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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.09.1853
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- Ausgabe
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- 1853-09-30
- Erscheinungsdatum
- 30.09.1853
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- Deutsch
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1853.^> 1541 Nichtamtlicher Theil. Leipziger Schillcrverein. (Eingesendet.) In Weimar wird neuerdings den Dichterfürsten Schiller und Gökhe ein Denkmal von Erz bereitet; die Bewohner Leipzigs wissen dies wohl; von zwei verschiedenen Seiten her haben sie sich an der Hcrbcischaffung der erforderlichen Mittel betheiligt. Gleichzeitig wird hier, was weniger stadtkundig sein dürfte, an der Errichtung eines Denkmals für Schiller von ganz anderer Art fortgebaut. Der hiesige Schillcrverein hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, nach und nach eine Schillerbibliothek zu begründen, welche dereinst in Vollständigkeit sowol sämmtliche Ausgaben Schiller'scher Werke als alles Wichtige, was über Schiller gedruckt ist, vereinigen soll. Dieses Vorhaben, das bei einer oberflächlichen Betrachtung fast einer Spielerei gleich scheinen mag, wird sicher die Billigung aller schärfer Denkenden erlangen und allen Verehrern Schillers zur Freude ge reichen. Es handelt sich nämlich hierbei keineswegs blos um das rein bibliographische Interesse, sondern es bieten sich noch andere ge wichtige Seiten zur Beachtung. Denn gelingt dieser seit mehreren Jahren mit Unvcrdrvssenheit verfolgte Plan, so wird eines Tages diese Bibliothek einen Theil von dem Umfange der Wirksamkeit Schillers und die wechselnden Verhältnisse verschiedener Jahre in sehr anschaulicher Weise darstellcn. So schätzbar ferner die Leistun gen der Cotta'schen Buchhandlung für die Verbreitung der Schiller'- schcn Werke sind, so wird doch nicht verkannt werden können, daß eine vollständige kritische Ausgabe Schillers noch nicht vorlicgt, dergleichen von den griechischen und lateinischen, ja zum Theil auch von italienischen, französischen und englischen Klassikern vorhanden sind. Eine „Schillerbibliothek" wird zu einem solchen Unternehmen die Mittel gewähren und die Reinheit des Textes der Schiller'schen Werke sichern. Schiller ist früh gestorben, hat selbst in seinen Schriften wiederholt vieles umgeänderr, weggetilgt und hat keine vollständige correcte Ausgabe hinterlassen. Politischen Rücksichten mußte er im letzten Jahrzehenk seines Wirkens starke Rechnung tragen. Nicht jede Weglassung sollte eine Verbesserung sein. Was bei Schillers Lebzeiten vielleicht noch statthaft war, Hörle in der Folge auf es zu sein. Neben Zcitverhältnissen schadet die Nachlässigkeit von Druckern, Eorrectoren und Herausgebern. Des halb ist cs außerordentlich wünschenswert!), daß die ursprünglichen Originalausgaben irgendwo aufbcwahrt und erhalten werden, wo sie jederzeit gefunden werden können. Die von Schiller selbst noch besorgten Ausgaben oder eigent lichen Originaldrucke (in der Sprache der Bibliographie „Autogra- pha" genannt) sind in den allermeisten Exemplaren längst verbraucht und verschwinden von Jahr zu Jahr mehr; ist doch beinahe schon ein halbes Jahrhundert verflossen, seit Schiller starb. Unter solchen Verhältnissen ist es die höchste Zeit, sie zur Aufbewahrung zu sam meln. Je seltener sic werden, desto mehr steigen sie im Werthe. Je nach den Umständen ist eine alte, beschmutzte und viel begriffene Ausgabe eines Schillers'chen Stückes für ein paar Groschen zu be kommen oder, wenn sie gesucht witd, mit eben so vielen Thalern zu bezahlen. Antiquarpreise von 8 bis 12 Thalern für einen Band aus der früheren Periode Schillers sind nichts Ungewöhnliches- Einsender zahlte für eine gegen Schiller gerichtete Streitschrift von 12 Duodezblättern l^Thaler, nachdem