Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 31.01.1870
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1870-01-31
- Erscheinungsdatum
- 31.01.1870
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18700131
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-187001319
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18700131
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1870
- Monat1870-01
- Tag1870-01-31
- Monat1870-01
- Jahr1870
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
322 Nichtamtlicher Theil. 24, 31. Januar. Nichtamtlicher Theil Ucbcr die chinesische Literatur. Von Otto Mühlbrecht. Bei dem Interesse, welches die gegenwärtig in Deutschland weilende chinesische Gesandtschaft — die erste, welche jener mächtige Staat nach Europa abgeschickt — überall erweckt, bei den Hoffnun gen, welche man mit Recht an den Abschluß freundschaftlicher, na mentlich Handels-Verträge zwischen dem Norddeutschen Bunde und China knüpft, dürften einige Mittheilungen über die chinesische Li teratur unfern Lesern gewiß willkommen sein. Die buchhändlerische Verbindung mit China und Japan, überhaupt mit dem fernen Osten, wird zur Zeit von Europa aus nur von wenigen Firmen, namentlich in London, Amsterdam und Paris, unterhalten, unter welchen Trübner L Co. in London bekanntlich obenan stehen. Der von diesem Hause veröffentlichte lüternr^ Rooorä ist so ziemlich die einzige Quelle, welche uns Kenntuiß von den literarischen Erscheinungen jener fernen Länder gibt, und finden wir darin sehr oft Werke von großem Ilmfange und von gewiß hoher wissenschaftlicher Bedeutung, welche auf die regste Thätigkeit der dortigen Gelehrten schließen lassen. Allerdings stellt sich bei den meisten dieser Werke durch die schwierige Beschaffung derselben der Preis ungemein hoch, und so ist es denn auch nur besonders reich dotirten Bibliotheken — und deren sind nicht viele — oder begüterten Privatleuten vergönnt, diese Bücher zu kaufen. Am meisten Absatz findet die chinesische, überhaupt die orientalische Literatur in England, der deutsche Buchhandel kommt im Allgemeinen wenig damit in Berührung. Man zahlt in Deutsch land bekanntlich nicht gern so hohe Preise. Und welche Summen die Beschaffung verschiedener, allerdings hervorragender, chinesischer Originalwerke kosten würde, kann der Leser aus nachstehenden Mit- thcilungen ermessen, welche wir dem holländischen IBouvsblnck voor cls» bosklmncksl entnehmen. Ilr. Legge, der bekannte englische Philologe, begann im Jahre 1861 die Herausgabe einer von ihm in's Englische übersetzten und mit Erläuterungen versehenen Ausgabe der chinesischen Classiker. Es währte nicht lange, so wurde der erste Theil seiner Uebersetzung in Amerika ohne sein Vorwissen nachgedruckt. Seine Anmerkungen wurden in diese Ausgabe nicht nur nicht ausgenommen, sondern von dem Nachdrucker bestritten, ja sogar häufig lächerlich gemacht. Auf diesen Angriff hat Legge kürzlich als Antwort den ersten Band einer neuen Ausgabe veröffentlicht, welche den Titel führt „6bins8selss8io8 krauslntsck into snAlisb vitll prsliiuiuar^ sssa^sauä srpls.unt»r^ notss." Aus diesem Werke erfahren wir über die chinesische Litera tur Folgendes: Als Begründer ihrer Literatur und ihres, mit dem ganzen pa triarchalischen Staatswcsen innig verbundenen Gottesdienstes ver ehren die Chinesen den bekannten Philosophen Confucius (Kong- Foc-Tse), welcher die alten Ueberlieferungen und Traditionen sam melte und ordnete. Die chinesische Literatur ist eine der selbstän digsten, umfangreichsten und ältesten aller östlichen Länder, die Chi nesen behaupten, sie habe schon 500 Jahre vor unserer Zeitrech nung cristirt, ja es wird sogar von ihnen die Behauptung aufgestellt, die Buchdruckerkunst sei in China 860 Jahre früher als in Europa erfunden. Dagegen erzählt wieder ein anderer sehr glaubwürdiger chinesischer Gelehrter, Tsching-Kong, das Drucken mit beweglichen Lettern sei von einem Schmied etwa um's Jahr 1040 n. Chr. erfun den. Die losen Buchstaben, en rslist auf Kupfer oder Eisen gra- virt, schienen indessen nicht des allgemeinen Beifalles sich zu erfreuen, denn man gab dem