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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 09.02.1870
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1870-02-09
- Erscheinungsdatum
- 09.02.1870
- Sprache
- Deutsch
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Erlchemt «uher Sonntag- täglich. — BiS früh 9 Uhr eingehende Anzeigen kommen in der nächsten Nummer zur Aufnahme. Börsenblatt für den Beiträge für das Börsenblatt sind an die Nedaction, — Anzeigen aber an die Expedition deSselbe» zu senden. Deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige. «igenthum de« BörsenvereinS der Deutsch,» Buchhändler. ZS. Leipzig, Mittwoch den 9. Februar. — Nichtamtlicher Theil. 1870. Die deutsche Druckschrift. II.') Eine ganz andere Frage ist, ob wir zweckmäßig handeln, wenn wir unsere nationale Druckschrift, die einen verhältwßmäßig kleinen Verbreitungsbezirk auf der Erde hat, in einer Zeit beibehalten wollen, wo man jede Erleichterung des internationalen Verkehrs begünstigt, und in Münze, Maß, Gewicht die altheimische Ueber- liefcrnng aufgegcben hat. In Wahrheit hat die Frage, ob Fractur, ob Antiqua, für uns einige Aehnlichkcit mit der Frage, ob Silber-, ob Goldwährung. Es ist kein Zweifel, daß unsere Druckschrift die Verbreitung deutscher Bücher nicht begünstigt, und wir haben uns von Jacob Grimm sagen lassen, daß sie allen Fremden widerlich ist. Es ist kein Zweifel, daß dem gebildeten Engländer und Fran zosen, selbst wenn seine Sprachkenntuiß ihn befähigt ein deutsche? Buch zu lesen, die deutsche Druckschrift fast immer so ungemüthlich bleibt, wie dem großen deutschen Lcscpublicum die lateinische, z. B. in der Zwickauer Uebersetzung von Walter Scott, welche zu ihrer Zeit allen Leihbibliothckarcn verhaßt war. Man wird gut thun, diese Frage recht nüchtern zu beantworten. Ist ein Buch auf einen verhältnißmäßig kleinen Kreis von Lesern angelegt, welche verschiedenen Nationalitäten angchören, z. B. wissenschaftlicheUnter- suchungcn, so wird die Benutzung lateinischer Lettern dem Autor und Verleger als vorteilhaft erscheinen, bei allen Werken, welche vorzugsweise für die Deutschen geschrieben sind, vollends bei denen, welche ihre Leser auch in den kleinen Kreisen des Volkes zu suchen haben, wäre ein Ausgcben der deutsche» Druckschrift nicht nur eine Thorhcit, auch ein Unrecht. Es ist aber auch gar kein Grund, prinzipiell, durch Mahnung und Einwirkung auf Schule und Volk unsere Schrift zu beschränken. Im Gcgentheil, wir wolle» diese Eigentümlichkeit germanischen Lebens nicht über ihren Werth schätzen, aber wir wollen sie als ein kleines vertrantes Erbstück von unfern Ahnen her auch nicht weg werfen, um den Fremden zu gefallen. Zuerst kommen unsere Lands leute, dann erst die Fremden. Wenn der Fremde unsere Geschichts bücher, Erzählungen, Gedichte deshalb mit geringerem Behagen liest, weil er sich an den Buchstaben stößt, so ist das seine Sache. Uns soll mehr daran gelegen sein, daß unsere Nächsten, d. h. unsere Landsleute, die Lcctürc behaglich finden. Und unsere Schriftsteller haben sich nur Mühe zu geben, recht Vortreffliches zu schreiben, um die Fremden zur Bekanntschaft mit den deutschen Buchstaben zu zwingen. Auch die lateinische Schrift, die Antiqua, hat in Deutschland eine geschichtliche Entwickelung. Im Laufe des fünfzehnten Jahrhunderts wurden deutsche und lateinische Werke mit derselben Schrift geschrieben und nach Erfindung der Buchdruckerkunst auch mit derselben Schrift gedruckt. Der Bamberger Drucker Pfister druckte z. B. seine lateinische 36 zeitige Bibel (1456 —1460) genau mit denselben Typen, mit denen er Boners Fabelbuch (1462) und die Vier Hi storien (1462) herstellte. Bald fing man indeß an, die runde Schrift wieder in Schrift und Druck anzuwenden, wofür damals die Veranlassung nahe lag. Rudolph Lange (1439 —1519), Ru dolph Agricola (1443—1485), Alexander Regius und andere waren in Italien gewesen, hatten dort italienische Schreibweise kennen gelernt, und brachten den Eifer für die Studien des classischen Alterthums in ihre Heimath. Bald wurden Schulen nach dem Muster der italienischen Lehranstalten eingerichtet und über haupt eine Thätigkeit entfaltet, welche nur in dem Studium der Naturwissenschaften ihres Gleichen hatte. Alles sehnte sich, mög lichst viele Autoren des Alterthums so rasch als thunlich kennen zu lernen, und griff, wo dieses immer geschehen konnte, nach den in zwischen in Italien gedruckten Ausgaben, da Handschriften sowie Drucke in Deutschland selten waren. Dadurch wurde aber die in Italien nach handschriftlichen Vorlagen zum Druck angewendete und bereits vielfach verbesserte römische Schrift, die Antiqua, bekannt und uachgeahmt. Der erste, welcher mit dieser sogenannten vcnetia- nischen Schrift druckte, war der Augsburger Drucker Günther Zainer (1468 — 1475), aus dessen Officin mit diesen der römi schen Schrift nachgcschnittenen Typen 1472 Isiäori gunioris Ilisxa- lonsis spisoopi lübsr äs rssponsious rnunäi st astrorum orcli- uationo hervorging, dem bald andere ähnliche Drucke folgten. Die Schrift vermochte indeß ihr Vorbild nicht zu erreichen und bedurfte, wenn sie hinter der inzwischen sehr verbesserten Fracturschrift nicht wieder verschwinden sollte, eine sorgsame Fortbildung, die ihr auch durch den Straßburger Drucker Johann Mcntelin (1473 — 1478) wurde, welcher ihr einen festen Boden in Deutschland schuf. Die nächstfolgende Generation begnügte sich mit dem Geleisteten oder copirte die Schriften der Drucker Oporius und Frobenius, bis man endlich im siebenzehnten Jahrhundert, namentlich durch die Schönheit der holländischen Drucke veranlaßt, holländische Matrizen verschrieb. Ti Ehrhardischc Druckerei in Leipzig war eine der ersten, welche solche > ypen aus Amsterdam erhielt. Erst später traten wie der selbständ e Arbeiten auf, und zwar zuerst von Nürnberger Künstlern, w he sich indeß noch nicht von den holländischen Mustern loszusagen vermochten. Dies blieb der neuesten Zeit Vorbehalten, der cs auch gelang, eine schöne Antiqua in Deutschland herzustellen. Immer wurde aber die Antiqua nur zum Druck von lateini- nischen, französischen re. Werken angewendet, während in deutscher Sprache geschriebene Bücher nur mit Fracturschrift gedruckt wurden. 63 I. S. Nr. 30. Siebenunddreißigster Jahrgang.
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