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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.12.1840
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1840-12-11
- Erscheinungsdatum
- 11.12.1840
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- Deutsch
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2855 107 2856 denn Ml bloßes Werkzeug zu dm Operationen der Schrift- steiler abgicbt, sondern daß er vielmehr durch die Art, wie er unter den Geistesproducken wäblt, die Auswahl gruppirt und den Käufern zugänglich macht, an dem Einfluß, den die Literatur auf das Volk übt, wesentlich Theil nimmt. Hat sich doch das Rangvcrhältniß teilweise so umgekehrt, daß wir in jüngster Zeit zu unserer Verwunderung ein nagelneues Gewerbe, das der literarischen Tagelöhnerei, haben entstehen sehen. Doch dicß beiläufig, und Ironnl solt kjui in-»l )- peuse. Wie sich der Buch - und Waarenhandcl zu einander ver halten, crgiebt sich einfach daraus, daß der eine geistigen, der andere materiellen Interessen dient. Wenn man aber deshalb im Allgemeinen dem Buchhändler eine höhere Stellung vindi- circn will, so bcrubt diese zwar zum Theil auf der Bedingung bedeutenderer Kenntnisse, deren er'zu seinen Geschäften bedarf, mehr aber auf der größern Verantwortlichkeit, die ihm aus denselben entspringt. Unter den Buchhändlern selbst unterscheidet man oft zu schroff zwischen Verlegern und Sortimcntshändlern, und die Erstem sehen cs nicht ungern, wenn man sie als die Meister, die klebrigen aber als ihre Handlanger betrachtet. Der Ab stand ist nicht so groß. Nur sind die Unternehmungen des Verlegers massenhaft und haben blos das Gffammtbedürsniß des Publikums zu berücksichtigen*), während die Wirkung des Andern durch die individuellen Forderungen seiner Kunden unendlich zersplittert und gehemmt wird. Bekanntlich aber pflegt, zumal einem oberflächlichen Auge, das Massenhafte mehr zu imponircn, als Vereinzeltes, auch wenn der Werth auf beiden Seiten gleich ist. Ferner mag cs wahr sein, daß für hoch hervorragende, namentlich gelehrte Werke, welche sich selbst Bahn brechen, der Sociimentshändlcc wenig mehr zu thun braucht, als sic zu verschreiben und auf Verlangen verabfolgen zu lassen. Dieser Theil der Literatur ist aber quantitativ sehr unbedeutend, und bei den unendlich zahlrei chern Schriften für gebildete Laien bis zu den populärsten Werken herab, bleibt ihm ein weiter Spielraum. Dicß geht so weit, daß oft das bloße Vorhandensein auf dem Lager und Vorzeigen eines Buches hinrcicht, um es abzusetzcn, wenn es der Käufer entweder gar nicht oder statt dessen ein anderes suchte. Man wende mir nicht ein, daß also die Wirksamkeit des Sortimentshändlers gering sei, weil sie sich nicht in vollem Maße auch auf das Gebiet der Gelehrsamkeit erstrecke. Die Gelehrten — wenn man nämlich dazu nicht Alle zählt, die einmal auf einer Akademie ihr Triennium absolvirt haben — die eigentlichen Gelehrten stehen überhaupt außer dem Einfluß des Buchhandels; denn was sie durch ihn empfangen, dient nur dazu, ihren Gesichtskreis zu erweitern, ohne das selbst ständige Fortschreiten ihres Geistes auf eigner Bahn zu stören. *) Sehr oft wird die größere Unabhängigkeit der Verleger vom Publikum viel zu hoch angeschlagen, oder gar ihre Stellung als ganz frei von allem äußern Einfluß betrachtet. Dagegen bemerken die unlängst im Morgenblatt mitgctheilten Strcifzüge im Mcßkatalog sehr richtig: „Wenn sich die Verleger in Masse diesem oder jenem Zweig vorzugsweise zuwcnden, so kann dieß nur der Wiederholt eines