Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.12.1841
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- 1841-12-10
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- 10.12.1841
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2779 107 2780 die Beschuldigung einer kleinlichen Befangenheit zu fürchten haben dürfte; daher sei auch hier gesagt, was zu Lösung meiner Aufgabe gesagt werden muß, und was dem hochacht baren Ganzen >a nicht verletzend zu nahe treten kann, weil es nur die sich selbst verletzenden Theile desselben betrifft.— Kein vernünftiger, die Wichtigkeit der Verbreitung gei stiger Ausbildung erkennender Mensch, wird das wirksamste, ja, man darf wohl sagen, das einzig wirksame Förderungs mittel dazu in dem Buchhandel verkennen, aber auch Jeder muß es einsehen, daß bei demselben durchaus nicht alle Grundsätze und Maximen festgehalten werden können, als bei dem üb rigen Waarenhandel, wenn es auch leider nicht zu umgehen ist, daß der Buchhändler in mancher Beziehung die geistigen Producte wie jede andere Waare ansehen und behandeln muß. — Wenn es keinem Zweifel unterliegen kann, daß der Buchhandel zur Förderung der allgemeinen Wohlfahrt, streng genommen, keine andern geistigen Erzeugnisse an das Licht der Ocffentlichkeit bringen und verbreiten sollte, als solche, die in moralischer und wissenschaftlicher Bezie hung tadelfrei und gediegen sind, die den Zweck der Ausbil dung für das praktische Leben vollkommen erfüllen und für den Gebrauch in demselben allen Anforderungen entsprechen; so geht zunächst daraus hervor, daß der Buchhändler nicht allein im Besitz einer viclumsasscnden geistigen und wissen schaftlichen Bildung, sondern auch eines scharfen Verstandes und gereiften Urteilsvermögens, zugleich aber buch eines ge läuterten Begriffes vom Guten und Bösen, vom Nützlichen und Schädlichen sein muß, ingleichcn, daß er von Trieb und Eifer durchdrungen sein muß, seine Kräfte nur immer dem Besten und Gemeinnützigsten zu widmen. — Hiervon aus gehend, kann man es allerdings nur als Verirrung und Miß griff ansehen, wenn wir Buchhändler finden, die jedes neue Product, ohne Prüfung und Auswahl, an- und aufnehmen, jedes durch pomphafte Ankündigungen und Empfehlungen, so weit als möglich, zu verbreiten bemüht sind; — die ihres Vortheiles wegen nur den Geist der Zeit im Auge haben und Alles, was seinem Geschmack entspricht, ohne Rücksicht auf Tugend, Moral, Sittlichkeit und wahren Werth, so vielfach und so weit, als nur möglich, in die Welt verstreuen; die des Geistes Früchte ganz in die Rubrik der gewöhnlichsten Handclswaaren stellen, sie nur nach dem Geschmacke der Menge und nach sicher vorauszubercchnenden Procenten taxiren *), für den ihnen natürlich zustebenden Gewinn aber einen Maßstab annehmen, vermöge dessen der Schriftsteller ihnen oft noch etwas zugeben möchte, um nur seine Arbeit nicht ganz zwecklos vollendet zu haben. **) — Blicken wir angehört, so ist hierdurch die vorstehende Berufung vollkommen gerecht, fertigt. ') So sicher ist wohl keine Buchhändlcrspeeulation, daß sich die Pro- centc daraus im Voraus berechnen lassen. "> CS liegt in diesen Worten viel Wahres und der Vers., der durch sein Buch eine» guten Einfluß auf seine Zeit zu erstreben sucht, hat von seinem Standpunkte auS in mancher Hinsicht Recht. — Allein er frage die Erfahrung praktischer Männer, ob eS nicht Verleger giebt, die diese Grundsätze zu den ihrigen machten, und welches ihr Lohn dafür war und noch ist'? E'S ist löblich, wenn sich der Verleger in der Voraussicht sei. ner Verluste für die Förderung guter Jachen und löblichcrZweckc aufopfert, aber eine solche fortwährende Hingebung würde endlich seinen eignen Un> überhaupt in dieser Beziehung auf den Standpunkt unseres literarischen Treibens (besonders in Deutschland); und neh men wir wahr, wie wenig bei manchem Schriftsteller dazu gehört, einen