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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.06.1843
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- 1843-06-30
- Erscheinungsdatum
- 30.06.1843
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- Deutsch
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1907 60 1908 Dcnkfreihcit ist kein Geistesleben, ohne freie Mittheilung des Gedachten keine Dcnkfreiheit möglich. Man kann im Volke das freie Denken nicht ersticken, ohne zugleich jedes edlere Streben zu läbmen. Das Erdenleben ist wie Alles im unermeßlichen Reiche der Schöpfung ein schreitendes Entwickeln ; jedes Stocken bringt Verwirrung und Krank heit, jeder Zwang greift in Gottes Gerechtsame, und jedes Vergehen an den heiligen Rechten der Menschheit wird sich seiner Zeit rachen. Wie das Wasser des Meeres sich immer frei bewegen muß, damit es frisch bleibe, so der Geist des Menschen. Stillstand ist Rückgang. — Weise und gute Herrscher, die mehr das Wohl ihrer Völker als ihr eigenes im Auge haben, dürfen ohne Sorgen dem regen Treiben des Geistes zusehen. Je freier und ungestörter in einem Volke der Geist sich bewegt, desto weniger kann sich Trübes an dem Boden und an den Wänden ansetzen, und desto mehr ist cs auf dem Wege zur Klarheit und Tugend. Darum verkennen Regierungen das eigentliche Staats-Interesse, welche mit ängstlichen Strafgesetzen das Gebiet des Denkens umzäunen und durch strenge Bücher-Vcrbote aller höhern Einsicht Schranken sehen wollen. Geistesdruck hemmt den Gang alles Guten und empört die Menschen, wenn sic einmal in der Bildung so weit fortgeschritten sind, daß sie diesen Druck fühlen. Die Geschichte aller Zeiten und Wclt- gegendcn liefert unwidersprcchlichc Beweise, daß Throne, welche die cdelc Freiheit und die heiligen Rechte der Völker nicht ehren, fördern und schützen, über Vulkanen stehen, die ein unvcrmulhctes Ercigniß zum Ausbruch bringen kann. — Im Gebiete der Ueberzeugung hat die Natur nichts der Willkühr überlassen. Verbote freier Mitthcilung können höchstens erbittern, und das ist eben das Verderbliche, daß sie erbittern ohne zu schrecken. Jedes Volk, das einen gewissen Grad von politischer Reife und Ausbildung erreicht hat und sich eines rühmlichen Strebens bewußt ist, fühlt das Bedürfnis nach Freiheit der Rede und Schrift, die kein vorgczogcner Schlagbaum zu verhindern im Stande ist. Preßzwang ist keine haltbare Schanze für Regierungen, um von ihren Völkern politische Freiheit abzuhalten. Nur von einer falschen, durch Zeitumstände nicht zu entschuldigenden Ansicht geleitet, konnten selbst tüchtige Staatsmänner ein System begünstigen, welches aus seinem wahren Stand punkte betrachtet dem Interesse der Regierung nachtheiliger ist, als cs je, auch in seiner schlimmsten Ausdehnung, den Rechten des Bürgers werden kann. — Die Leichtigkeit, Ideen ins Publikum zu bringen, ist heut zu Tage so groß, daß jede Maßregel, die sie beschränken will, vor ihr zum Gespöttc wird. So lange das Lcsenlernen nicht verboten wird, hat jenes keine Noch; wie viel weniger noch, wenn bis unter den Birmanen und Maleien im fernen Ocean freie Druckereien entstehen. Denk- und Preßzwang, es kann nicht ausbleiben, wird und muß, trotz aller Verbote und Strafgesetze, ein gebildetes Volk allmählig andern Drucks entledigen und bis zur wahren Druckfreiheit sich legitimiren. Die Fortschritte oder Rückschritte des Lichts in der intellectuellen und moralischen Welt sind an Gesetze gebunden, die mit