tabellarischen Drucke den Vorzug, und wenn auch vielfach Versuche mit dem Gießen loser Buchstaben gemacht wurden, so hatten sie doch keinen Erfolg, weil die Schriftmassc nicht gut com- ponirt war und weil man sich keine Matrizen zu verschaffen wußte. Erst später, als die Buchdruckerkunst über ganz Europa verbreitet, und die Kunst, Lettern in Matrizen zu gießen, kein Geheimniß mehr war, wurden in China die alten in Holz gravirten Formen abge schafft und fing man an, mit losen metallenen Buchstaben zu dru cken. Im Jahre 1776 wurde vom Kaiser Khien -Long in einem Lo cale des kaiserlichen Palastes eine Buchdruckern eingerichtet. Das Papier wurde in China im Jahre 95 n. Chr. erfunden und meistens aus den Fasern desBambus oder des Kattunbaumcs ange fertigt. Die Preise der Bücher sind in China viel niedriger als in Europa und nur die für Rechnung der Regierung gedruckten Werke sind selten und theuer. Bei den meisten Büchern wird eine Subscription er öffnet, ehe sie zum Druck befördert werden. Finden sich viele Snb- scribenten, so wird das Buch gedruckt, ist das nicht der Fall, so er scheint auch das Buch nicht. Selten geschieht cs, daß ein Buch auf Kosten des Herausgebers gedruckt wird. Es finden sich in allen grö ßeren Städten, namentlich in Peking und Hongkong Buchhandlun gen, der Ccnlralpunkt des Buchhandels war früher die Stadt Sut- Schue. Ansehnliche Bibliotheken besitzt jede größere Stadt, in erster Reihe Peking und Nanking; dabei unterhält jeder gebildete und bc- mittelteMann seine eigene größere oder kleinere Bibliothek. Die Zahl der im Druck erschienenen Bücher ist ganz unberechenbar, man kann sich aber einen ungefähren Begriff von der enormen Anzahl machen, wenn man bedenkt, daß der Katalog der Bibliothek des Kaisers Khien- Long 122 Theile umfaßt und daß eine mit Unterstützung des genann ten Kaisers begonnene Ausgabe der chinesischen Classiker mit erklä renden Anmerkungen nicht weniger als 163000 Bände ausmachen sollte, wovon denn auch wirklich bis zum Jahre 1818 die bescheidene Zahl von 78731 Thcilen erschienen ist; wenn man ferner bedenkt, daß der Kaiser Khang-Hi im Jahre 1662 auf Veranlassung von Missionären 250000 Lettern in Kupfer graviren ließ, womit eine Enchklopädie von 5000 Theilcn gedruckt wurde. Die Chinesen theilen ihren Bücherschatz in 4 Gruppen: Heilige Bücher, historische Bücher, Lehrbücher und schönwissenschaftlichc Li teratur. In den 5 heiligen oder elastischen Büchern, Kings genannt, findet man die ältesten Denkmale der chinesischen Poesie, Geschichte, Philosophie und Gesetzgebung. Confucius stellte diese aus verschie denen Quellen im sechsten Jahrhundert v. Chr. zusammen, und wie er sic redigirt hat, so haben sie sich noch bis heute erhalten. Die 5 Kings haben die Titel 1) L-LinA, Naturphilosophie; 2) 8obu-Liux, Buch der Geschichte; 3)8olli-Uiug, das Buch der Lieder; 4) 'l'sollün- tsllivn, das Buch der Gesetze, Sitten und der Staatswissenschaft; und 5) lü-Xiux, die Gebräuche und Ceremonien. Diese Kings, na mentlich das letzte, enthalten, ausgenommen das älteste, welches bis zu einer Fabelzeit zurückgreift, die Geschichte und die Religionsein richtungen, auch die Grundzüge der Regierungsform und des Staats rechtes, des bürgerlichen Lebens, häufig gewürzt mit Sprüchen, Sen tenzen n. dergl. Die meisten dieser Kings wurden in das Lateini sche, Französische und Deutsche, auch in das Holländische übersetzt. Fr. Rückcrt z. B. hat den 8obi-LioA im Jahre 1833 in's Deutsche überseht und herausgegeben. Nächst den Kings haben die Soe-schu, vier von Confucius und seinen Schülern geschriebene Bücher, am meisten literarischen Werth und Bedeutung. Die Namen derselben sind: 1) Da-ino, enthal tend die Lehre, ein Volk weise zu regieren, wovon Confucius selbst die ersten Capitcl geschrieben hat; 2) DsobonA-^uuss, in welchem ge lehrt wird, wie man im Leben die Extreme vermeiden, und in allen Dingen die rechte Mitte halten kann; 3) Imn-z-ü, die Gespräche zwi schen Confucius und seinen Schülern, von einem der letzteren nach dem Tode des Meisters geschrieben; 4) die Schriften des hervorragend-
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder