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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 26.01.1870
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1870-01-26
- Erscheinungsdatum
- 26.01.1870
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- Deutsch
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270 Nichtamtlicher Theil. 20, 26. Januar. Verstorbene in zarter Jugend an Selbständigkeit. Bei Vandenhoeck L Ruprecht in Köttingen ging er 1827—1831 zur Lehre und bil dete sich hier nicht nur in seinem Berufe zu einem tüchtigen Arbeiter, sondern auch zu einem durchaus biedern, braven Charakter, wozu die liebevolle Behandlung, welche ihm im Hause seines Prinzipals zu Theil geworden, nicht wenig beigetragen haben mag. Da der Entschlafene damals besondere Vorliebe für das Studium der Me- dicin gefaßt hatte, verwendete er sein Taschengeld dazu, sich Leclio- ncn in den alten Sprachen geben zu lassen, um das Absolutorium vom humanistischen Gymnasium zu erlangen, und wirklich bestand er in Folge seiner Ausdauer in Verfolgung eines einmal gefaßten Entschlusses und seiner raschen Auffassung das betreffende Eramen. Gleichwohl blieb er dem Berufe des Buchhandels, um dem Wunsche seines Vaters nachzukommen, treu. Späterhin konnte man oft von ihm hören, wie wenig er dieses Opfer kindlicher Pietät zu bereuen hatte. Nach der Lehrzeit arbeitete Enke ein halbes Jahr laug im elter lichen Geschäft, nahm sodann eine Stelle als Geschäftsführer bei Kcsselring in Hildburghauscn an und im Jahre 1833 eine Stelle in der Bon'schcn Buchhandlung in Königsberg. 1835 war er kurze Zeit lang in der Nicgcr'schen Buchhandlung in Augsburg und ging sodann nach Wien, um hier in die Heubner'sche Buchhandlung cin- zutrctcn. Im August 1836 verließ er Wien, nachdem er die in der Kaiser stadt so reich gebotene Gelegenheit, sein nicht geringes Talent zum Zeichnen und Malen auszubilden, tüchtig benutzt hatte. Am 1. Januar 1837 übernahm er das Sortimentsgeschäft seines Vaters käuflich und ein Jahr darauf gründete er das Verlags- gcschäft, welches er in mehr als dreißigjährigem Betrieb zu einem der großartigsten und blühendsten in ganz Deutschland gestaltete. Wir berufen uns, statt einer Aufführung der Werke und Zeitschriften, Welche Ferdinand Enke verlegte, auf seinen Verlagskatalog zur Mi- chaclismcssc 1866 und erinnern hier nur an die Namen Canstatt, Virchow, Hcbra, v. Pitha, Billroth, Oppolzer, Wuudt, Vogel, v. Vi- vcnot, Kekulc, Bicrmer, Griesinger, Hirsch, Werber, Friedreich, Herz, N. v. Mohl, Mittermaicr, v. Maurer, Regel, Goldschmidt, Schletter, v. Schwarze u. a. m. Daß Enke als Verleger wirklich Großes leistete, darüber herrscht überall nur Eine Stimme. Was er ergriff, das ergriff er mit gan zer Seele, mit aller Energie eines starken Gemüthes, ohne ein Opfer zu scheuen und ohne sich durch Nathschläge Anderer oder an fängliche Mißerfolge irre machen zu lassen. Er suchte und fand nur im Schaffen Genuß. Seine Erholung von angestrengter Arbeit, welche er schon in frühester Morgenstunde zu beginnen sich gewöhnt hatte, war ihm meistens die sorgsame Pflege seines auf dem Berg rücken vor der Stadt Erlangen gelegenen Landsitzes, welchen er mit dein ihm angeborenen guten Geschmack zu einem kleinen Paradies gestaltet hatte, und in welchem er mit seiner Familie die glücklichsten Stunden und Tage verlebte. Gleiche Achtung und Liebe wie durch seine Geschäftstätigkeit wußte sich der Entschlafene durch seinen offenen, rückhaltlosen Cha rakter und durch sein überaus heiteres Gcmüth zu erwerben. Den meisten seiner Autoren war er deshalb auch Freund in des Wortes Wahrster Bedeutung. Er bewahrte sich bis an sein Lebens ende jene Kindlichkeit des Gemüthes, mit welcher er von Jeder mann stets nur das Beste glaubte; täuschte er sich in diesem Glauben, so trug er den Schmerz hierüber still in sich; wo er kein Lob crtheilen konnte, schwieg er. Seiner Familie war er Alles. Er hatte sich im Dcccmbcr 1836 mit Fräulein Frieda Leidncr verehelicht und lebte