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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.06.1870
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- 1870-06-13
- Erscheinungsdatum
- 13.06.1870
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- Deutsch
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^1L 132, 13. Juni. Nichtamtlicher Theil. 1991 ihn erscheinen als das, was er war und wie er es war, als den streb samen, unermüdlich thätigcn, auf die Personen der Geschichte seiner Zeit wirkenden, rathenden, helfenden, bei aller Einsicht und Kenntniß doch wohlwollenden und bescheidenen, immer aber charaktervollen und fittenreincn Gelehrten, Künstler, Schriftsteller und Menschen. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes sein." Friedrich Wilhelm Gubitz war geboren am 27. Febr. 1786 zu Leipzig. Anfangs für die theologische Laufbahn bestimmt, wandte er sich später der Holzschneidekunst zu, die er unter Mitwirkung seines Vaters, eines gewandten Stahlschneiders, erheblich verbesserte. Das Unglücksjahr 1806 beraubte ihn des Gehaltes, den er als Professor der Holzschneidekunst an der Berliner Akademie bezog, und drängte ihn in die schriftstellerische Laufbahn hinaus. Einige patriotische, gegen die Franzosenwirthschaft gerichtete Artikel in seiner Zeitschrift „Das Vaterland" (die auf dem Umschläge den Titel„Fcuerschirme"trug) brachten ihm (1809) eine fünfwöchentliche Haft ein. Nach seiner Befreiung kehrte er mit neuem Eifer zu seiner Holzschneidekunst zurück. Neben einer großen Anzahl vor züglicher Holzschnitte lieferte er auch kleinere dramatische Arbeiten, von denen manche die Runde über die deutschen Bühnen machten. Für Aufklärung und Volksbildung sorgte er durch seinen „Gesell schafter", eine langlebige Zeitschrift, die sich viele Jahrzehende hin durch erhielt und selbst die Stürme des Jahres 1848 überdauerte. Einer allgemeinen Anerkennung und Beliebtheit hatten sich seine Theaterkritiken zu erfreuen, die er seit 1823 für die Vossische Zeitung schrieb. Sein „Jahrbuch der deutschen Bühnenspielc" (1822—66) trug viel zur Veredlung des Geschmacks und zur Hebung der kleinern Bühnen bei. Sein „ Deutscher Volkskalender" endlich, in welchem Gubitz' schriftstellerische und künstlerische Gaben so vortheilhaft zu sammenwirkten, und der überall in deutschen Landen ein gern ge sehener Gast war, wurde das Muster für unzählige Unternehmun gen ähnlicher Art und machte den Herausgeber zu einer volksthüm- lichen Persönlichkeit. Für seine 1822 gegründete Vercinsbuchhand- luug und Buchdruckcrci war er noch bis in sein spätes Alter mit Eifer thätig. (Dtsch, Allg. Ztg.) Alexander von Humboldt's Bibliothek.*) I. Die Tagesblättcr brachten vor kurzem nach dem neuesten Hefte von Silliman's „American Journal" die erfreuliche Nach richt, daß die kostbare Bibliothek, die Alexander von Humboldt hintcrlicß, nicht, wie man seiner Zeit vielfach befürchtet hat, zer streut wurde, sondern in würdiger Weise vereinigt gehalten wird. Dieselbe ist in dem Besitze des Hrn. Stevens aus Vermont, in London wohnhaft, welcher sie kurze Zeit nach Humboldt's Tode er warb und, wie er in der genannten Zeitschrift meldet, „durch ihr Studium zu manchen interessanten Schlüssen in Bezug auf den be rühmten Naturforscher" gelangt ist. Dieser Herr beginnt in Silli man's Journal die Veröffentlichung einer Reihe von Artikeln über Humboldt und seine Bücher, welche indeß bis jetzt weiter nichts Neues bringen, als daß ein Drittheil der 17,000 Bände starken Bibliothek selbst im Britischen Museum nicht vorhanden ist und daß derselben ein viel größerer Werth innewohnt, als man nach den eigenen Aenßernngen Humboldt's geschlossen. Wurde doch der Um stand, daß dieser Forscher fast ganz ohne Bücher sei, in Amerika früher nicht selten als Grund gegen die Errichtung von Bibliotheken angeführt! Ohne Hrn. Stevens' „interessante Schlüsse" und „Artikel über Humboldt und seine Bücher" gelesen zu haben, können wir aus ge nauer Kenntniß der besagten Bibliothek und