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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.01.1842
- Strukturtyp
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- Band
- 1842-01-14
- Erscheinungsdatum
- 14.01.1842
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- Deutsch
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83 4 84 leger wollen ungehindert unternehmen, was ihnen gut dünkt, das wird ihnen niemand wehren, sie wollen aber auch die in ihrem Geschäfte unvermeidlichen Mißgriffe und deren hin und wieder üble Resultate nicht wie früher geduldig ertra gen, sondern sie wollen ungestört das, was ihnen nicht schnell genug gangbar erscheint, sofort zu veräußern suchen, und da bei den Grundsatz der erste Verlust ist der beste befolgen! Der Sortimenter hingegen sieht in diesem Verfahren ein mehr oder minder schnelles, jedenfalls ziemlich sicheres Unter graben seiner Existenz und sucht sich gerade durch jene Pole mik so gut zu wehren als er kann, und das Ucbel wenigstens zu mindern. Wäre diese in neuer Zeit so sehr in Anspruch genommene freie Disposition eine das Wesen des deutschen Buch handels wirklich begründende ; so müßte es auffallen, daß gerade die bedeutendsten Verleger früherer Jahre sich derselben gleichsam freiwillig begeben hättenoder nur in höchst seltenen Fällen davon Gebrauch machten. — Allerdings fehlt cs auch in jenen Zeiten nicht an Beispielen, daß sich Gcschästsgcnossen, welche sich nicht anders zu helfen vermochten, Verlagsvorräthe losschlugen, wenn anders noch ein Käufer möglich war. Jetzt ist dieß anders und man sicht Firmen mit sogenannten en gr»s Verkäufen beschäftigt, denenmandieses nochvor wenig Jahren nichtzugelraut hätte, und deren äußerer Gcschästszustand noch lange nicht auf die Nothwendigkeit solches Verfahrens hinwcist. Was soll nun der Sortimenter thun? — Schweigen und dulden nach Ansicht des Vers, in Nr. 106 ? — Das ist wohl etwas viel gefordert! — Wie wenig ist ihm ja über haupt damit gestattet, seinem UnmuthejLuft zu machen, seine Klagen anbringen zu können! In der That, es ist eine schwere Frage, die seine Zukunft betrifft, und noch schwerer sie genügend zu beantworten. — Er sieht mit Schmerz beinahe täglich, wie sein Geschäft mehr und mehr durch diese gerühmte freie Disposition gestört und untergraben wird, wie zuweilen selbst von seinem immer kleiner sich gestaltenden Kauf-Publi kum seine Rechtlichkeit bezweifelt wird, wenn er heute zu einem Preise verkauft, der morgen öffentlich ver nichtet wird, er bemerkt sorgenvoll wie schwer, oft unmöglich es ihm gelingt seine Verbindlichkeiten zu erfüllen und dabei Lebsucht für sich und die Seinigen redlich zu bestreiten und er soll schweigen und dulden? — Gelingt cs endlich den immer rastloseren Bestrebungen in einigen Jahren jenes Prinzip der Willkühr im Buchhandel zu befestigen, zur Norm zu erheben, dann bedarf cs keiner Sortimenter mehr, welche die Lasten aller Art, die auf ihrem mühsamen Brodcrwcrbe ruhen, zu tragen geneigt sind, dann kann Ge vatter Schneider und Handschuhmacher, Gewürz- und Käse- krämcr sich so ne benbei mit Bücher-Verkauf beschäftigen und spcculiren auf <m gros Käufe bei der allezeit fertigen und zunehmenden Production. Also Polemik, in diesen Sachen wenigstens für die jetzt noch lebenden Sortimenter; ihre Racc wird ja doch einmal ausstcrben! Sie mögen sich wehren und helfen und glanz voll oder still untergchen, wie es sich gerade trifft! Kassandra. Neueste Industrie im Berlagsbuchhandel und ihr Einhalt durch den Sortimentsbuchhandel. Hr. Bcockhaus klagt irgendwo überdie immer mehr über hand nehmende Nachäfferei im Buchhandel, und mit vollem Recht, denn sobald irgend ein Artikel zu Markt gebracht wird, der durch die Fürsorge und den großen Geldaufwand seines Verlegers sich nur einigermaßen der Gunst des Publikums erfreut, fehlt es an Nachahmungen nicht, die dann ohne alle Rücksicht auf die Größe des kaufenden Publikums unternom men werden, und in der Regel auch ohne allen Gewinn für die Litteratur, und nichts als ein eilfertig zusammengetra genes Sammelsurium sind. Um nur ein Beispiel anzufüh ren: Schreiber dieses entdeckte zufällig in einer verbrei teten En cyclo pädie, daß dem Professor Earl Fried. Eichhorn, Verfasser der deutschen Staats- und Rechtsge schichte, auch die Autorschaft des Drama: Ehrimhilde, und einer mathematischen Abhandlung zugeschrieben wird; Arbei ten, die das Eigenthum zweier Brüder Eichhorn sind, welche 1824 in Göttingen studirten. So lassen sich wohl noch Beispiele in Menge auffinden. Auch Hr. Volckmar hat kürzlich Proben andrer Art mit- getheilt. Was aber zunächst für den Buchhandel Nachtheiliges aus den unzähligen Nachahmungen entsteht, ist die schnelle Preisherabsetzung von neuen Büchern. Diese drückt den Sortimentshandel am meisten; aber er hat zugleich selbst die wirksamsten Mittel in Händen, diesen »sus abzuschaffen, und diese sind: sich nur für diejenigen neuen Erscheinungen vorzugsweise zu verwenden, von denen zu hoffen ist, es werde ein Absatz erzielt, der es nicht nöthig macht, sobald an Her absetzung des Preises zu denken. Dies zu ermitteln, ist dem erfahrungsreichen Buchhändler nicht so schwer, und über nimmt er es, den Käufer bei der Wahl literarischer Produkte zu leiten, so wird auch für ihn der Gewinn nicht ausbleibcn. Die schlechte Waare und das zuviel, ohne alle Rücksicht auf möglichen Absatz, müßten bald aufhören, und nicht allein Production und Absatz zu einem natürlichen Verhältniß zurückgcbracht werden, sondern es stünde den gehaltvollen und nützlichen Schriften noch eine größere Verbreitung bevor; denn das Publikum würde seltner getäuscht und deshalb mehr Lust zum Ankauf von Büchern bekommen. Hier ist natür lich nur die Rede von der allgemeinen Literatur und was etwa von der wissenschaftlichen im weitern Sinne dazu gehört, weil vorzugsweise damit auf Absatz beim größern Publikum speculirt wird, und die besprochenen Manipulationen haupt sächlich in diesem Zweige der Literatur angewendet werden. Wenn auch nicht vollständige Abhülfe durch diesen Vorschlag erlangt werden kann, so würde seine Anwendung doch nicht ohne Nutzen für den Buchhandel bleiben. Eine Buchhandclsschule, namentlich nach der Idee des Hrn. F. Perthes, würde freilich diesen Mißstand und noch viele andere im Verlauf der Zeit schneller beseitigen helfen, als Mancher wohl glaubt. M. K. »
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