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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.07.1870
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1870-07-18
- Erscheinungsdatum
- 18.07.1870
- Sprache
- Deutsch
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2412 Nichtamtlicher Thcil. JL 162, 18. Juli. ständigen Platz auf der Tagesordnung des Journalistentags er- halten solle. Eine lebhafte Debatte erregten die Fragen der Zeitungscau- tionen, des Zeitungsstempels und der Jnseratensteuer. Von dem jünger» Stein (von der Ostdeutschen Zeitung) lag ein Antrag vor, dahin gehend: cs möge vom Vorstande des Deutschen Journalisten- tags mindestens eine Zeitung in jedem Regierungsbezirke beauftragt werden, zunächst bei der zuständigen Verwaltungsbehörde den An trag auf Herausgabe der Kaution zu stellen und bei ablehnendem Bescheide die weitern Instanzen zu verfolgen.' Diese Frage ist eigentlich nur eine specifisch preußische, da in allen übrigen Staaten die Zeitungscaution abgcschafft ist; auch wurde geltend gemacht, daß der Journalistentag keinen derartigen Auftrag ertheilen könne (vr. Friedländcr), und daß die preußische Regierung selbst im Hinblick auf die Lage der conservativcn Presse (die ja gleichfalls unter der Cantion zu leiden habe) nicht übel Lust habe, dieses In stitut fallen zu lassen (vr. Weiß). Im Verlaufe der Discussion zieht Stein seinen Antrag zurück und die Versammlung nimmt schließlich folgende vom Referenten (vr. Friedländcr) beantragte Resolution an: 1) Zeitungscautionen sind mit der Preßfreiheit un vereinbar; sie sind als Reste des beseitigten Präventivsystems abzu- schasscn. 2) Die Zeitungen und ihr gesammter Inhalt dürfen keinen andern als den allgemeinen Steuergcsetzen unterworfen werden. Die Zcitungssteuer sowie der Jnseratenstempel sind politisch und volks- wirthschaftlich verwerflich. 3) Der Ausschuß wird beauftragt, bei den deutschen gesetzgebenden Versammlungen auf dem Wege der Petition aus Aufhebung dieser Abgabe hinzuwirken. 4) Die Auf hebung hat ohne eine neue Beschränkung der Preßfreiheit oder andere Belastung der Presse zu erfolgen. Hierauf rcferirte vr. Guido Weiß über Preßgesctzgebung und Preßmaßregelungen. Er hält es für eine dringende Pflicht des Journalistentags, einen Centralpunkt für alle Klagen der Presse über Maßregelungen seitens der Behörden zu schaffen und das hier znsammcnströmcnde Material zu einer Art Statistik zu verwerthen. Nur so könne man die Petitionen an die gesetzgebenden Körper schaften , die sich bisher nur in ganz allgemeinen Klagen und For derungen bewegt hätten, wirksam und überzeugend ausstatten. Im Sinne dieser Vorschläge beschloß die Versammlung, daß die Ver treter der Zeitungen in jeder Stadt ein Register über die Preß- prozcffe und Preßmaßregelungen führen und Mittheilungen daraus an den Ausschuß gelangen lassen mögen. Zn diesem Zwecke sollen Fragebogen an die einzelnen Blätter vertheilt werden. Der Aus schuß soll seinen Mittheilungen an den Journalistentag künftighin auch eine gedruckte Statistik beifügen. Es folgte die Verhandlung über den Schutz des geistigen Eigen thums. Die drei ersten Artikel wurden in der vom Ausschüsse vor geschlagenen Fassung ohne Debatte angenommen. Nur Art. 4., der die Unterlassung der Quellenangabe beim Abdruck von Zeitungs artikeln mit einer Geldstrafe bedroht wissen will, wird im Sinne des von Sonnemann und vr. Bodek vertheidigten Biedermann'schen (schriftlichen)Amendements dahin geändert, daß eine solcheQuellen- angabe als selbstverständliche Voraussetzung und ihre Unterlassung als Verletzung des publicistischen Anstandes erklärt wird. Eine Aufforderung des Dramatikers Batz aus Wiesbaden, die vor einiger Zeit gegründete Genossenschaft dramatischer Autoren und Componisten als ein Mittel zur Wahrung der durch das Auto renrechtsgesetz des Norddeutschen Bundes zugesicherten Rechte mit allen der Presse zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen, findet lebhaften Anklang und wird zu Protokoll genommen. Hierauf wen det sich Kaulen von Cöln in warmer und schneidiger Rede