im Publikum klingenden Grundtons sein, die Erkcnntniß eines Bedürfnisses, welches man zu befrie digen sich bemüht." Dagegen nimmt das übrige literarische Publikum die Erzeug nisse der Presse als eigentlichen Nahrungsstoff in sich auf, es gestattet ihnen eine wesentliche Einwirkung auf den innern Menschen, cs erhebt die aus der Literatur eingesogenen Lieb lingsideen selbst zur Norm für seine Gedanken, Gesinnungen und Handlungen. Wie aber in politischer Beziehung nicht die Aristokratie, sondern der Kern des Bürgerstandes den Aus schlag giebt, so ist auch für die geistige Eultur einer Nation nicht die geringe Zahl der Gelehrten, sondern die Masse der gebildeten Laien bis zum Volk herab von größerer Bedeutung. — Ferner ist nicht zu übersehen, daß die ungleich größern Schwierigkeiten, welche sich der Wirkung des Sortiments- Händlers in den Forderungen und Launen seines Publikums entgegenstellen, den Werth des von ihm errungenen Einflusses erhöhen, und daß hier der Vergleich völlig zu seinen Gunsten ausfällt. Dieß Alles zugegeben, könnte man mir noch erwic- decn, daß der Svrtimentshändler auf den engen Kreis eines städtischen Gebietes angewiesen sei, während die Unterneh mungen des Verlegers die Grenzen seines Vaterlandes berüh ren und selbst darüber hinausreichcn. Allein man stelle nur, was doch auch die Billigkeit zu fordern scbeint, nicht den ein zelnen Verleger dem einzelnen Sortimentshändler, sondern die Gesammtheit der Einen der Gcsammtheit der Andern gegen über, so verschwindet auch hier selbst der Schein von Unter ordnung. Dem Volk gegenüber rcpräscntirt die Corporation der Buchhändler kein Pupillcncollegium; vielmehr soll der Buch handel im Ganzen ohne einseitige Begünstigung die literari schen Bedürfnisse befriedigen, nur so, was in seinem eignen Interesse liegt, daß seine Produktionen den Bedarf so wenig als möglich überschreiten. Die freieste Wahl muß dem Publikum bleiben, ohne daß es deshalb den einzelnen Trägern des Buchhandels benommen wäre, einen bcsondern Einfluß geltend zu machen, nur auf angemessene Weise. Vom Standpunkt des Rechts im Allgemeinen und in Betracht der Würde des Buchhandels als eines der bedeutendsten Institute für die Fortbildung der Menschheit scheint es keine unbillige Forderung zu sein, daß er einerseits kein gediegenes Werk aus Nebenabsichten vorenthalte, und andererseits kein evident un nützes oder gar verderbliches Buch verbreite. Freilich ist in dieser letztem Beziehung auf wissenschaftlichem und ästhetischem Gebiete schwer, leichter aus moralischem eine Grenze zu ziehen. Werfen wir nun, nachdem hiermit zugleich der Zweck des Buchhandels bezeichnet ist, einen Blick auf den Zustand des selben, und sehen wir, in wie weit er gegenwärtig seiner Be stimmung nachkommt. Was zuerst, auch dem flüchtigen Beobachter, auffällt, ist eine scheinbare Ueberfüllung des Markts mit literarischen Produkten jeder Gattung, die immer noch im Zunchmen be griffen ist. Ich sage, eine scheinbare Ueberfüllung, denn ich bin weil entfernt, in der Ungeheuern Produktivität der Presse schlechtweg ein Ucbel zu erblicken, glaube vielmehr zuversicht lich , daß dieselbe ihren Culminationspunkt noch nicht erreicht hat und auch wirklich ohne Nachtheil noch eine Steigerung zuläßt. Fülle der Production ist ein Beweis von lebhafter Eoncurrcn;,, Concurrenz aber ist der Wellenschlag und die Strömung des Sees, welche verhindern, daß ec stagnirc und faule, sie ist auf einem merkantilen oder industriellen Gebiet /
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