Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.10.1839
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1839-10-22
- Erscheinungsdatum
- 22.10.1839
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18391022
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-183910224
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18391022
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1839
- Monat1839-10
- Tag1839-10-22
- Monat1839-10
- Jahr1839
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
2291 93 2292 Leuten, wenn auch nicht allen, als heilsam und nöthig er scheine, das, muß ich sagen, ist mir durchaus unbegreiflich, und ich protestire laut dagegen. Ich erfreue mich in der Nahe und Ferne eines ziemlich großen Kreises von Freun den und Bekannten, und ich darf wohl betheuern, daß unter ihnen allen nicht Einer ist, der nicht den unterdrück ten Ausland der Deutschen Presse mit tiefstem Leidwesen, ja mit Entrüstung betrachtete. In schriftlichen Mittheilun gen wie in mündlichen ist diese Empfindung unzählige Male gegen mich ausgesprochen worden, und gleich allgemein ist auch das Gefühl der Scham, das uns ergreift, wenn wir wahrnchmen müssen, wie die fremden Nationen, denen ein würdigerer Zustand bcschiedcn ist, auf uns Deutsche mit Blicken des Mitleids oder wohl gar der Verachtung herabsehen. Und leider lassen die Aeußcrungcn des Herrn Ministers des Aeußern mich fürchten, daß so schmachvoller Zustand so bald noch nicht aufhören soll. Wenn übrigens der Herr Minister sagt, daß die Preßfreiheit Deutschland zur Revolution führen würde, daß also Eensur zur Ver hütung der letztem nöthig sei, so ist dies ein offenbarer Anachronismus und ein bcklagcnswcrthcr Jrrthum. Nicht aus der freien Presse, sondern aus der Unterdrückung der selben stammt die Revolution. Alle hier und dort in Deutschland vorgckommcnen Acußerungen des Mißvergnü gens, namentlich auch das Frankfurter Attentat, sind blos entstanden durch die Bundesbcschlüssc von 1832, deren einer ganz vorzüglich eine Wiedcrcinschärfung des Prcßge- setzes von 1819 enthielt. Ja, aus dieser Quelle allein könnte eine Revolution in Deutschland entstehen, wenn irgend eine unter uns möglich ist. Denn wenn die Presse gefesselt, das Wort der Rcchtsvcrtheidigung unterdrückt ist, so hat das Reich der Gewalt begonnen; der wahre Rechts zustand entschwindet, und die nächste Versuchung zu ge waltsamer Selbsthülfc ist vorhanden. Dies ist es, was ich auf die Acußecung des Herrn Ministers zu antworten habe. Ich kann mir auch nicht verstellen, wie ein anderer Redner der Negierung von zwei Systemen, von dem Systeme der Preßfreiheit und dem Systeme der Eensur, sprechen und sagen konnte, daß um den Vorzug beider Systeme sich streiten ließe. Man darf beide nur mit einem unbefange nen Blicke betrachten , so sieht man schon, welche Eigen schaften das eine, und welche Eigenschaften das andere hat. Ich glaube nicht, daß die hohen Häupter, welche das Ccn- sursystcm angenommen haben, seine wahren Eigenschaften erkannt haben; sondern sie haben durch die Einflüsterungen ungetreuer oder befangener Rathgebec den Glauben erhal ten, daß sie die Wohlfahrt der Nation dadurch fördern. Die Denkenden in der Nation aber, welche zu selbstcignem Urtheilc geeignet und nicht abhängig sind von den Vorspie gelungen oder Darstellungen Anderer, sind in ihrer Wahl nicht zweifelhaft. Sic sagen: Das System der Preßfrei heit hat zum Pcincip das Licht, das System des Preß- zwangcs die Finsterniß. Das crstere will die Wahrheit, das zweile will — weil die Unlautern dabei sich besser befin den — die Lüge; das erstere will Recht und Gerechtigkeit, das zweite will die Macht, nach Belieben auch Unrecht zu thun; das erstere will und pflegt die Moralität im Volke, das zweite die Corruption. Welches von beiden ist nun das bessere? Diese hohe Kammer wird sicher nicht schwan kend in ihrer Entscheidung sein, sie wird sicherlich einstimmig den Antrag der Eommission annehmcn, und der Herr Mi nister des Auswärtigen möge sich dadurch überzeugen, daß die Männer der Ruhe und der Ordnung, des Friedens und der Gerechtigkeit mit dem bestehenden Preßzwange nicht ein verstanden sind; die einstimmige Richtung der Kammer der Badischen Volksvertreter ist dafür ein Beweis, gegen welchen kein Gegenbeweis möglich ist. (Fortsetzung folgt.) Vorschlag zu bequemerer Einräumung der Brochüren in den Sortimcntsbuchläden. Möchten doch alle Handlungen, welche Brochüren ver anstalten lassen, dafür sorgen, daß der abbrcvirte Titel des Buches so auf den Rücken hinten aufgedruckt wird, wie er nach alphabetischer Ordnung in den Katalogen auch steht, wobei cs blos der Nennung des Verfassers und Inhaltes bedarf. Dadurch wird dem zeitraubenden Anordnen in Sortimentsbuchhandlungcn von einigem Belang bedeutender Vorschub geleistet. Viele Handlungen aber lassen den Rücken ganz leer, obgleich es Ein Geld kostet, wenn man solchen, wie eben gesagt, ausdruckcn läßt, oder sie lassen den Verfasser weg und setzen blos den Inhalt darauf, oder sie verändern den Titel so, daß die Hauptwörter nicht mit einander überein stimmen u. s. w., wodurch man stets genöthigt ist, erst das Buch aufzuschlagcn, ehe es in die Fächer gestellt werden kann, so daß man beim richtigen Einräumen häufig glau ben muß, die Broschüren seien falsch eingestellt, wenn man solche revidirt. Ein solcher Rückentitel soll ganz kur; gefaßt sein, oben der Verfasser und untcnnach möglichst kurz aber bündig der Inhalt. -— Manche Druckerei nimmt hierzu ihre unleserlichsten Schriften, was ebenfalls zwecklos ist, da die Deutlichkeit hier besonders einen Vorzug verdient- Sind cs mehrere Verfasser, so könnten diese am liebsten ganz wcgbleiben und blos der Haupttitcl nach seinem Sach- inhalt gegeben werden, gerade so, wie es nach der alphabe tischen Rangordnung in den Verzeichnissen von Hinrichs u. A. eingesetzt wird, da ein Sortimentslager, sei cs nun nach Fächern oder ineinanderlaufend geordnet, doch stets so gestellt werden muß, wie ein richtiger Katalog es auch ist. Das Einordnen wird gewöhnlich jungen Leuten, Lehr lingen u. s. w. überlassen, diese werden aber durch die häu fig so fehlerhaften Rückentitel, die doch zur Bequemlichkeit beim Aufsuchen in dem brochürten Sortiment dienen sollen, irre geführt, und cs mag schon mancher Käufer eines Bu ches dadurch mit dem Bemerken abgewiesen worden sein, „cs sei nicht mehr vorräthig"; obgleich cs vorräthig und blos nach dem irrigen Nückentitel cingecäumt war, wo man es begreiflicherweise nicht suchte, bis es sich erst beim Re- mittiren wieder fand. Da cs immer häufiger wird, die Novitäten zu brochü ren, so glaubte ich auf diesen Uebelstand öffentlich aufmerk sam machen zu müssen. L. Verantwortlicher Redacteur; I. C. Stadler.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder