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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 21.11.1933
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1933-11-21
- Erscheinungsdatum
- 21.11.1933
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- Deutsch
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ÄMMouMer TÄ Bekanntmachung der Geschäftsstelle. Betr.: Reichskulturkammer. Aus Grund der Veröffentlichung im Börsenblatt vom 7. No vember d. I. über den Aufbau, die Zugehörigkeit und den Auf- gabenkreis der Reichskulturkammer gehen in großer Zahl An fragen bei uns ein. Wir sind nicht in der Lage, über sie alle jetzt schon Auskunft zu geben. Auch die Durchführungsverord nung vom 1. November enthält ja noch keineswegs die Rege lung aller Einzelheiten, und weitere Ausführungsbestimmungen stehen bevor. Wir werden auf die Anfragen jetzt noch nicht ant worten, sondern erst dann, wenn uns die Stellungnahme dazu in völlig eindeutiger Weise möglich ist. Voraussichtlich werden sich auch viele der Anfragen durch die weiterhin über die Reichs kulturkammer erscheinenden Durchführungsverordnungen erledi gen. Wir möchten nicht unterlassen, unsere Mit glieder auf diese Sachlage hinzuweisen, damit Rückfragen vermieden werden. Leipzig, den 20. November 1933. Or. Heß. Verwirrung und Selbsthilfe. (Schluß zu Nr. 265.) Verlag und Sortiment: Verhältnis der Arbeitsteilung. Was aber ist zu tun? Wir wissen nun, daß wir es sind, die die Werte (oder Un werte) ins Volk geben, aus denen sich seine seelische Kraft auf baut für sein ganzes weiteres Wachstum. Damit liegt auf uns vielleicht die größte Verantwortung, die überhaupt gedacht wer den kann, gegenüber der Weiterexistenz dieses Volkes. Wir müssen uns also bemühen, Buchhändler wie Verleger, zu klaren Anschauungen über unseren Stand zu kommen. Unseren Stand, denn wir sind ein und dasselbe. Ich sehe keinen inneren Unterschied zwischen Verlag und Sortiment, mindestens nicht auf schöngeistigem Gebiet. Ihre Un terscheidung ist aus praktischen, also äußerlichen Gründen er folgt, ist eine Arbeitsteilung innerhalb ein und derselben Arbeit. Beider Aufgabe ist es, aus eigener Verantwortung unter dem sich Darbietenden zu wählen, es zu sieben, wobei es letztlich keinen Unterschied macht, daß der eine seine Manuskripte siebt, der andere unter den ihm angebotenen schon gedruckten Büchern wählt. Die ihnen gleichermaßen gestellte Aufgabe ist es eben, dem geistigen oder seelischen Produkt, das eigentlich nichts, gar nichts vom Begriff der »Ware« an sich hat, über die Zeit hinüber zu helfen, in der es, wohl oder übel ähnlich der Ware, seinen Weg vom Produzenten (worunter ich natürlich den Autor, nicht den Verleger verstehe) zum Konsumenten zu gehen hat. Beide, Verleger wie Buchhändler, sind also Vermittler oder wirtschaftlich häßlich ausgedrückt Zwischenhändler. Sie sind Trä ger und Weitergeber geistiger Kräfte, in deren Dienst sie ihre Überzeugung, ihre Beseeltheit, ihr Wissen, ihren Fleiß und ihr praktisches Geschick stelleü- Es erschwert ihre Arbeit, macht sie aber andererseits auch wieder besonders reizvoll (weil es zum An spannen des Urteilsvermögens zwingt und dadurch Extravaganzen verhindert), daß sie beide ihre Wirkungsmöglichkeit nur voll ent falten können, wenn sie es verstehen, so viel innere Kraft in ihre Arbeit zu legen, daß dadurch — und nur dadurch auch die äußeren, d. h. die kalkulatorischen und geschäftlichen Schwierig keiten überwunden werden. Wie oft wurde vom hohen Roß des Verlegers herab dem Buchhändler zu verstehen gegeben, e r sei eben nur der Zwischen händler. Wie oft fiel das böse Wort vom -»Ware über den Laden tisch reichen»! Ich möchte Ihnen, da ich aus eigener Erfahrung einige Vergleiche ziehen kann, versichern, daß ich die Tätigkeit des Buchhändlers vielleicht nicht gerade als die aufregendere, jeden falls aber als die durch gar zu viel Klein arbeit undankbarere ansehe. Das große Risiko des Verlages? Richtig — der Ver leger hat bei einigen Objekten das große Risiko, beim Buchhänd ler aber addiert sich aus der Unzahl ebenfalls risikobehasteter kleiner Einkäufe ein Gesamtrisiko, das sicherlich, im Verhältnis zu Umsatz und Vermögen betrachtet, nicht geringer ist als beim Verlag. Kein Grund also, vom Roß des Verlegers herabzusehen auf den Buchhändler. Im Gegenteil: — Der Verleger kann aus genauer Kenntnis der ihm eingereichten Arbeit heraus seinen Entschluß fassen. Er muß übersehen können, ob es ihm mit seinen Möglichkeiten gegeben sein wird, Befriedigendes zu er reichen. Der Buchhändler dagegen muß wohl oder übel viele kleine Katzen im Sack kaufen. Er kann unmöglich alles lesen und verarbeiten, was ihm geboten wird. Er muß den Versicherungen des Verlegers glauben, der von ihm Bestellungen erwartet. Ja, selbst wenn er ein Buch etwa in Bogen zu lesen bekommen hat, kann er dann voraussehen, ob eine geschmackvolle Ausstattung, eine gute Propaganda seine Bemühungen unterstützen und ihm den erwarteten und von ihm mit allen Kräften angestrebten Er folg ermöglichen werden, oder ob ungeschickte Ausstattung und nachlässige Propaganda seine Arbeit erschweren, oder viel leicht gar andere, völlig unüberwindbare Dinge (etwa ein schlech tes Verhältnis des Verlags zu der für ihn in Betracht kommen den Presse) jeden Erfolg vereiteln werden, so daß ihm also die bestellten Bücher liegen bleiben und er schließlich noch froh sein muß, wenn ihn die Bomben-Propaganda eines anderen Ver lags zu immer neuen Nachbestellungen anderer Bücher treibt, denen er weniger zugetan war, während das aus eigener Über zeugung Bestellte ihm — »erhalten bleibt«. Buch als Ware? Solchen Zufälligkeiten und Fährlichkeiten ist der Buchhänd ler in jedem Fall ausgesetzt. Das Maß aber richtet sich danach, ob er als »Händler« arbeitet, oder ob er als Vermittler des geistigen Wertes selbständig und aktiv zu werden versteht. Den Händler, also denjenigen, der im Buch »Ware« verkauft, nicht aber selbständig den geistigen Wert vertritt, den treffen alle Zufälligkeiten voll. Der richtige Buchhändler dagegen, und nur er allein, vermag sich weitgehend unabhängig zu halten oder zu machen von allen Einflüssen, die seiner Einwirkung entzogen sind. So deutlich als dies überhaupt nur möglich ist muß es ein mal gesagt werden: das schöngeistige Buch ist keine Ware, und jedes Spielen mit solchem Gedanken und Gehen lassen in der Richtung »Ware und Händlertum« ruiniert den Buchhandel, ruiniert letzten Endes das Volk. 887
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