Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 06.07.1847
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1847-07-06
- Erscheinungsdatum
- 06.07.1847
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18470706
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-184707062
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18470706
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1847
- Monat1847-07
- Tag1847-07-06
- Monat1847-07
- Jahr1847
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
810 s^?62 Satzungen der betreffenden Zunft, die dem an geistiger Bildung höher stehenden Jünglinge oft lästig sein mochten, eine förmliche Lehrzeit durchmachen mußte. Nach vollendeten Lehrjahren als Buchdrucker gestattete ihm der Vater, eine zweite Lehrzeit in einer Buchhandlung seiner Vaterstadt anzutreten. Er ergriff dieses mit der Buchdruckerei verwandte und sei ner geistigen Regsamkeit entsprechende Geschäft mit solchem Eifer, daß er sich in wenigen Jahren zum brauchbaren Gehülfen herangebildet und als solcher eine Stelle in der damals ausgezeichneten und in groß artigem Verkehr stehenden Buchhandlung von Eßlingec in Frank furt a. M. erworben hatte. Mit der Bereicherung seiner Kenntnisse in allen Theilcn des Buchhandels und derErwerbung einer großen Gewandtheit im geschäft lichen und geselligen Verkehr mit den gebildeten Ständen, brachte ihm diese Stellung noch den Vortheil öfterer Reisen und der damit verbun denen bildenden und belehrenden Lebenserfahrungen, und führte ihn für einen länger» Aufenthalt nach der französischen Weltstadt zu einer Zeit, in welcher eine Slurmfluth von Ideen auf dem geistigen und politischen Gebiete alle bisherigen Verhältnisse Umstürzen und neue Schöpfungen an deren Stelle setzen zu wollen schien. Es haben auch wirklich die Erlebnisse der damaligen Zeit in seinem jugendlich em pfänglichen Gemülhe einen bleibenden Eindruck hinterlassen, und sind selbst nicht ohne maßgebenden Einfluß auf seine künftige Lebenscichtung geblieben. Ueberdies fügte cs sich, daß in jener Periode eine Anzahl junger Männer sich in gleichem Geschäftskreise zusammenfand, die durch das Band inniger Freundschaft mit einander verbunden bis in die spätesten Jahre als ausgezeichnete Buchhändler in den verschiedensten Gegenden Deutschlands, der Schweiz und anderer Länder auf das erwachende geistige Leben großen Einfluß übten und darum allerwärts hohe Achtung genossen. Diese Auszeichnung wurde auch dem Verstorbenen zu Theil, und in Wahrheit darf man sagen, daß er selbst in den letzten Tagen, in denen er sich vom größer» Weltverkehr in sein räumlich-beschränk tes Stillleben zurückgezogen hatte, noch oft aus näherer und weiterer Ferne vielfache und ehrenvolle Beweise derFortdauer dieser Hochachtung und freundschaftlichen Theilnahme empfing. Behufs weiterer Ausbildung sah er sich nach einigen Jahren nach einer neuen Stelle um. Zufällig stand ihm die Wahl zwischen meh reren Plätzen offen; er entschied sich, meistens aus Neigung für die Schweiz und ihr freieres politisches und gesellschaftliches Leben, für die in anderer Beziehung weniger einladende Stelle in der Flick'schen Buchhandlung in Basel, ursprünglich in der Absicht, dort nur kürzere Zeit zu verweilen, die schönen Gegenden der Schweiz und ihr Volk näher kennen zu lernen und sich dann bald anderswohin zu wenden. Der feurige, junge Mann, der von den Ideen der Zeit mächtig angeregt und von den Ereignissen jener Tage bis in sein Innerstes er füllt war, erwarb sich bald in Basel und den übrigen Theilen der Schweiz warme und gleichgesinnte Freunde, deren Anhänglichkeit, Liebe und Achtung ihn bis an sein Lebensende erfreute. Hier machte er auch die Bekanntschaft seiner später» Gattin, Maria, geborne Ryhiner von Basel, mit welcher er im Jahr 1803 sich verband und 43 Jahre lang in glücklicher und gesegneter Ehe lebte. Schon im Jahre 1802 wurde er Thcilnehmec der Flick'schen Buchhandlung, und dann wurde zur weitern Ausdehnung des Geschäfts die Filialhandlung in hiesiger Stadt gegründet- Abwechselnd besorg ten bald Herr Flick, bald der Verstorbene die Geschäfte in Aarau, bis im Jahre 1805 verschiedene Umstände eine Trennung der Interes sen den Betheiligten wünschbar machten. Herr Flick behielt das ältere größere Geschäft, unser Verewigte übernahm das kleinere, beschränktere