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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.08.1886
- Strukturtyp
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- Band
- 1886-08-04
- Erscheinungsdatum
- 04.08.1886
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- Deutsch
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4154 Nichtamtlicher Teil. Nichtamtlicher Teil. Anthonius Koberger und der deutsche Buchhandel am Ausgange des Mittelalters. Vortrag gehalten im »Krebs«, Verein jüngerer Buchhändler in Berlin, von Ernst Bollert. Eine der großartigsten Epochen deutscher Geschichte ist die Zeit des Überganges vom Mittelalter zur Neuzeit, das fünfzehnte und die erste Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts; darum so groß artig, weil in ihr alle Kräfte unseres Volkes, geistige wie wirt schaftliche, in höchstem Maße sich ausgebildet hatten, und weil diese überschäumende Vollkraft des Volkes nach Bethätigung nicht nur, sondern auch nach einer dem deutschen Wesen und Charakter ent sprechenden Entwickelung trachtete. Jene hohe Kulturentwickelung hat unser Volk bis zu dem heutigen Tage noch in vielen Stücken, machdem sie durch die Barbarei eines alles vernichtenden dreißig jährigen Krieges zu Grunde gerichtet worden war, nicht wieder er langt, und mit Bewunderung schauen wir auf diese fernliegende Zeit zurück, die z. B. im Gebiete künstlerischen Schaffens in jedem Betracht noch heute Lehrmeisterin und Führerin ist, und die eine Fülle geistigen Lebens in sich schließt, wie das deutsche Volk sie nur im vorigen Jahrhundert annähernd noch einmal gesehen hat. Die Jahrhunderte langen Kämpfe um seinen Bestand hatte das deutsche Volk glücklich überwunden; in sich selber hatte es sich zu einer großen einigen Nation zusammengeschlossen, und wenn die deutsche Kaisermacht auch bereits stark im Niedergange begriffen war, so war Deutschland damals doch noch das erste Reich der Christenheit, und sein Volk arbeitete gewaltig an der Schaffung von Zuständen, die ihm gestatteten, seine Kräfte frei auszugestalten und zu ent falten. Dem Rittertum war ein mächtiger Büracrstand eben bürtig an die Seite getreten, und in den IM und vrH ;nm großen Handel dem Süden und besondere- mit den, deutschen Knnstfleißes gingen wiederum in aWMelt^ind förderten fort und fort den Wohlstand unseres Volkes. Reisende, die um jene Zeit Deutschland besuchten, schilderten es als einen blühenden Garten voll herrlicher Fluren und wogenden Kornfeldern, und von den Bürgern der Städte rühmte ein Papst, daß sie vornehmer wohnten als Schottlands Könige. Mit dem wachsenden Wohlstände nahm auch die Freude an der behaglichen Ausgestaltung des Lebens zu; herrlich erblühten die Künste; ein Albrecht Dürer und Lucas Cranach schufen ihre unsterblichen Werke, und überall in deutschen Landen wuchsen jene herrlichen Dome empor, die als bleibende Denkmale den unvergänglichen Ruhm jener Zeit noch fernen Ge schlechtern Anden werden. Hatten bisher die Wissenschaften fast nur in den Klöstern eine Pflegestätte gesunden, so wandten sich ihnen infolge der Gründung der Universitäten mehr und mehr auch die Laien zu. Freier begann der Geist des Menschen sich zu regen; die in verknöcherten Formen sich bewegende Philosophie des Mittelalters, die Scholastik, wurde bei Seite geschoben, und aus dem lebendigen neu erwachten Interesse für das klassische Alterthum, dessen literarische Schätze wieder aufgefunden waren, wuchs der Humanismus empor, der der Vor läufer jener großartigen Bewegung der Geister wurde, die ihren endlichen Ausgang in der Reformation fand. In diese Bewegung treibender Kräfte war die geniale Er findung Gutenbergs, durch den Satz beweglicher, gegossener Lettern und durch