mit dieser dreißig Jahre lang in der glücklichsten Ehe. Der Tod der inniggcliebten Gattin war der erste Nagel zu seinem Sarge. Wie er immer mit aufopfernder Liebe für die Scinigen sorgte und ihn keine Mühe und keine Arbeit verdroß, um diesen eine Freude zu bereiten, so schied er auch schließlich mit Worten der innigsten Liebe und zärtlichsten Fürsorge aus dem Kreise, seiner das Kranken bett umstehenden Kinder. Der Schmerz um den Verlust des treff lichen Mannes aber ist weit über sein Haus und seine Vaterstadt, deren Zierde er gewesen ist, in alle deutschen Gaue gedrungen, überall gleich schmerzlichen Wiederhall findend. Misccllcn. Aus Berlin. — Von verschiedenen Seiten auf die in einer der letzten Nummern des Kladderadatsch enthaltene Anzeige und Empfehlung einer Monatsschrift für dieJnteressen des Urningthums, „Uranus" betitelt, aufmerksam gemacht, und specicll darauf, wie es kaum zu begreifen sei, daß der Buchhandel einem solchen schlüpf rigen Unternehmen die Hand biete, blieb mir einstweilen nichts übrig, als dem VcrmuthenAusdruck zu geben, daß sich einmal ein schlechter Witz bis in die Annoncen des Kladderadatsch verirrt habe. Doch die bereits erschienene erste Nummer fraglicher Zeitschrift zeigt, wie groß die Täuschung war und wie wenig Vertrauen man auf die Charakter festigkeit einzelner Kollegen haben darf. Cs fällt leider schon längst nicht mehr auf, wenn einzelne Berufsgcnossen, das edlere Ziel ihres Standes verleugnend, nur auf Profit ausgehcnund sich nicht schämen, in jeder Beziehung vcrabscheuungswerthc Literatur dem Volke zu gänglich zu machen, ja ihm dieselbe sogar noch recht anzuempfehlen. Daß von nun an aber noch eine Zeitschrift erscheinen soll, die das Publicum mit dem Treiben dieser leider ziemlich zahlreich vertretenen Menschenrasse bekannt machen, die dasselbe gleichsam über das Neueste auf diesem schlüpfrigen Gebiete an knie halten soll, das muß auch heute noch auffallen und entschieden gerügt werden. Ich will keineswegs dem Herausgeber dieser Zeitschrift entgcgentreten, dies ist nicht meine Aufgabe; der Vorwurf soll allein dem Verleger und ersten Beförderer dieses, gewiß dem Buchhandel nicht zur Ehre gereichenden Unternehmens gelten, gleichviel, ob das Werk eigener, oder Commissions-Verlag ist. Sollte derselbe sich wirklich nicht scheuen, Monat für Monat seine Firma durch die Fortsetzung zu prostituiren, dann bliebe freilich keine andere Hoffnung, als daß die Herren Sortimenter zur Ehre ihres Standes der Verbreitung dieser Schmutzschrift entschieden hindernd entgcgentreten. — r. Die lctzterschienene Nummer von Weber's Jllustrirter Zeitung bringt einen Nekrolog von Eduard Vieweg mit einemBrustbilde desselben, dessen meisterhafte Ausführung der rylographischenAnstalt des Verlegers wieder zu großer Ehre gereicht. Wenn auch die Leser des Börsenblattes den Lebcnsgaug des Verstorbenen schon durch den Artikel in Nr. 289 vom vorigen Jahre kennen gelernt haben, so bringt doch der vorliegende die eigentliche Persönlichkeit Vicweg's, namentlich auch in Hinsicht seiner geschäftlichen Wirksamkeit, noch ausführlicher zur Darstellung und wir wollen darum nicht unter lassen, auf dessen Lectürc besonders aufmerksam zu machen. Nachtrag zu dem Vcrzeichniß der in Preußen steuerpflich tigen Zeitschriften für 1870 re. in Nr. 8 d. Bl. : Maschincn-Constructcur. Leipzig. Jährl. Stcuerbetrag 15 Sgr. Personalnachrichtcn. An Stelle des verstorbenen Hru. Ör. Adolph Barth ist Herr Ludw. Roßberg hier zum stellvertretenden Mitglied der 1. Sce- tion des Sachverstäudigen-Vercins für literarische Erzeugnisse und Werke der Kunst ernannt worden. Am 20. Januar feierte der Markthelfer Carl Grund in Halle sein 25jähriges Dienstjubiläum in der Buchhandlung von Richard Mühlmann. Den20.Januar 1845 trat er, schon als Familienvater, diesen Dienst an und noch heute bekleidet er denselben in voller Manueskraft und gedenkt, so Gott will, in einigen Jahren seine ' goldne Hochzeit zu feiern.
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