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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.04.1873
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1873-04-02
- Erscheinungsdatum
- 02.04.1873
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
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Erlcheinl auber Lonnlags täglich. — Biä früh S Uhr eingehende Anzeigen Ivnnne» in der nächsten Nummer zur Aufnahme. Börsenblatt Beitrüge für das Börsenblatt sind an die Redaction — Anzeigen aber an die Expedition desselben zu senden. für den Deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige. Eigentum des BörsenvereinS der Deutschen Buchhändler. Nichtamtlicher Theil. Drr Gcwcrtverein drr Buchdruckcrgchilftn und Herr Brentano.*) Bekanntlich beruht die Coalitionsfreiheit auf Gegenseitigkeit. Wie vor dem Erlaß der Bundesgewerbeorduung sowohl die Koa litionen der Arbeitgeber als die der Arbeiter mit Strafe bedroht waren, so ist es jetzt beiden Parteien sreigestellt, Arbeitseinstellungen zu verabreden. Nur wird solchen Verabredungen kein Rechtsschutz ge liehen. Wenn Strikes und Aussperrungen nicht durch den freien Willen der Betheiligtcn bestehen können, so sollen sie in sich zerfallen. Kein Zwang soll anwendbar, eine für den Fall des Rücktritts etwa verabredete Conventionalstrafe nicht klagbar sein. Das ist der Sinn der heutigen Coalitionsgefttzgebung, nicht bloß bei uns in Deutsch land, sondern auch drüben in England. Die Arbeiter verschiedener Gewerke haben von Anfang an er kannt, daß nach diesen manchesterhasten Grundsätzen eine wirksame Strikerei unausführbar ist. Sie haben daher sich veranlaßt gesehen, der mangelnden Zuverlässigkeit des Staates in diesen Dingen durch die Gründung besonderer Verbände zu begegnen, welche die Aus übung des Zwanges zum Mitthun bei ausbrechenden Strikes unter den Arbeitern, die Execution im Falle des Rücktritts und die Plan mäßige Organisation der Arbeit wie der Nichtarbeit übernehmen. Solche Verbände sind die Gewerkvcreine (Mackss-Onions), und, wo sie's nicht von Anfang an programmmäßig waren, sind sie's im Lause der Jahre durch die Macht der Verhältnisse geworden. Durch ihr Eingreifen in die Arbeiterbewegung wird an die Stelle der Coalition ack boo die permanente Coalition, an Stelle der Freiheit und Frei willigkeit, die in tztz. 152. und 153. der Bundesgewerbeordnung prinzipiell gefordert sind, der organisirte Zwang gesetzt.... Auf den Gewerkverein der deutschen Buchdruckergehilfen, von seinen Mitgliedern schlechthin „der Verband" genannt, paßt das eben Gesagte Wort für Wort. Der Verband wurde im Jahre 1866 von Leipzig aus begründet. Er schrieb die „geistige und materielle Hebung der Gehilfen" auf seine Fahne und brachte nach und nach die Verwaltung der meisten Buchdruckerunterstützungscassen in die Hände seiner Mitglieder. Die Auszahlung des Viaticums an wan dernde Collegcn wurde Sache der Ortsvereinsvorstände. Aus diese Weise kamen die dem Verbände angehörigen Orts - und Gauvereine zu Macht und Ansehen. Mit dem Einfluß stieg die Mitgliederzahl. Nach dem in Leipzig erscheinenden Verbandsorgan „Der Corre- spondent" hat eine am 1. März vom Verbände veranstaltete Zäh lung ergeben, daß von ca. 9000 in Deutschland conditionirenden Gehilfen 6881 dem Verbände angehören. Dagegen behaupten die *) Wir haben diesen Artikel aus der „Gegenwart" zwar neulich schon der Aufmerksamkeit des Buchhandels empfohlen, lassen denselben aber bei seinem intcressanlen Inhalt nun gleichwohl noch hier folgen, nachdem die geehrte Verlagshandlung uns inzwischen die Erlaubnis zum Abdruck er lheilt hat. Die Red. Vierzigster Jahrgang. Prinzipale, daß die erstgenannte Ziffer um 3000 zu niedrig gegrif fen sei. Wir können die Zuverlässigkeit dieser Angaben nicht prüfen, glauben aber annehmen zu sollen, daß in den größeren Druckorten Deutschlands das Verhältniß der Kopszahl der Vcrbandssctzcr zu der Gehilfenschaft überhaupt, mit 7:9 annähernd richtig getroffen ist. Der Verband besitzt unzweifelhaft gewisse Verdienste. Er hat unter der Gehilfenschaft ein lebhaftes Standesbewußtsein erzeugt und die Freizügigkeit der Cassenmitgliedcr hcrgestellt. Mit Recht ist den älteren Arbeiterhilfscasscn der Vorwurf gemacht worden, daß sic die freie Bewegung des Arbeiters hemmen, weil der von einem Ort zum andern Ziehende alle Rechte an die Casse aufgibt, zu der er vielleicht seit zehn oder zwanzig Jahren beisteuerte. Der Verband, indem er das Unterstützungscassenwesen der deutschen Buchdrucker gehilfen centralisirte, beseitigte diesen Uebclstand für das Buchdrucker gewerk, und wenn ein Flugblatt der in Breslau feiernden Gehilfen erklärt: der Verband verfolge den harmlosen und humanen Zweck, „seine Mitglieder in Krankheitsfällen zu verpflegen, seine Todten anständig zu begraben und die Invaliden zu versorgen", — so ist allerdings etwas Wahres daran. Aber leider ist es bei dieser harm losen und humanen Thätigkeit nicht geblieben. Der Verband hat nebenher auch die Sammlung von Strikefonds, die Beschränkung der Lchrlingszahl, die Aufstellung einseitig günstiger Normativbcstim- mungen für etwa abzuschließende Contracte, den Erlaß von Verruss erklärungen gegen ungetreue Verbandsmitglieder, die Abschneidung des Zuzugs zu ganzen Städten oder einzelnen Ossicinen, und im äußersten Nothfall! — die Organisation von Arbeitseinstellungen, ganz nach dem Muster renommirter englischer Trades-Unions sich angelegen sein lassen. Nach etwa dreijährigem Bestehen war der Verband den Prin zipalen so lästig geworden, daß sie durch Gründung eines Prinzipal vereins ein Gegengewicht gegen die Unternehmungen der Arbeiter zu schaffen suchten. Dieser Verein beschloß im Sommer v. I., auf ausdrücklichen Wunsch der Gehilfenschaft, die Aufstellung eines Nor maltarifs. Zu den Tarifberathungen sollten Delegirte aus den Officinen aller größeren Städte zugezogen werden. Die Gehilfen lehnten jedoch (mit einer einzigen Ausnahme) die Wahl der Delegir- ten ab und verlangten die Anerkennung rcsp. Zuziehung ihres bereits bestehenden Verbandes und seiner „gewählten Behörden". (Wört lich! Vgl. „Correspondent" Nr. 15, Beilage.) Die Prinzipale glaubten nach den bisher mit dem Verbände gemachten Erfahrungen und „da derselbe nicht die Gesammtheit der Gehilfen umfaßt", auf diese Forderung nicht cingchcn zu können. Der Gehilsenvcrband hingegen stellte Mitte Januar in aller Hast einen neuen Tarif selb ständig aus, verlangte binnen 48 Stunden dessen Annahme und veran staltete, als diese nicht erfolgte, den durch zahlreiche Gchilfenabreisen wohlvorbereiteten Leipziger Strike. 166
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