ausgebreiteten Ruf, einen gefeierten Namen und — was damit zusammenhängt — einen reichlichen Ver dienst zu erlangen, — wie schwer, beinahe unmöglich, cs hingegen andern wird, ihre gediegenen Geistesproducte, die Erzeugnisse mühevoller, zeitraubender Anstrengungen, gegen ein ihre Subsistenz nicht sicherndes Honorar an einen Ver leger zu bringen; —> sehen wir, wie wenig in dieser Hinsicht das Genie und der Fleiß sich der Beachtung und der Auf munterung zu erfreuen hat, während Mancher, dem einmal ein glücklicher Gedanke zur rechten Zeit kam, dem eine Ar beit gelang, mit den unbedeutendsten Dingen für die Dauer sein Glück macht, *) und wissen wir, welchen bedeu tenden Theil die Verleger an diesem Mißverhältnisse haben; ja, bleibt es nicht unbekannt, wie es Buchhändler giebt, welche Schriftsteller, durch deren Arbeiten sie reich wurden, in den mißlichsten Lebenslagen schmachten und verkümmern lassen; **) —> beachten wir dies Alles, so entgeht es der Wahrnehmung nicht, wie fühlbar damit dem allgemeinen tergang herbeiführeu, und so achtungSwärdig und entschuldigend auch die Ursachen davon sind, so wird sein Fall doch immer nur materiell beur. theilt werden und er in den Augen der Welt schmachvoll enden. Soll derVerleger ganz unberücksichtigt lassen, waS er sich selbst, seiner Familie und (vielleicht; seinenEreditoren schuldig ist, soll er ganz vergessen, daher doch eigentlich nur Kaufmann ist, soll er es mit störrischer Consequenz durch setzen wollen, daß sich der Geschmack des Publikums nach seinen Grund, sitzen richte oder handelt er klüger, wenn er sich, sei e» selbst mit Wider, willen — dem des Publikums fügt, und diesem offerirt, was dasselbe wünscht und kauft? Wie oft hat manch' wackerer Verleger die herrlich sten und bestgemeinten GeistcSerzeugnisse der würdigsten Verfasser mit blutendem Herzen abwcisen müssen, um nicht das Opfer derselben zu werden. Wie viele Fälle sind mir vorgckommcn, wo ein Verleger, nach dem ihm eine spekulative Unternehmung reichen Segen gebracht, sich, um ihn wieder für die gute Sache aufzuopfern, zu einem Werke verstand, dessen mcrcantilischcS Mißlingen ihm nicht zweifelhaft war. Da kein Stand mehr Gelegenheit hat, die Mittel, daS Gute zu fördern, kennen zu lernen, so wird dafür wohl in keinem andern so viel mit großer Hinge- bung geleistet, als im Buchhandel. Zeder tiefer blickende College wird sich in dieser Art zahlreicher Beispiele zu erinnern wissen oder sich deren selbst bewußt sein. Wenn im Publicum die Empfänglichkeit für man- ches edle Studium, für manche geistig erhebende, moralisch und christlich, veredelnde Zweige der Literatur im Abnehmen sind, so muß man deshalb dieses selbst, aber nicht die Verleger anklagen, welche so oft das äu- ßcrstc aufgeboten haben, um den Sinn dafür nicht untcrgehcn zu lassen. ') Dieses liegt im Laufe der Welt und ist nicht zu ändern. Daß ein glücklicher Gedanke oft ganz nah liegt und sehr einfach ist, daS hat uns ColumbuS schon mit seinem berühmte» Ei bewiesen. Und ist es etwa der Buchhandel allein, der einen guten Einsall als Spekulation zu benutzen sucht, sehen wir nicht auch im andern Waarenhandel zu jeder Leipz. Messe ganz analoge Kinder derselben '? Man denke welch ein Geld mit den an sich so geringfügigen SechSkreutzerdosen, Verirgläsern u. dcrgl. Sächcl' chcn verdient worden ist. ")Mir sind Beispiele entgegengesetzter Altbekannt und ich kann demHrn. Vers, so manchen verlassenen greisen Gelehrten und Schrikistellcr, auch manche» Märtyrer der Wahrheit und des Patriotismus Nachweisen, den Verleger-Freundschaft und Pietät, wenn auch nicht auf Rose» gebettet, doch von dem Untergange des VerschmachtenS und VcrkümmernS gerettet hat. Gewiß der Buchhandel thut in dieser Hinsicht viel, ja er beschämt nicht selten die Herzen unter dem Purpur, aber alles kann er nicht thun'.
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