Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.01.1861
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1861-01-28
- Erscheinungsdatum
- 28.01.1861
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18610128
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-186101284
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18610128
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1861
- Monat1861-01
- Tag1861-01-28
- Monat1861-01
- Jahr1861
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
M 12. 28. Januar. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. 183 Nichtamtlicher Th eil. Auch ein Reformvorschlag. Seit Jahren lesen wir im Börsenblatt Klagen über Klagen wegen des zunehmenden Verfalls des Buchhandels i» neuester Zeit. Die Verleger beschweren sich über die Unsoliditat der Sor timenter, wogegen diese wieder ihren Ruin den Verlegern wegen zu geringen Rabattes und zu vieler Baarpacketc in die Schuhe schieben wollen. Die Norddeutschen klagen über die Oesterrcicher und Russen, daß sie nicht zahlen, diese schreien wieder über die norddeutschen Handlungen, daß sic ihre Banknoten nicht nehmen wollen. Jeder der beiden Theile klagt über den andern und macht Vorschläge über Vorschläge zur Abhilfe der vorhandenen Uebcl- stände, ohne daß man seit dieser ganzen langen Zeit doch auch nur das Geringste gemerkt hätte, daß cs anders würde. Diese ewigen Klagen sind aber dennoch ein deutlicher Be weis, daß irgend Etwas vorhanden sein muß, woran der ganze Buchhandel krankt. Alle Mittel aber, die bis jetzt zur Abhilfe vorgeschlagcn worden sind, scheinen doch eben nicht die richtigen gewesen zu sein, denn sonst würde doch wenigstens eines Bei fall gefunden haben. In so vielen dieser Reccpte wird nun auf die gute alte Zeit hingcwicsen, wo es noch Buchhändler gab, die reich geworden sind. Welches waren also die Zustände dieser guten Zeiten? und gibt cs kein Mittel, diese wenigstens theilwcise wieder zurückzu führen? Nach meiner Ansicht waren cs damals nur zwei Facto- ren, die das goldene Zeitalter des Buchhandels bedingten: 1) we niger Handlungen, 2) weniger Bücher. Gegen den ersten dieser Factoren läßt sich eben nicht an kämpfen, jeder Mensch will leben und selbständig werden, wo also irgend ein Plätzchen offen ist, findet sich gewiß auch Jemand, der dort seine Existenz suchen will. So viele Etablisscmcntscir- culare habe ich doch nun schon gelesen, aber jedes enthält gewiß die hochtrabende Phrase: der Ort ist so und so bedeutend, hat diese und jene Aemtcr, Schulen und Anstalten und sehr wohl habende Umgegend. Ich muß gestehen, daß ich mich bei dieser Redensart nie eines mitleidigen Lächelns habe enthalten können. Die Verfasser dieser Circulare werden es später nur zu schmerz lich empfunden haben, wie wenig diese geringeren Beamten w. Bücher zu kaufen im Stande sind. Trotz alledem ist dieser Punkt nun ein kait secompli und cs läßt sich nicht weiter darüber streiten, statt dessen wird das Pu blicum jetzt mehr bearbeitet. Die Colportcurc lassen sich zu einer Thüre hinauswerfcn und kommen so lange zur andern wieder herein, bis der Mißhandelte am Ende doch auf etwas subscribirt, um den Menschen nur loszuwerden; kurz es werden jetzt Mittel angewcndct, um die Bücher loszuwcrden, deren sich jeder andere Kaufmann schämen würde und die auch den Buchhandel zuletzt beim Publicum so in Mißcredit bringen werden, daß die Träger der Wissenschaft noch hinter den Käsckrämern rangicen werden. Der zweite Punkt aber bildet den größten Unterschied zwi schen früher und jetzt. Die Schrcibscligkeit der Deutschen und die Vcrlcgerwuth im lieben deutsche» Buchhandel ist die Pestbeule amKörperdcs Buchhandels. Wo sollen diezehntausendevon neuen Büchern alljährlich untergebracht werden? Mag sein, daß jetzt viel mehr gelesen wird, als früher, aber die Kauflust und die Mittel zum Bücherkaufen stehen in gar keinem Vcrhällniß zur