er länger als ein Jahrzehend vergebens nach ihrer Erwerbung gatrachtct. —- Dem Schillervereine stehen nun leider nicht Ge ldmittel zu Gebote, durch die ec seinen Zweck leicht erreichen könnte. Er ist der Hauptsache nach auf Ge schenke angewiesen und vermag seine Aufgabe nur zu lösen, indem Zwanzigster Jahrgang. er die freiwillige Bctheiligung von Verehrern Schillers gewinnt, für deren Bestrebungen er als Mittelpunkt zu dienen hat. Erfreulich ist es, berichten zu können, daß bereits ein namhafter Anfang ge macht worden ist. So mancher Freund Schillers hat eine in seinem Besitze besinliche alle Ausgabe in der Schillerbibliothck nicdcrgelcgl, wo sie hinfort mit seinem Namen aufbewahrt wird. In ihr wird sie erhalten bleiben. Für den gewöhnlichen Genuß eines Gedichtet reichen neuere Ausgaben eben so gut hin wie die alten; ja, der neue Druck ist für die Augen um Vieles gefälliger; was werthvoll für den. Kritiker und Literaturhistoriker ist, kann nicht immer den einfachen Leser ansprechen. Gewiß ist das Opfer nicht groß, sich von einer alten Ausgabe zu trennen, deren Inhalt man für wenige Groschen in verjüngter Form sich wieder zu verschaffen im Stande ist, wohl aber ist die Gabe eines solchen Buches groß, insofern dasselbe in der Reihenfolge eine Lücke aussüllt. Alte, im Privatbcsitz befind liche Bücher oder Raritäten pflegen mchcentheils über kurz oder lang zu Grunde zu gehen- Dies ist das Schicksal so mancher Seltenheit gewesen, die dem öffentlichen Besitz anzuvertrauen ihr Eigenthümer sich nicht entschließen konnte; er hat schlecht für sie gesorgt, wenn er sie nicht weggab. Wir sagen nun nicht, in welcher Absicht wir diese Zeilen ge schrieben haben, weil dies ein Jeder unserer geneigten Leser, der etwa alte Ausgaben von Schiller besitzt, längst crrathen haben wird; wir bemerken nur zu seiner Bequemlichkeit, daß jeder der be kannten Vorsteher des Schillcrvereins, so wie sein derzeitiger Bi bliothekar, Buchhändler Theodor Thomas, sich eine Freude daraus machen wird, alte Ausgaben für die Bibliothek in Empfang zu neh men, und geben wir zum Schluß ein Verzcichniß des Besitzstandes die ser Bibliothek, so weit sic die bei Schillers Lebzeiten erschienene Ausgaben enthält. Die Schillerbibliothek besitzt von Einzelausgaben der Gedichte: das Lied an die Freude „ein Rundgesang für freie Männer" 1786; den Vcnuswagen; das Reiterlied; das Lied von der Glocke; Ge dichte, Crcuznach 1804; Anthologie auf 1782; Thalia und neue Thalia; Horen; Kalender auf 1791, 1792, 1802; Musenalmanach 1796, 1797 (1. u. 2. Ausgabe), 1799, 1800; Räuber 1802; Ka bale 1784 (Schillers eigenes Exemplar mit Verbesserungen von seiner Hand) 1786,1802; Fiesco 1788,1802; Carlos 1787, 1799, 1801, 1802, 1604; Jungfrau (im Berliner Kalender sowohl als in einer Frankfurter Einzelausgabe von 1802); M- Stuart 1801 (3. Ausg-), 1802; Braut von Messina 1803; Wallenstein 1800 (3.Ausg.), 1801 (2.Ausg.): Huldigung der Künste 1805; Phädra 1805; Turandot 1802 (2. Ausg-); Macbeth 1801 (2- Ausg.); Geisterseher 1790 (2. Ausg.), 1798; Abfall der Niederlande 1788, 1801; dreißigjähri ger Krieg 1791, 1802 ; Sammlung historischer Memoiren (der merk- würd. Rebellionen 1788, Geschichte); kleine prosaische Schriften 1792; übet Anmuth und Würde 1793. Von diesen Ausgaben ist die größere Hälfte durch gelegentlichem Ankauf vom Schillerverein erworben; durch Schenkungen sind da von an die Bibliothek gelangt: 6 Nummern von der Buchhandlung Cotta in Stuttgart, 4 von Professor Wutlke, 2 von Herrn Kehr in Creuznach und eben so viel von Herrn Kamel in Homburg v. d- H-, je eine von Bchhdl. Vogel, Bchhdl. Crusius, Bchhdl. Schreck, so wie von Fr. Roßwitha Kind, sämmtlich in Leipzig, von De. W. Schäfer in Dresden, 0r. Wildenhahn in Bautzen, Herrn Gräve in Kamen; und der Bchhdl. Metzler in Stuttgart. 224
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