Pressendruck die Erzeugnisse geistiger Arbeit in beliebiger Zahl zu vervielfältigen, wie die lebenweckcnden Sonnenstrahlen auf fruchtbares Erdreich gefallen; jetzt war das Mittel ungehin derten Austausches der Gedanken gefunden, und in welchem Maße davon Gebrauch gemacht wurde, lehrt uns die Thatsache, daß schon wenige Jahrzehnte nach der Erfindung die Drnckknnst über fast ganz Europa Verbreitung gefunden hatte. In diese Zeit, die wir mit dem Gesamtnamen der Renaissance zu bezeichnen gewohnt sind, und die wie ein verklärendes Abendrot über dem scheidenden Mittelalter liegt, gedenke ich Sie heute zurückzuführen, um Ihnen einen Berufsgenossen jener Tage nach seinem Leben und Wirken zu schildern, der nicht nur als ein Buch händler von höchster Bedeutung, ja als der eigentliche Schöpfer des deutschen Buchhandels, sondern auch als ein ganzer Reprä sentant jener Zeit und des ihr eigenen mächtigen Bürgertums vor uns steht. Unser gelehrter Berufsgenosse, Herr vr. Hase, hat uns in der kürzlich erschienenen zweiten Auflage seines trefflichen Werkes über Anthonius Koberger eine reiche Fülle von Nachweisen über diesen Mann erschlossen, und soweit es meine Kräfte gestatten will ich es versuchen, an der Hand dieses ausgezeichneten Buches und anderer Quellen ein Lebensbild von Anthonius Koberger zu entwerfen und zugleich die Anfänge des deutschen Buchhandels nach ihrer Art und Bedeutung zu skizzieren. Ungefähr im Jahre 1450 hatte Gutenberg sein erstes Werk, die sechsunddreißigzeilige Bibel gedruckt. Rasch wurde die neue Erfindung durch seine Gehilfen rheinaufwärts nach Straßburg und Basel und rheinabwärts nach Köln und dann weiter über Süd- und Westdeutschland und bald auch über die anderen Kulturländer verbreitet. In den reichen Städten Süddeutschlands, in denen die neue Kunst am ersten auf einen ersprießlichen Erfolg hoffen durfte, finden wir schon frühe zahlreiche Druckereien in Thätigkeit. In ^Nürnberg, der Krone der deutschen Städte im Mittelalter, in der wie nirgends sonst der Geist jener Zeit in all seinen groß artigen Erscheinungen und Äußerungen Leben und Gestaltung gewann, wurde bereits im Jahre 1470 eifrig gedruckt, und im Jahre 1472 tritt zum erstenmale Anthonius Koberger als Buch drucker in die Erscheinung. Anthonius Koberger entstammte einem alten Nürnberger Bürgerhause; seine Vorfahren waren durch viele Generationen Bäcker gewesen, hatten sich dann aber auch anderen Gewerben zugewendet, und Anthonius war wahrscheinlich ursprüng lich Goldarbeiter. Diese Thätigkeit hatte ihn vermutlich mit Nürnberger Buchdruckern in Verbindung gebracht, denn die Gold arbeiter, die gleichzeitig Stempelschneider waren, besorgten in den ersten Jahren der Buchdruckerkunst vielfach die Herstellung der Stempel, mit denen die Gußformen der Buchstaben geschlagen wurden. Der nach Charakter und Begabung groß angelegte Mann erkannte nicht nur bald die hohe Bedeutung der neuen Erfindung, sondern wandte sich ihr mit ganzer Liebe zu und entwickelte nun mit seiner außergewöhnlichen Tüchtigkeit eine Buchdruck- und Buchhandlungsthätigkeit, die alles in den Schatten stellt, was auf diesem Gebiete — wenn man die Verhältnisse berücksichtigt — selbst bis auf unsere Tage geleistet worden ist, und im Hinblick auf welche Kobergers gelehrter Freund Jodocus Badius ihn mit Recht den Fürsten der Buchhändler nennen durfte. Kobergers Thätigkeit ist für uns besonders wichtig, soweit sie sich auf den wirklichen Buchhandel erstreckt; ehe ich auf diese aber näher eingehe, will ich versuchen, eine Schilderung seiner Thätigkeit als Buchdrucker zu geben, die uns zugleich einen Blick thun läßt in das Wesen der schwarzen Kunst zur Zeit Gutenbergs.
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