Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.09.1873
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1873-09-24
- Erscheinungsdatum
- 24.09.1873
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18730924
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-187309249
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18730924
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1873
- Monat1873-09
- Tag1873-09-24
- Monat1873-09
- Jahr1873
- Titel
- Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.09.1873
- Autor
- No.
- [1] - 3493
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Lrichcinl Sonntags täglich. — Bis Irun 8 Uhr eingehende Anzeigen ksnimen in der nächsten Nummer zur Aufnahme. Börsenblatt für den Bemale für «a» «ürfenblatt sind -in die Redaclton — an,-.^e„ aver NN die Expedition desselben zu senden. Deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige. Eigenthum des BörsendereinS der Deutschen Buchhändler. .^7 221. Leipzig, Mittwoch den 24. September. 1873. Nichtamtlicher Theil. Dir Presse im alten Rom.*) Eine „Presse" vor Erfindung der Buchdruckerkunst? wird viel leicht Mancher fragen. Wir haben uns längst gewöhnt, unter dem Ausdruck „Presse" einen ganz bestimmten Theil der Publicistik zu verstehen, nämlich die Journalistik, d. h. alle periodischen Druck schriften vom Tagesblatt bis zur Vierteljahrsschrist. Und in diesem Sinne darf man „Presse" auch auf das alte Rom ausdchnen und anwenden. Damit ist dann auch schon ausgesprochen, daß es eine Journalistik im alten Rom gegeben hat. Freilich! Aber wir denken dabei nicht an Schichten, wie die Tagebücher Caesar's über den gallischen und den Bürgerkrieg, nicht an persönliche Memoiren, die unter dem Titel „Oomnmutarii" bekannt sind; nein, wir meinen wirkliche, regelmäßig veröffentlichte Blätter, Zeitungen und Sitzungs protokolle. Wann solche zuerst in Rom auskamen, ist Gegenstand einer Controverse geworden. Freilich hat es wohl schon während des ganzen letzten Jahrhunderts der Republik Leute gegeben, welche privatim die Tagesereignisse notirten, um sie auswärtigen Freunden, besonders den Provinzialstatthaltcrn, zuzuschicken; allein es waren dies eben Privatunternehmungen, nur für abgegrenzte Kreise und Personen bestimmt und abhängig von der Dauer der Abwesenheit von Rom im jedesmaligen Falle. Es waren noch nicht eigentlich öffentliche Blätter. Andrerseits hat man gewiß schon seit langer Zeit die Senats sitzungen und die Debatten daselbst protokollarisch ausgezeichnet; allein sie wurden nicht veröffentlicht; in jenen politisch so turbulenten Zeiten wäre es auch unrathsam gewesen, alles, was im Senat zur Sprache kam, in das aufgeregte Publicum zu schleudern. Und daß es im letzten Todeskampfe der Republik zwischen Caesar's Ermordung und der Alleinherrschaft Octavian's geschah, trug sehr bittere Früchte für die öffentliche Ruhe. Damit aber sehen wir, daß vor Caesar's Ermordung schon die Veröffentlichung der Senatsprotokolle, der ^.ota 8suat.u8, stattfand. Und es ist dies auch richtig. In der kurzen, aber über alles Maß glor reichen und das öffentliche Leben fast in allen Theilen reformirenden Zeit der Alleinherrschaft Caesar's, 48—44 vor Ehr., hatte dieser es für weise und vortheilhaft gehalten, die Senatsacten jedesmal zu Publicircn. Er verfolgte eine doppelte Politik damit: erstens war es ein Vertrauensvotum für das Volk, das er immer fester an sich band; andrerseits War es eine Controle für den Senat, der nun die Kritik des für Caesar begeisterten Volkes zu scheuen hatte und also sich noch völliger den Wünschen des Alleinherrschers fügen mußte. Diese Senatsprotokollr entsprechen etwa den heutigen Aus zügen aus den stenographischen Berichten der Land- und Reichstage, denn so wörtlich treu wie letztere waren die Senatsacten nicht. Nicht *) Aus der Allgemeinen Zeitung. Vierzigster Jahrgang. zwar als ob nicht auch eine Art Stenographie in Anwendung kam, allein diese war bei weitem nicht so ausgebildet wie die moderne, und beschränkte sich mehr auf die Abkürzung der Endsylben und der am häufigsten vorkommenden Wörter, wie die Hilfszeitwörter, Prä positionen und Conjunctionen. So war der Schreiber immerhin angewiesen, das Gesagte in kürzerer Fassung niederzuschreiben. Dieser Schrerber aber war eine officiellc Persönlichkeit, und die zur Publicatiou bestimmte Fassung der Protokolle wurde außerdem immer von einem jüngeren Senator redigirt, wobei natürlich Rücksicht auf des Machthabers Wünsche genommen wurde. Somit waren es officiell redigirte Protokolle; das Publicum mußte und sollte auch wohl nicht immer alles wissen. Dieser Gebrauch, die Senatsprotokolle zu veröffentlichen, blieb über Caesar's Regierung in Kraft, überlebte die furchtbaren Kämpfe unter seinen Nachfolgern und wurde von dem Caesarischen Erben Octavianus Augustus beibehalten. Erst Tiberius, Octavian's Nach folger, untersagte die Publicatiou derselben, als durch die mehr und mehr aufkommenden Hochverraths- und Majestätsprozesse im Senat manches Wort fiel, welches dem kaiserlichen Hause im Publicum Abbruch thun konnte. Der Senat war nun eben schon vollständig das Werkzeug des Herrschers geworden, und das Publicum sollte überhaupt jedes politische Bewußtsein und Gefühl verlieren, um dem Monarchen nicht lästig und gefährlich zu werden. Wir werden sehen, inwiefern ein Ersatz für die Unterdrückung der Senatsproto- kollc geboten wurde. Diese Protokolle waren immerhin nicht eigentlich das, was wir Zeitungen nennen — eine Gattung, die wir jetzt zu betrachten haben werden. Von jenen privaten Aufzeichnungen der Tagesneuigkeiten für Auswärtige haben wir gesprochen. Diese haben ohne Zweifel Caesar als Vorbild Vorgelegen, als er, gleichzeitig mit der Veröffent lichung der Senatssitzungsberichte, die erste officiellc römische Tages zeitung herausgab. Es war dies wirklich ein officielles Blatt, ein Tagesblatt, wie der römische Ausdruck lautet (acta äiurua publica populi Romani). Auch das war ein politischer Schritt Caesar's. Es gab kein besseres Mittel, das Volk in Wohlwollen und am Zügel zu halten, als eine solche officiellc Zeitung. Hier legte die Regierung scheinbar Rechenschaft über die Tagesereignisse und ihre Handlungen ab; zugleich fand alles Pikante seinen Platz, so daß das Publicum geschmeichelt und amüsirt wurde; andrerseits war es ganz in die Hand des Machthabers gelegt, die Ereignisse zu seinen Gunsten aus zulegen und das Publicum in dauernder Bewunderung zu erhalten. Wir werden uns das beste Bild von einem solchen Zeitungs blatt machen, wenn wir eine politische Zeitung des vorigen Jahr hunderts zur Hand nehmen. Von einer Kritik der inneren Staats politik ist natürlich da nicht die Rede: innere Verhältnisse werden nur sehr behutsam angerührt, und nur insofern es galt, einen kaiser lichen Act zu verherrlichen oder zu beschönigen, wurde dieser Gegen-- 472
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder
Erste Seite
10 Seiten zurück
Vorherige Seite