gegen die Sittenlosigkeit, die sich in den Erzeugnissen der Operettenfabrikcn -auf der Bühne breit mache; dieselbe verliere mehr und mehr ihre große Bedeutung als eine Bildungsanstalt des Volks; ein Familien vater könne seine Angehörigen fast nicht mehr ins Theater führen. Er beantragt, der Journalistentag möge beschließen, die Vertreter der Presse aufznfordern, daß sie eintreten in den Kampf gegen die Demoralisation der Bühne. Den von verschiedenen Seiten her laut werdenden Einivurf, dies sei nicht Sache des Journalistentags, wi derlegt Bürgers von Cöln, indem er in tieferregter Rede das Hand- langerthum in der Presse geiselt, das jenem Unwesen ans der Bühne Vorschub leistet oder nur mit halbem Herzen zu Leibe geht, anstatt ihm durch entschiedenes Vorgehen zu steuern. Gleichwohl konnte sich die Versammlung der Einsicht, daß hier ein Antrag vorliege, der, wie wohlbegründet und wacker gemeint er auch an und für sich sein mochte, doch über ihre Competenz hinausgehe, nicht verschließen, und ging da her, „in Erwägung, daß es nicht Aufgabe des Journalistcntags ist, der deutschen Presse Vorschriften für ihre politische oder sittliche Hal tung zu ertheilen", zur Tagesordnung über.. . . Die Schlußsitzung am 5. Juli war spärlich besucht; von den mehr als 70 Vertretern glänzte weit über die Hälfte durch Abwesen heit; so verheerend hatten die vorangegangenen Mühen und Lustbar keiten in den Reihen der Geisteskämpfer gewüthet. Es wurde zu nächst in üblicher Weise der gegenwärtige Sitz der Versammlung, Frankfurt, zum Vororte für das Jahr 1870/71 gewählt. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Breslau vorgeschlagen und, nachdem der Vorschlag vonvr. Stein imNamen der dortigen Presse und Bevölkerung dankend unterstützt worden war, angenommen. Eine beim Ausschüsse eingegangene Anregung, zwischen dem Jour nalistentage und dem Schriftstcllertage eine äußere Verbindung (wenn nicht Verschmelzung) anzubahncn, fand insoweit Anklang in der Versammlung, als man die Einberufung beider Genossenschaften an denselben Ort und ungefähr um dieselbe Zeit wünschenswerth fand. Schließlich tauchte der sehr fruchtbare Gedanke auf, daß das werthvolleMaterial, das sich über denJournalistentag angesammelt, von kundiger Hand gesichtet und zu einer Geschichte des Deutschen Journalistentags verarbeitet werden solle. Eine solche Geschichte Würde den Gang der Debatten in Zukunft wesentlich vereinfachen, später Eintretcnden einen raschen Ueberblick über das Geleistete ge währen, das noch zu Erstrebende deutlicher herausheben und nützliche Vorschläge, die früher um dringenderer Reformen willen zurückgelegt werden mußten, aus ihrer Verborgenheit hervorziehcn. In den Ausschuß wurde» hierauf gewählt: das gegenwärtige Frankfurter Localcomitö, die Vossische Zeitung, Volks-Zeitung und „Zukunft" für Berlin, die Breslauer Zeitung, die Schlesische Zei tung, die Deutsche Allgemeine Zeitung, die Neue Freie Presse, die alte „Presse", der „Wanderer" und die Medieiuische Wochenschrift für Wien, die Elberfelder Zeitung und die Neuesten Nachrichten in München. Wohlverdient war der Dank, der zum Schluffe sowohl dem Localeomitv für seine Gastlichkeit als dem Vorsitzenden, vr. Friedländer, für die energisch durchgreifende und umsichtige Leitung der Debatten ausgesprochen wurde. . . . Miscellen. Unterm 15. Juli hat die Leipziger Bank bis ans Weiteres den Disconto für Wechsel und Anweisungen auf 7 Procent, für Lom bardgeschäfte auf 8 Procent erhöht. Personalnachrichten. Am 17. Juni starb in Graz der 80jährige Buchhandlungsge hilfe Franz Xaver Hosp, nachdem er in der Ferstl'schen Buch handlung daselbst sechzig Jahre, unter vier verschiedenen Prinzi palen, die Buchhaltcrstelle bekleidet hatte. „Schlicht, herzensgut und bescheiden", so heißt es in der Grazer,.Tagespost", „barg er doch eine gediegene philosophische Bildung in sich. Noch in den letzten Tagen umgaben ihn seine Lieblinge, die lateinischen Klassiker, ihm Ersatz bietend für die Vereinsamung, welche das höhere Alter mit sich bringt."
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