifel mit noch besserem Grunde verlangen; verlangt man vom Buchhändler, der seinen sehr richtigen Namen dem Handc^. verdankt, daß er nicht „des schnöden Gewinnes wegen" Arbeiten soll, so muß man vom Schriftsteller in die ser Hinsicht offenbar noch weit mehr verlangen. Mit all diesem Verlangen wird aber die Sache selbst nicht geändert, geschweige denn gebessert. Wir sind weit entfernt, das Ver dienst der Theoriö bestreiten zu wollen, wenn sie die Marken ihres Feldes nicht überschreitet; will sie aber ins praktische Leben cingreifen, so muß sie ihre Gebäude an der Hand der Erfahrung auf dem Grunde des Bestehenden auf führen, sonst stürzen sie beim ersten frischen Winde des Le bens zusammen. Nehmen wir daher die Begriffe: Wissen schaft, Publicum und Buchhandel, nicht wie sie sein sollten, sondern wie sie sind. — Die Wissenschaft — so sagt der Verf. selbst — „be zweckt die fort sch reitende Eivilisation der Gesammtheit;" daraus crgiebt sich schon, daß sie Weberin sich abgeschlossen, noch mit dem Bestehenden in Einklang ist. Das Publi cum ist eben jene Gesammtheit, welche der fortschreitenden Eivilisation bedarf, mithin noch weniger in sich abgeschlossen als jene, vielmehr in beständigem Wechsel begriffen und lei der nur allzusehr in Widerstreit mit sich selbst. Ist es wohl rathsam und richtig, den Leitfaden für die ! Handlungsweise irgend einer Elasse von Menschen an so schwankende Punkte zu knüpfen? Anders verhalt sich's mit dem dritten Begriff, — dem Buchhandel. Das ist etwas in sich Abgeschlossenes, (wenigstens in Betreff der Grund - und Hauptzüge, wenn auch in der Gestaltung hin und wieder Verbesserungen mög lich und erforderlich sind); es ist überdies etwas, das jeder Einzelne, und der Buchhändler am genausten, erkennen und beurtheilen kann, und eben daher ein guter, fester Haltpunkt für jenen Leitfaden. — Wir möchten daher zur Richtschnur für den einzelnen Buchhändler den Grundsatz aufstellen: Achtung vor sich selbst und vor seinem Stande. Dieser Grundsatz wird eben jetzt, da der Buchhandel unter dem Einfluß des Börseuvereins und seiner gesetzlichen Organe eine immer festere Gestalt zu gewinnen, eine im mer würdigere Stellung einzunehmen verspricht, in den mei sten Fällen vollkommen ausreichen, und selbst etwaige Mißdeutungen oder irrige Anwendungen desselben werden durch die mit dem stets wachsenden Bande des Börsenvcr- cins verbundene Ocffentlichkcit sehr leicht eine völlig genügende Berichtigung finden. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen wollen wir noch einige speciellere Sätze jenes Aufsatzes hervorheben, che wir zu den dort angegebenen Mitteln zur Erreichung des Zweckes übergehen. „Der Buchhändler, der den Werth seines Berufs erkannt hat wird nach allen Kräften sich be mühen, gründliche, wenn auch nur übersicht liche Kenntniß der Wissenschaft und Kunst und ihrer Literatur zu gewinnen." Sollte wohl heißen: eine gründliche Uebersicht der ^Wissenschaft u. s. w. Das ist allerdings dem Buchhändler s Norh,— weit mehr als die wissenschaftliche Bildung s selbst, die weder erforderlich, noch möglich ist (wenn er sich nicht auf ein abgesondertes Fach beschränken will). Es ist j bei den vielen kaufmännischen Beschäftigungen des Buch händlers wahrlich schon eine ganz bedeutende Aufgabe, zu i einer gründlichen Uebersicht der Literatur in allen ihren ! Zweigen zu gelangen; wobei wohl zu bedenken ist, daß ihm
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