ihrer Schicksale erklären, *) Aus der National-Zeitung. daß seine Nachricht nur ein echt amerikanischer Humbug, eine Reclame für einen bibliopolischen Schwindel ist. Das Schicksal der Bibliothek Humboldt's ist in Kürze folgendes: Sie umfaßte außer den Karten, Kunstgcgenständen, Medaillen, Diplomen, astronomischen und physikalischen Instrumenten und eini gen Naturalien etwa 9000 (nicht 17,000) Bände, deren Werth in der ersten Zeit nach dem Tode Humboldt's außerordentlich über schätzt wurde. Es hat dem glücklichen Erben der ganzen fahrenden Habe nicht an gefälligen Colporteuren gefehlt, welche die fabelhaftesten Sensationsnotizen über dieselbe in die Zeitungen brachten. Bald sollte der Berliner Magistrat, bald der damalige Prinz-Regent, bald sollten Engländer, bald Amerikaner sie ganz oder in einzelnen Theilen zu kaufen beabsichtigen und schon 50,000 Thlr. dafür ge boten haben. Das Ende war, daß die Berliner Buchhandlung Asher L Co. sie im Sommer 1860 für 10,000 Thlr. kaufte und nach London schickte, von wo sie für anderweitige Rechnung auf amerikanischen Markt nach New-'Aork gebracht werden sollte Die kriegerischen Er eignisse in Amerika vereitelten aber die Ausführung dieser Specula- tion und die Bibliothek sollte von der Buchhandlung Sotheby, Wil- kinson <L Co. in London in öffentlicher Auction versteigert werden. Ein gedruckter „OataloAus ob tbs irrst Portion ok Ilnmbolät librar^" enthält in alphabetischerOrdnung die Buchstaben -4—IN-o- bsrvillo: äöennv. AäoAr. äavs I'tls äs ÄaäaAnsoar, 3161 Num mern, unter denen, wie gewöhnlich in solchen Katalogen, die meisten nicht aus der Bibliothek Humboldt's herrühren. Aber schon am drit ten Tage nach Beginn der Auction, im Juni 1865, vernichtete eine Feuersbrunft das Auctionslocal mit allen darin aufgespeicherten Bücherschätzen, was seiner Zeit im „Quart. Review" ausführlich besprochen wurde. Ob und was von der Humboldt'schen Bibliothek durch früheren Einzclverkaus erhalten blieb, war nicht zu ermitteln. Im Allgemeinen war, wie schon bemerkt, ihr Werth sehr über schätzt worden. Das Entstehen dieser Berliner Bibliothek Humboldt's begann erst nach seiner Ucbersiedelung nach Berlin 1827, also erst im letzten Drittheil seines Lebens. Seine Büchersammlung in Paris hat er meist verschenkt, nur sehr wenig davon nach Berlin mitge bracht, und auch hier hat er hochherzig mit Hunderten von Werken Andere erfreut, wenn sie dieselben bei ihren Arbeiten brauchen konnten. Hierzu kam noch: Humboldt hat im Allgemeinen nur wenig oder gar nichts gekauft. Von einer großen Anzahl von Werken waren nur die ersten Thcile vorhanden, welche ihn: Verleger und Autoren als Erstlingsopfer dargebracht hatten, um das unaus bleibliche freundliche Dankeswort, das meist nur der persönlichen Artigkeit galt, in Reclamen, als gälte es dem Werke, für Eitelkeit und Gewinnsucht auszumünzen. Und war dieser Zweck beim ersten oder zweiten Bande erreicht, so unterblieb die Zusendung der Fort setzung. In vielen Werken fehlten einzelne Beilagen, Karten, Ta bellen, die Humboldt anderweitig verbraucht hatte. Selbst seine eigenen Werke waren nicht vollständig vorhanden. Er soll gesagt haben: „Ich habe nie Geld genug gehabt, um mir ein vollständiges Eremplar meines amerikanischen Neffewerkes anzuschaffen;" es kostet in der That in der Prachtausgabe über 2000 Thlr. Allerdings aber vereinigte die Bibliothek Hunderte der seltensten und werthvollsten Werke, welche ihm von Fürsten, Negierungen, Akademien, gelehrten Gesellschaften, Freunden und Verehrern, in Gesinnungen der Freundschaft, Verehrung und Dankbarkeit dargcbracht worden waren, Werke, die zum Theil Unica, zum Theil wegen ihres außerordentlich hohen Preises höchst selten vollständig zu finden sind, wie z. B. die ObaloaKi-LpIns än Llusäs Uo^nl, 83 Bände in größtem Oliphantformat und pracht vollsten Ledcrbändcn, ein Geschenk König Ludwig Philipp's, deren werthvollcn Bestandtheil die sämmtlicheu Platten der Nablsanx än 283*
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