in Aarau. — Nach Feststellung dieserVerhältnisse übersiedelte er mit sei ner Gattin und dem im Jahr 1804 geborenen ältesten Sohne Re migius hieher zum bleibenden Wohnsitze, und verwendete von nun an alle seine Zeit und alle seine Kräfte auf Vergrößerung und Ausdehnung seines Geschäftes. In diese Zeit fällt seine Geschäftsverbindung mit dem um seine Vaterstadt Aarau hochverdienten „Vater Meyer", der damals große wissenschaftliche Unternehmungen vorbereitete und veranstaltete, wo durch ein Kreis von Gelehrten hieher und in die hiesige Umgebung ge zogen wurde, — und der in unauflösliche Freundschaft sich ausbildende Verkehr mit Herrn Heinrich Zschokke. Das Zusammentreffen aller dieser Männer in Aarau, das dadurch hervorgerufene geistige Le ben, und die durch dasselbe vermehrte größere Aufregung auch in wei tern Kreisen, die Ausdehnung der bestehenden und die Gründung neuer Unterrichtsanstallen, sowie die zunehmende politische Bedeutung von Aarau, als Hauptort eines neuen Kantons, blieben nicht ohne merkli chen Einfluß auf manche Verhältnisse der früher» kleinen Municipal- stadt, und trugen auch das ihrige dazu bei, dem mit geringen Mitteln begonnenen Geschäfte des Verstorbenen größere Ausdehnung und Fe stigkeit zu geben. Seine tiefe Einsicht, verbunden mit Sachkenntniß, praktisch-erprobter Gewandtheit und Thätigkeit, unermüdlichem Fleiße und Ausdauer brachten dasselbe bald auf eine solche Stufe, daß er in seinen nähern Umgebungen, sowie in weitern Kreisen, das vollste Ver trauen und ungeiheilte Achtung genoß. Seinen redlichen Bestrebun gen, seinem Fleiß und seinen wohlüberdachlen Unternehmungen fehlte der Segen von Oben nicht. Im Jahre 1805 erwarb er sich das Bürgerrecht der kleinen frick- thalischen Gemeinde Münchwylen und daraufdas ihm stets lieb gebliebene Kantons- und Schweizerbürgerrecht. — Im Jahre 1806 nahm ihn die Stadtgemeinde Aarau, wo er sich das Wohlwollen und die Achtung seiner neuen Mitbürger in hohem Grade erworben hatte, unter sehr günstigen Bedingungen zum Bürger an. Er vergalt seiner neuen Heimalh und seinem neuen Vaterlande durch treue und unerschütterliche Anhänglichkeit und durch warme Theilnahme an Allem, was ihr Wohl und Weh betraf. Bis fast an sein Lebensende widmete er seine Kräfte hauptsächlich den verschiedenen von ihm gegründeten und ausgebildcten Geschäfts zweigen. Nebenbei nahm er an allen gemeinnützigen Unternehmun gen, an allen Gelegenheiten zu milden Unterstützungen freudigen und thalkräftigcn Anlhcil. Politischen Beamtungen entzog er sich immer; cs war dies ei» Feld, das er, vielleicht aus Bescheidenheit, nicht betre ten wollte, das ihn aber auch seiner Formen und seiner Wandelbarkeit wegen nicht ansprach. Desto eifriger wirkte er dagegen durch Wort, Schrift und Druck für wahre Freiheit und Freisinnigkeit, und als Mit tel zu diesem Zwecke für Religiosität, Sittlichkeit, Volks- und Jugend bildung. Wenn irgendwie in unserm Vaterlande für die höhern Zwecke der Menschheit, für Völkerglück und Gesittung auf dem Wege der Belehrung und Unterstützung etwas geschah, konnte der Verewigte, ohne unbescheiden zu sein, von sich sagen: „quorum par- msKns sui." Das einzige öffentliche Amt, das er bekleidete, war die Stelle eines Mitgliedes des Bezirksschulrathes, der ec während mehrern Jahren mit solcher Vorliebe und Uneigennützigkeit sich widmete, daß längere Zeit, nachdem ihm die vorgerückter» Jahre den Rücktritt aus dieser Behörde zur Pflicht machten, noch seiner unverdrossenen und liebevollen Theil nahme und seiner namhaften Geschenke an Lehrmitteln in mehrern Landschulen, mit dankbarer Anhänglichkeit gedacht wurde. — Dagegen nahm er mit einigen seiner ältesten und treuesten Freunde an der Stif tung der aargauischen Gesellschaft für vaterländische Kultur und wäh rend vielen Jahren an ihren Arbeiten und Werken lebhaften Antheil. Er bekleidete auch während mehrern Jahren das Präsidium derselben. So wenig er größere Kreise suchte, eben so wenig war er geselliger Unterhaltung in kleinern, vertrauter» Kreisen abgeneigt. Hier zeigte sich erst seine ganze liebenswürdige Gemüthlichkeit und Geistigkeit, die Ernst und Scherz versteht, ohne zu langweilen oder zu verletzen. Seine schönste und liebste Erholung fand er im häuslichen Kreise, der sich all-
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder