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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.04.1868
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1868-04-29
- Erscheinungsdatum
- 29.04.1868
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
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- Saxonica
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1114 Nichtamtlicher Theil. JZ 97, 29. April. Nichtamtlicher Theil. Sein unä ^Veräen im cksutsoftsn Luekdanäsl. Von Lrust ^uwen- los. 8. 64 8. ^Itonbur-A 1868, kiersr. Der Buchhändler ist noch selten mit Glück unter die schrift- stellcrnden Humoristen gegangen. Von dem wenigen auf diesem Ge biete Geleisteten ist nur der kleinere Bruchtheil genießbar. Ge zwängte Lustigkeit, die gern für wirklichen Humor genommen sein möchte, platte Gedanken, gewöhnliche Sprache: das sind die Eigen schaften, welche die Mehrzahl dieser schriftstellerischen Kleinigkeiten charakterisiren. Es erscheint daher das Mißtrauen gerechtfertigt, mit dem man jeder neuen Schrift dieser Gattung entgcgentritt. So auch hier. Denn der Verfasser verbirgt sich zweifellos hinter der Maske der Pseudonymität und selbst die beste Firma wird nicht behaupten Wollen, daß die von ihr verlegten Bücher alle gut seien. Um so angenehmer ist die Ueberraschung, welche vorliegendes Schriftchcn zu bereiten im Stande ist. Es ist ein witziger Kopf, der die Blätter schrieb, denn schon zur Anlage des Ganzen, zur Con- struction der dem Büchlein zu Grunde liegenden Geschichte gehört Witz, che noch an die eigentliche Ausführung gedacht werden konnte. Diese aber ist voll guter Laune, voll harmlosen Scherzes und sie entbehrt dabei doch nicht der ernsten Grundlage, der Klagen über Mißstände im deutschen Buchhandel und der Vorschläge wie ihnen abgeholfen werde- Der Verfasser hatte den originellen Einfall, neben dem Buch handel der Gegenwart ein Stück Zukunftsbuchhandel zu entrollen. Und wie macht er das? Der Held seiner Geschichte kommt anno 1880 in die Lehre und hinterläßt 1905 die Blätter, die wir gedruckt vor uns sehen. Aber noch nicht genug! Während er auf diese Weise den Zukunftsbuchhandel vorstcllt, gibt sein Oheim, der nach fünf jähriger buchhändlerischcr Thätigkeit Kaufmann ward, in seinen Auf zeichnungen über den Sortiments- und Antiquariatsbuchhandel der Gegenwart, oder — um uns auf den Standpunkt des Buchs zu stellen — einer Zeit, die schon längst ein überwundener Standpunkt ist. In welcher Weise unser Autor diesen Stoff geschickt gruppirtc, ist rasch errathen. Die Mittheilungen des Onkels, der, so sehr er auf den Buchhandel grollt, ihm doch innerlich noch sehr zugethan ist, geben Gelegenheit zu einer Schilderungeines mittleren Sortimenters, des „gemeinen Haus- und Hofbuchhändlers" (analog dem Haus und Hofhund), der von der Natur augenscheinlich dazu bestimmt ist, „seinen Nebenmenschcn Dienste zu erweisen; und während sonst der Empfänger dankbar ist für erwiesene Dienste, so fällt es dem Buchhändler zu, dankbar zu sein für die Freundlichkeiten, die von ihm gefordert werden." Die nun folgende Schilderung ist höchst ergötzlich und behandelt eingehend das Verhältnis des Sorti menters zu seinen Kunden und zum Verleger, das moderne und wirkliche Antiquariat in seinen Beziehungen zu den übrigen Zweigen des Buchhandels und zum Publicum: oft trockene Gegenstände, in höchst liebenswürdiger Form behandelt. Ein zweites Convolut des Oheims bespricht „den Buchhandel als Colonie der Dummheit". Der Autor läßt hierin den alten Herrn scharfe Reden führen und könnte man diesem auch etwas Pessimismus zum Vorwurf machen, so wird man seinen Behauptungen im Allgemeinen beistimmen müssen. Das dritte Convolut des Oheims redet von dem Verfall unseres Sortimentshandels und sucht ihn in der Leichtigkeit, die zur Gründung des Geschäfts nöthigen Vorbedingungen zu erfüllen, in dem raschen Creditgebcn der Verleger und in dem Mangel an Risico. Hierzu treten noch als weitere Uebelstände das Ansichtsversenden und das moderne Antiquariat n. a. m. Alles das führt der Oheim in drastischer Weise dem Neffen vor die Augen, aber der Junge bleibt 4cst und wird trotzdem Buchhändler. Die aus der Lehrzeit des Helden gegebenen Aufzeichnungen enthalten — so darf man wohl annehmen — die geheimen Wünsche unseres pseudonymen Autors. Er will vor allem den Unfug des An- fichtsversendens abgeschafft haben, denn das von ihm geschilderte Sorti mentsgeschäft weiß davon nur wie von einer längstverklungenen Sage. Statt der Traglasten von Büchern erhalten die Kunden jetzt — anno 1880 — die „Literaturzeitung des Börsenvereins deutscher Buch händler", eine für das Publicum bestimmte Wochenausgabe des „Börsenblattes". Auch eine „Allgemeine Literaturzcitung" erscheint in einzelnen für sich verkäuflichen Abtheilungen. Infolge hiervon hat sich Leipzigs Bedeutung noch wesentlich gehoben und „jetzt befinden sich in Leipzig Niederlagen von den größeren Verlegern der ganzen Erde". Weiter erzählt der Held sehr ausführlich von der Art, wie das Geschäft seincsPrinzipals spccialisirt war, eine Lieblingsidec des Autors, die auch in den früheren Abschnitten durchklingt. Es liegen hierin für kleinere wie größere Sortimenter gewiß zu beherzigende Winke. Ferner ist die oft ventilirte Frage, ob die Commissionäre nicht lediglich Spediteure, sondern wirkliche Verlagslieferanten für den kleineren Sortimenter werden sollten, praktisch gelöst und zwar bejahend. Auch zwei Messen werden jährlich für Antiquare abge halten, nachdem man angefangen, nur Fachantiquariate zu haben. Es möge das Wenige genügen, um auf das treffliche Schriftchen aufmerksam zu machen. Der Verfasser ist ein Humorist mit der lachenden Thräne im Wappen, und man merkt ihm an, daß es ihm ernst ist mit seinem Beruf und daß er bessern und helfen möchte. Er gibt neue Ideen, und wenn man sie theilweise bekämpfen könnte, so wird man es nicht thun ohne Achtung vor dem Gegner. Er hat, so scheint es, noch Manches in der Mappe. Die Aufzeichnungen des 1905 verstorbenen Freundes sind noch nicht erschöpft; vielleicht findet er auch noch das Manuscript des Herrn Flachs „lieber den Umgang mit Kunden". Er sollte das alles drucken lassen. So betrachten wir das vorliegende Heft nnr als Abschlagszah lung, für die wir dem Verfasser danken. Den College« in Deutsch- land und Oesterreich aber sei das Büchlein bestens empfohlen. L. U. Miscellen. Zu der süddeutschen Gehilfen-Versammlung, die be kanntlich an den bevorstehenden beiden Pfingstfeiertagen in Stutt gart stattfinden soll, ist von dem Festcomite nun eine besondere Ein ladung (unterzeichnet von Aug. Milczewsky, in Gust. Weise's Ver lag) ausgegeben worden. Dieselbe lautet wie folgt: In früheren Jahren schon wurde in hiesigen Gehilfenkreisen mehrmals der Wnnsch laut, es möchte nach Vorgang anderer Städte doch auch ein mal hier in Stuttgart, dem Mittelpunkte des süddeutschen buchhändle rischen Verkehrs, eine Versammlung der süddeutschen College» veranstaltet werden, welche denselben Gelegenheit böte, sich kennen zu lernen, und ein paar freie Tage in freundschaftlichem Verkehr und zu gegenseitiger An regung, fern vom Bücherstaube, zu verleben! Der Ausführung dieser schönen Idee stellten sich jedoch immer irgend welche Hindernisse und Be denken entgegen, welche dieselbe nie bis zum Entschlüsse und bis zur That kommen ließen. Um so mehr freute es uns, als vor kurzem ein von dem Vorstande des hiesigen Buchhandlungs-Gehilfcnvereins, in einer zu diesem Zwecke berufenen Versammlung sämmtlicher hiesigen College», aufs neue gemachter Vorschlag so allgemeine Annahme und kräftige Unterstützung fand, daß ein sofort gewähltes Comite im Stande war, die Sache energisch in die Hand zu nehmen und in kürzester Zeit zu einem allseitig befriedigenden Abschluß zu bringen. Wir haben demzufolge das Vergnügen, Ihnen hierdurch mitzutheilen, daß an den Pfingstfeiertagen Sonntag 31. Mai und Montag 1. Juni Hierselbst eine Gehilfen-Ver- sammlung stattfinden wird, zu der wir Sie mit Gegenwärtigem im Namen aller hiesigen College» aufs freundlichste einladen! Wir rechnen auf allgemeine Betheiligung und glauben nicht zu viel zu versprechen, wenn wir Ihnen ein paar recht vergnügte und frohe Tage in Aussicht
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