Polizeimäßrcgeln nichts gemein haben. Geistesbildung und freie Mitthcilung der Gedanken durch Rede und Schrift können nicht ohne einander be stehen. Es ist ganz einerlei, ob man das Reden und Schreiben, oder das Denken selbst verbietet, indem sich niemand die Mühe nehmen wird, zu denken, wenn das Resultat des Denkens nicht frei und ungeschmälert mitge- theilt werden darf. Unser Welttheil hat seine Ucberlegenheit offenbar gegen die andern nur seiner höhern Geistesbildung zu danken: nur durch sie war das alte Rom gegen die Barbaren mächtig worden; nur durch sie haben England und Frankreich in neuern Zeiten ihren Land und Meer beherrschenden Zepter so hoch über den Welttheil empor gehalten; nur durch sie konnte sich unter dem g ro ßen Fried r ich der kleine preu ßische Staat in die Linie der ersten und stärksten Europa's stellen. Je gebildeter und freier sich die Masse des Volkes fühlt, desto überlegener muß nothwendig der Staat gegen diejenigen sein, in welchen das Volk nur als Maschine gilt, und als solche sich bewegt. Da ohne freien Austausch der Ideen und Ansichten keine hohe Volksbildung möglich ist, und einzig durch diesen Austausch nützliche Kenntnisse ein Gemeingut werden: so sollte man von Regierungen viel eher erwarten, daß sie, anstatt ängstlich dem Gedanken Fes seln anzulegen und gleichsam dem Geiste die Schwingfcdcrn auszurupfcn, ihm volle Freiheit geben. — Große Männer, die für das Wohl des Vaterlandes glühen, haben die Dcnk- und Preßfreiheit nie gefürchtet. Guten und weisen Regie rungen schaden keine Meinungen und Anschläge, denn wo kein Pulver liegt, kann man die Leute ohne Gefahr rauchen lassen. Es fehlt nicht an Beispielen, daß Fürsten ohne allen Nachtheil Pasquille auf ihre Regierung an den Stra ßenecken zum leichtern Lesen tiefer anheften ließen. Nur kleine Gewaltsmänncr hassen das Licht wie Diebe, die im Dunkeln eher zurecht kommen. Es giebt für Herrscher nur eine gefährliche Waffe: die Verschwörung der öffent lichen Meinung, oder die anhaltende innige Bitte des Vol kes, welcher sie kein Gehör geben wollen. Wo man in einem Staate keinen Schritt aus sich herausgeben darf, wo das Wort der Klage oft verstummen muß, wo über jeden freisinnigen Gedanken eine strenge Censur wacht, wo man nur loben soll, was die Landeshoheit allergnädigst verfügt rc., da ist das aufgeklärte Volk übel daran, und kann unmöglich zufrieden und glücklich leben, — weil seine Rechte der Will kühr anheim gefallen sind. Sogar der Fürst ist dadurch des Mittels beraubt, den eigentlichen Zustand des Landes und die wahre Stimmung des Volks zu erkennen; er sieht und hört gewöhnlich nur seine nächste Umgebung , die sich viel fach eifrig bemüht, daß ihm nie etwas unter die Augen komme, was abstößt, nie das Gewimmer des bedrängten oder zu Boden getretenen Volkes an sein Ohr dringe. Gehemmter Gedankenvcrkehr und Preßzwang können unmöglich auf die Dauer weder dem Volke noch der Regie rung zum Heil gereichen. Mag das Verbot noch so streng sein: hinter stummen Lippen werden die Zähne knirschen bis sich zum Losbrcchcn eine Gelegenheit findet; und der Stoff, der sich als Licht mild und still umher gegossen hätte, wird sich so zur wild verzehrenden Flamme verdichten.—Die Regierungen sollten durch lange Erfahrungen endlich zur Ueberzeugung gekommen sein, daß Zwangsgesetze gegen den durch allerlei Umstände aufgeregten Geist der Völker nichts taugen, son dern nur mißtrauisch und unzufrieden machen. Es wird
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