jetzigen Production. Wem von den Herren College» ist nicht manches Mal angst und bange geworden vor dem wöchentlichen dickleibigen Zcttelpackct? Und das soll der in seiner Zeit ohnehin beschränkte Sortimenter Alles lesen und beherzigen! Kein neuer Roman erscheint, von dem es nicht heißt: so Etwas ist noch gar nicht dagcwcscn, solcher Effect in der Darstellung -c.; kein Band Gedichte wird ausgegebcn, bei dessen Ankündigung man nicht glauben sollte, Schiller und Goethe wären dem Autor zu ge ringe, seine Schuhricmen aufzulöscn. Und nun aber vor allem diese Rabattvortheile von Seilen der Verleger! 50HH Rabatt vor Erscheinen! Der Sortimenter muß ja reich werden, denn bei so und so viel Exemplaren verdient er sofort das Doppelte seiner Auslagen. Armer Sortimenter! wehe dir, wenn du dich durch diese schönen Redensarten verlocken lässcst! Man weiß wahrhaftig manches Mal gar nicht, was man mit einem Buche ansangen soll, und doch ist die Fracht schon gezahlt und die Rückfracht will man durch Absatz doch womöglich zu er sparen suchen. Es ist oft unbegreiflich, wie sich für manche Bü cher noch ein Verleger findet; letzthin blätterte ich zufällig beim Auszcichncn ein hübsches Bändchen Gedichte durch, die Ausstat tung war elegant und niedlich, aber der Inhalt! Nur bei der jetzigen Vcrlcgerwuth konnte solcher Unsinn einen Verleger fin den. Wenn sich ein Autor fände, der ein Buch über das Husten der Flöhe hcrausgeben wollte, er fände auch dazu einen Verle ger, der ihn noch honorirtc, und wollte das Werk in erster Aus gabe nicht gehen, so würde sofort eine zweite billige Volksaus gabe in Lieferungen mit Prämien veranstaltet und die Sortimen ter müßten darauf colportiren lassen. Solche Mittel, ihren Verlag loszuwcrden, wandten nun frei lich unsere Vorfahren nicht an, sie halten cs aber auch nicht nö- thig, ihr Verlag empfahl sich von selbst und während das jetzige Publicum durch die marktschreierischen Empfehlungen schon so verdrießlich gemacht ist, daß cs in Folge solcher Zeitungsannoncen nichts mehr kauft, kaufte das damalige Publicum noch auf Treu und Glauben. So lange, Ihr Herren Verleger, als Ihr die Schreibselig keit solcher Scribaxe und Büchermacher unterstützt und jeden Wisch in Euren Verlag nehmet, kann und wird cs nicht besser werden. Ihr steckt Euer Geld in Maculatur und statt der zur Ostcrmesse gehofften großen Einnahme kommen Remitkenden. Die Folge davon sind dann entweder Preisherabsetzungen oder Partieverkäufe an Antiquare und Vcrderbniß des Publicumö, das zuletzt jedes Buch nur noch antiquarisch kaufen will. Der Sortimenter dagegen denkt andererseits, wenn ihm das Geld knapp wird: de» kann ich ja entbehren, wenn er mir auch die Rechnung sperrt, er muß warten. Das Alles sind die natürlichen Folgen schlechten Verlages. Ihr Herren Verleger, bringt nur gute Waare auf den Markt und Ihr werdet eine gute Ostermesse haben, der Sortimenter wird Euch zahlen, weil er Euren guten Verlag braucht, er wird ihn protegiren, weil er etwas dabei gewinnt und die Geschäftsver bindung wird gegenseitig angenehm werden. Werft solche Bücher- machcr zur Thüre hinaus, sie bringen Euch und den Sortimen ter ums Geld und wenn sie ach und weh über Euch schreien, daß Ihr das Talent verkennt und ein aufkcimcndes Genie nicht unterstützen wollt. Des Pudels Kern liegt in der Schreibwuth der Deutschen und Druckwuth der Buchhändler, jeder möchte sofort ein großer Verleger und in einem Jahre reich werden. Erst wenn diesen beiden Abnormitäten des jetzigen Buch handels Zügel angelegt sind, wird es anders werden. Wenn erst statt der jetzigen 10,000 meist mittelmäßiger Bücher, 3000 gute jährlich verlegt werden, dann wird es für Verleger und Sorti menter besser werden und Ihr Herren Verleger seid die Fabri kanten des Buchhandels, macht Ihr den Anfang und Ihr werdet auch bald die Früchte ernten. iL. 26*
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder